Birgit Simmler als künftige künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele vorgestellt
Offen für Shakespeare als Cross-Over

Die künftige Künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele, Birgit Simmler, nimmt mal ganz locker auf dem Tisch zwischen Bürgermeister Karl-Willi Beck (rechts) und Verwaltungsleiter Harald Benz Platz. Bild: stg
Kultur
Wunsiedel
21.12.2016
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Wunsiedel. Die Zeit der Intendanten bei den Luisenburg-Festspielen gehört bald der Vergangenheit an. Ab der Spielzeit 2018 wird es zwei Neuerungen geben, wie der Wunsiedler Bürgermeister Karl-Willi Beck am Mittwoch verkündet: Zum einen trägt erstmals eine Frau die künstlerische Verantwortung, zum anderen wird es erstmals eine Teamlösung an der Spitze gehen. Neben der künstlerischen Leiterin Birgit Simmler wird sich Verwaltungsleiter Harald Benz um das Administrative der Festspiele kümmern.

"Eine Doppelspitze ist mittlerweile in vielen Häusern Usus und hat sich bewährt", pflichtet Simmler bei. Für sie ist es ein echter "Kaltstart": Denn auch als Zuschauerin hat Simmler die Luisenburg-Bühne noch nie erlebt. Ab der Spielzeit übernimmt die 44-Jährige die künstlerische Leitung der Festspiele und tritt die Nachfolge von Michael Lerchenberg an.

Der erste öffentliche Auftritt Simmlers in Wunsiedel lässt erahnen, dass eine neue, zweifellos wohltuende, Lockerheit bei den Festspielen einkehrt: Nach wenigen Minuten nimmt sie doch lieber auf dem Tisch im Sitzungssaal Platz und schert sich reichlich wenig um die Etikette.

Das Rad wird sie auf der Luisenburg sicherlich nicht neu erfinden, vielmehr will sie am Bewährten festhalten - und in der Zeit der Lerchenberg-Ära hat sich bekanntermaßen sehr viel bewährt. Und trotzdem will Simmler auch neue Akzente setzen. "Mir liegt viel daran, auch eigene Stücke zu entwickeln", erzählt sie. Dazu will sie Stoffe, Themen und Ideen aus der Region aufgreifen und diese dann so formen, dass Uraufführungen gelingen. "Das klappt 2018 sicher noch nicht, aber für 2019 habe ich es geplant", sagt Simmler, die sich auch einen Namen als Autorin gemacht hat.

Säulen erhalten

Wie genau der Spielplan 2018 aussehen wird, steht jetzt natürlich noch nicht fest. "Geben Sie mir da noch etwas Zeit", bittet Simmler. Aber an den grundlegenden vier Säulen der Festspiele - Familienstück, Volksstück, Klassiker und Musical - möchte sie nicht rütteln, das sei so schon sehr sinnvoll und auch erfolgreich.

"Den Begriff der Klassiker möchte ich vielleicht etwas ausweiten", sagt die angehende künstlerische Leiterin. Durch den Kopf gehe ihr da beispielsweise ein Shakespeare-Stück im Cross-Over-Format. Festhalten will Simmler auch an den Gastspielen und Konzerten auf der großen Bühne genauso wie an den Veranstaltungen im Museumshof. "Vielleicht kann man auch noch kleinere Formate vor und nach der offiziellen Festspielzeit draufsatteln", kündigt Simmler an. Sehr am Herzen liegt ihr in diesem Zusammenhang die Verzahnung der Festspiele mit der Stadt und ihren Bürgern - und damit auch mit der städtischen Bildungs- und Kulturarbeit sowie den heimischen Künstlern.

Austausch mit Lerchenberg

Ab 1. Oktober 2017 wird sich Simmler ausschließlich um die Luisenburg-Festspiele kümmern, bis dorthin ist sie noch als Kulturreferentin in der hessischen Stadt Biedenkopf und als dortige Leiterin der Schlossfestspiele tätig. Auch mit dem jetzigen Intendanten Michael Lerchenberg will sich Simmler in den kommenden Monaten austauschen. Unter Druck setzen lässt sich die "Neue" vom Erfolg der Festspiele in der Ära Lerchenberg nicht: "Ich habe den Anspruch es so gut zu machen, wie ich es kann." Dies dann zu bewerten, sei die Aufgabe von anderen.

Auch ihren Lebensmittelpunkt wird Simmler ab Herbst gemeinsam mit Ehemann Peter Hohenecker - der übrigens auch Regisseur und Schauspieler ist - und dem achtjährigen Sohn nach Wunsiedel verlegen.

Bürgermeister Beck berichtet, dass rund 50 Bewerbungen für die Stelle eingegangen waren. Der Stadtrat sei in seiner Entscheidung für Simmler "sehr gut beieinander" gewesen, berichtet Beck über die Abstimmung in nichtöffentlicher Sitzung.
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