Publikum feiert Wiederaufnahme des Musicals Cats auf der Luisenburg
Macho trifft Miezen

Kultur
Wunsiedel
30.06.2017
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Sie sind mittlerweile heimisch geworden - die Katzen im Fichtelgebirge. Sie tanzen, singen und bewegen sich dort, als würden sie schon immer dorthin gehören. Am Donnerstagabend erlebt die Wiederaufnahme des Musicals "Cats" eine umjubelte Premiere auf der Luisenburg-Bühne.

Die Andrew-Lloyd-Webber-Komposition ist ein einziger Superlativ: "Cats" gehört zu den weltweit erfolgreichsten und beliebtesten Musicals. Umso größer ist die Herausforderung, das Katzentheater, das viele Besucher sicher schon einmal gehört oder gesehen haben, so auf die Bühne zu bringen, dass es begeistert, fasziniert und berührt. Dem Team um Regisseur Hardy Rudolz (Co-Regie: Christian Stadlhofer) gelingt dies nach 2016 auch in dieser Festspiel-Saison auf verblüffende Art.

Allein schon die ersten 15 Minuten der Inszenierung lassen die knapp 1900 Besucher eintauchen in eine Musicalwelt voller bunter Farben, ausgezeichneter Kostüme (verantwortlich: Thomas Kaiser) und einer atemberaubenden Choreographie (verantwortlich: Vanni Viscusi, Dance-Captain: Martina Borroni). Die Katzen schweben, schleichen, springen über die Felsenbühne (verantwortlich: Jörg Brombacher), als ob Lloyd-Webber sein Musical speziell für die Luisenburg geschrieben hätte (was er natürlich nicht hat).

Nun gehört "Cats" nicht unbedingt zu den inhaltsschweren Musicals des Genres. Dem Regisseur Rudolz gelingt es allerdings durch den Einbau einer kleinen Rahmenhandlung eine ganz klare Botschaft zu vermitteln: In einem verlassenen Steinbruch lebt ein älteres Ehepaar mit einigen Katzenkindern. Als eine Horde Jugendlicher in den Steinbruch einbricht und die Idylle stört, wehren sich das Paar und ihre Katzen auf musikalische und tänzerische Weise. Und machen deutlich: "Die Achtung voreinander bestimmt den Umgang miteinander" - ein Zeichen dafür, wie ähnlich sich Katzen und Menschen doch sind.

Authentische Katzendiva

Melodien, Gesang und Tanz prägen das Musical. Anfängliche kleine Tonschwierigkeiten sind schnell behoben und dürften auch bei den nächsten Aufführungen verschwunden sein. Die Darsteller - etwa die Hälfte ist im Vergleich zum Vorjahr neu dabei - präsentieren sich von ihrer besten Seite. Eigentlich ist es ja unfair, einzelne Akteure herauszuheben - aber es geht einfach nicht anders. "Cats" ist natürlich vor allem mit einer Rolle verbunden, nämlich Grizabella. Sophie Berner schlüpft in dieser Spielzeit in die zerlumpten Gewänder der einstigen Katzendiva, authentisch agiert sie zwischen Stolz und Gebrechen, zwischen Resignation und neuer Zuversicht, mal kraftstrotzend und dann wieder fast blutleer. Bei der gefühlt schon tauend Mal gehörten Arie "Erinnerung" gelingt es ihr mit einer durch und durch präsenten Stimme, Gänsehaut-Gefühl und auch einige Tränen der Ergriffenheit auszulösen.

Ganz anders, aber nicht weniger faszinierend, agiert Fabian Gallmeister als testosterongeschwängerter Rum Tum Tugger (im Bild vorne), der Macho-mäßig die Miezen anmacht und seine Potenz selbstbewusst zur Schau stellt. Alles andere als schüchtern ist der heiße Käfig-Auftritt von Bombalurina (Verena Kollruss) und Demeter (Julia Waldmayer): Sie bieten Katzenerotik in Reinform und besingen "Macavity".

Für die komödiantischen Momente des Abends sorgen die Hauskatzen Mungojerrie und Rumpleteazer: Noah Wili und Isabel Waltsgott geben nicht nur gesanglich ein Traumpaar ab, sondern legen in Lederhose und Dirndl auch kesse Sohlen aufs Parkett - Lokalkolorit inklusive. "Im Fichtelgebirge sind wir zu Hause", singen beide voller Inbrunst. Nicht weniger witzig in seiner optischen Ausprägung gerät der alte weise Kater Old Deuteronomy, der von Regisseur Hardy Rudolz verkörpert wird: Die Anleihen an den bayerischen Märchenkönig sind nicht zu übersehen.

In Bestbesetzung

Immer wieder brandet kräftiger Szenenapplaus auf, wenn Skimbleshankes (die Lockerheit in Person: Christopher Wernecke) mit der "echten" Lok über die Bühne fährt, wenn die häusliche Gumbie Katze (treffender kaum möglich: Gudrun Schade) zum Leben erwacht oder wenn sich der alte Theaterkater Gus (wandlungsfähig: Thomas Schirano) an seine jugendlichen Taten erinnert.

Bis in die noch so kleine Rolle ist das Ensemble spitzenmäßig besetzt und untermauert damit den von Intendant Michael Lerchenberg begründeten exzellenten Ruf der Luisenburg als Musicalbühne. Den frenetischen Applaus der Zuschauer dürfen sich nach über zwei Stunden schließlich verdientermaßen auch die Live-Musiker unter der Leitung von Jörg Gerlach abholen.

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