13.07.2017 - 15:48 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Schauspieler Paul Kaiser brilliert mit Solo-Programm bei LuisenburgXtra-Reihe Wenn der "Wahn"-Sinn Methode hat

Es ist dann doch alles ganz einfach: "Denn es ist wie es ist!" Warum es allerdings genau so ist und nicht anders, das ist dann doch recht kompliziert. Und auch unterhaltsam. Besonders wenn es von einem ganz besonderen Wissenschaftler erklärt wird: Dr. Wahn.

Ein Mann, ein Atom, ein Universum: Paul Kaiser begeisterte als Dr. Wahn bei der LuisenburgXtra-Reihe.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Diese Kunstfigur hat Luisenburg-Schauspieler Paul Kaiser geschaffen und in dieser Rolle philosophiert er am Mittwochabend gut 90 Minuten lang bei der LuisenburgXtra-Reihe über "Die All-umfassende Theorie der Welt". Aufgrund des starken Regens wird der Monolog vom Museumshof ins Innere des Museums verlegt.

Was hat es also mit der Welt auf sich? Und mit den Teilchen, den Atomen, den Wellen, dem All? Und dem Universum, von dem es gar mehrere gibt? Physik-Kenntnisse sind gefragt, wenn Dr. Wahn loslegt. Andererseits aber auch nicht: Denn niemand erklärt physikalische Phänomene so unterhaltsam, so verstörend, so skurril, so herrlich logisch-unlogisch wie der Dottore auf der Bühne. Paul Kaiser schneidet Grimassen, hüpft rauf und runter, spricht mit Händen und Füßen, echauffiert sich, quält sich, kommt nur Erleuchtung.

Heisenberg und Hawking

Es geht um Einstein, für den eh alles relativ ist, es geht um Heisenberg, für den eh alles unscharf ist ("also verwackelt, verschwommen") und es geht auch um Hawking, den man eh nicht nachvollziehen kann. "Je mehr wir wissen, wissen wir, dass wir nichts wissen", stellt Dr. Wahn fest. Generell sei es sowieso ziemlich schwierig etwas zu bestimmen, wenn man von den "Launen der Teilchen" abhängig sei. Denn manches Teilchen sei so ziemlich offen für alles. "Wenn man nichts mehr erklären kann, dann macht der Wahn keinen Sinn", stellt Kaiser fest. Und außerdem stelle sich schon auch die Frage, wer eigentlich mit wem experimentiere. "Betrachtet der Betrachter oder wird er betrachtet?" - eine Frage, die den Wissenschaftler bewegt.

Dr. Wahn philosophiert über das Gesetz des Kreises, über die Gene des Wasserflohs, übers Einsam- und Alleinsein, über Schwarze Löcher ("Das sind die Bestattungsunternehmer des Universums"), über die Gravitationskraft und schließlich auch irgendwann über den Schöpfer und das Geschaffene. Der Monolog führt die Zuschauer ganz tief hinein ins physikalisch-existenzialistische Denken, um dann rechtzeitig wieder einen humorvollen Haken zu schlagen. Eingebaut hat Kaiser hinreißende Slapstick-Passagen, in denen der Schauspieler, der in der laufenden Spielzeit auch als "Alm-Öhi" auf der Luisenburg-Bühne steht, sein ganzes komödiantisches Können ausspielen kann.

"Eine Rübe ist eine Rübe!"

Die Bühne wird zum Tollhaus, der Schreibtisch mit all seinen Utensilien erklärt die Welt. "Doch wie soll man die Welt erklären, wenn man nicht einmal die eigene Frau versteht?", muss sich Dr. Wahn fragen. Zu guter Letzt ist es aber dann doch noch "volldacht" und die Zuschauer können mit der wesentlichsten Erkenntnis des Abends nach Hause gehen: "Eine Rübe ist eine Rübe!" Langer Applaus für einen herrlich kurzweiligen Abend voller Wahn-Sinn!

___

Eine weitere Aufführung von "Dr. Wahn" gibt es noch am Samstag, 15. Juli, um 20 Uhr zu erleben.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.