Eva-Maria Lerchenberg-Thöny inszeniert „Heidi“ bei den Luisenburg-Festspielen
Hinauf zum Alm-Öhi

Kultur
Wunsiedel
18.05.2017
483
0
 
Regisseurin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny (r.) diskutiert und erläutert mit ihrem Ensemble während der Probenpausen die einzelnen Szenen.

Für ihre Rolle als Heidi kraxelt Maria Kempken auch über Felsen. Aber nicht in den Bergen, sondern auf der Luisenburg-Bühne. Am 31. Mai hat die Geschichte vom Waisenmädchen, das zwischen dem Leben beim einsiedlerischen Großvater auf der Alm und in der Großstadt Frankfurt hin- und hergerissen ist, Premiere.

"Das Buch von Johanna Spyri ist sehr zeitlos", erzählt Regisseurin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny, die das Stück als Familienmusical nicht nur in Szene setzt, sondern auch selbst geschrieben hat. Beim Schreiben hat sie die Bühne vor Augen gehabt und auch bereits gewusst, was sich wie umsetzen lässt im Felsen.

Ihre eigene erste Begegnung mit "Heidi" hatte Lerchenberg-Thöny, wie wahrscheinlich viele andere auch, in der Jugendzeit - allerdings nicht mit dem Buch, sondern mit einem Film. Das Buch habe sie erst in jüngster Vergangenheit gelesen. Und sie bekennt, dass die japanische Zeichentrick-Serie "Heidi", die Ende der 70er Jahre die Kinderzimmer erobert hatte, an ihr vorbeigegangen war.

"Heidi ist ein Kind ohne Vorbehalte, unvoreingenommen gegenüber den Anderen. Das Mädchen öffnet die Herzen der Menschen, nimmt Stimmungen sehr sensibel wahr, lässt sich aber nicht verbiegen", beschreibt die Regisseurin und Autorin "ihre" Heidi, die sie eng ans Kinderbuch aus den Jahren 1880/81 anlehnt. Beim Blick auf die Proben wird auch schnell deutlich, dass das Stück nicht nur für die Luisenburg-Bühne, sondern auch den Hauptdarstellern auf den Leib geschrieben ist: Maria Kempken schlüpft in die Rolle der Heidi, den Part des "Alm-Öhi" übernimmt Paul Kaiser, passenderweise ein Schweizer.

Wie in den Bergen


"In diesem Jahr lerne ich die Bühne komplett anders kennen", erzählt Kempken, die 2016 ihr Luisenburg-Debüt in "Bluthochzeit" feierte - ebenfalls unter der Regie von Eva-Maria Lerchenberg-Thöny. "Neugierig, positiv, lebensfroh" - so sei die Heidi, die sie darstellen könne. Und ein bisschen könne sie sich auch selbst in der Rolle wiedererkennen. Die Geschichte sei wie gemacht für die Luisenburg, sagt Kempken, "es fühlt sich an wie in den Bergen". Dazu gehört dann natürlich auch, dass die Heidi-Darstellerin über die Felswände der Luisenburgbühne kraxelt. Bei einem Sicherheitstraining hat die Schauspielerin bereits eine Einweisung in den richtigen Umgang mit Seil und Karabinerhaken und die nötigen Vorsichtsregeln am Felsen bekommen.

Die Luisenburg-Familienstücke der vergangenen Jahre haben der Musik einen hohen Stellenwert eingeräumt, in diesem Jahr geht Eva-Maria Lerchenberg-Thöny noch einen Schritt weiter: Mit ihrer Mischung aus Theater, Tanz, Musik und Gesang wird Heidi zum "Familienmusical". Manch eine Melodie wird den Besuchern ziemlich bekannt vorkommen, handelt es sich dabei doch um einen unverwechselbaren Sound. Die Klänge stammen von Haindling, darunter sind auch bekannte Melodien wie "Leit hoits zsamm", "Silberwalzer", "Das ewige Lied" und "Maultrommel". Für Lerchenberg-Thöny gehe von der Musik Haindlings eine ungeheure Dynamik und Kraft aus, gleichzeitig sei sie aber auch "geerdet".

"Die Stücke, die jetzt für das Musical verwendet werden, hat es alle schon gegeben", erzählt "Haindling"-Kopf Hans-Jürgen Buchner. Lerchenberg-Thöny sei mit einer ganz konkreten Liste auf ihn zugekommen. Zehn Melodien seien es dann geworden, die er, Buchner, nochmal überarbeitet hat, damit sie für das Stück passen. Die Liedtexte stammen von Lerchenberg-Thöny. "Ich war ganz froh darüber, dass ich keine ganz neuen Lieder schreiben musste", bekennt er.

Angesichts der aktuellen Aufnahmen für ein neues Album und der bevorstehenden Tour wäre das sehr knapp geworden. "Ich hoffe, dass ich es zeitlich schaffe, mir das Stück anzuschauen", sagt Buchner. Dass seine Musik, "Heidi" und die Luisenburg-Bühne zusammenpassen, steht für ihn außer Frage. "Das Fichtelgebirge und das Felsenlabyrinth sind immer wieder faszinierend", bekennt Buchner, der selber schon mehrmals mit seiner Band bei den Festspielen zu Gast war: "Die Bühne ist ein tolles Naturerlebnis, da macht das Spielen einfach Spaß!"

Fröhlich und ernst zugleich


Anfang Mai haben die "Heidi"-Proben auf der Bühne begonnen, zuvor waren schon Teile der Choreographie einstudiert worden. Die Regisseurin verspricht ein fröhliches und auch lustiges Stück, bei dem aber ernste Themen nicht ausgeklammert werden. Mobbing, Ausgrenzung, Lügen und Intrigen - diese Themen, so Lerchenberg-Thöny, gebe es in Spyris Kinderbuch auch. "Auch wenn damals natürlich noch keiner das Wort Mobbing kannte", so die Regisseurin.

Über 135 Jahre ist der Stoff mittlerweile alt, trotzdem spricht Lerchenberg-Thöny von einem "Stück für heute". Das verdeutlicht der Text des Schlussliedes: "Ist das Leben noch so hart, miteinander sind wir stark! Gehen wir jetzt Hand in Hand, keiner uns besiegen kann! Mobbing, Lügen und Intrigen, die werden wir ganz klein jetzt kriegen! Ob auf Facebook, WhatsApp, Twitter, Cybermobbing woll'n wir nicht mehr!" Und die Gewissheit bleibt: "Heidi" und die Luisenburg - das passt.

Heidi ist ein Kind ohne Vorbehalte, unvoreingenommen gegenüber den Anderen. Das Mädchen öffnet die Herzen der Menschen.Regisseurin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny


Service"Heidi" feiert am Mittwoch, 31. Mai, um 10 Uhr Premiere, es folgen noch 23 weitere Vorstellungen. Die einzige Abendvorstellung geht am 2. August um 20.30 Uhr über die Bühne. Weitere Informationen im Internet unter www.luisenburg-aktuell.de

___

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.