29.11.2017 - 20:00 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Anti-Drogen-Zug kommt an

Der "Revolution Train" war im Landkreis Wunsiedel durchaus umstritten. Die Initiatoren und die Schüler des Luisenburg-Gymnasiums ziehen aber eine positive Bilanz.

Die Initiatoren des "Revolution Train" zogen ein positives Fazit der Aktion (von links): Thomas Ebeling, Landrat des Landkreises Schwandorf, Landrat Karl Döhler, Organisator Pavel Tuma, Klaus Grimm vom Zoll, Patrizia Johnson, Projektleiterin "Revolution Train", stellvertretender Landrat Roland Schöffel und Pressesprecher Horst Martini vom Landratsamt Wunsiedel. Bild: fph
von Autor FPHProfil

Wunsiedel. Die Wahrheit ist nicht immer schön. Das haben die Schüler im Landkreis Wunsiedel, die den Anti-Drogen-Zug besuchten, mit eigenen Augen gesehen. Manchmal ist es aber nötig, die Wahrheit ungeschönt zu zeigen, um abzuschrecken. Zumindest bei den Schülern des Luisenburg-Gymnasiums (Lugy) hat das Präventionsprojekt "Revolution Train" genau das bewirkt, was es soll: "Ich werde die Finger von Drogen lassen", sagte ein Schüler bei der Abschlussveranstaltung des grenzüberschreitenden Projekts im Landratsamt. Der Anti-Drogen-Zug aus Tschechien machte vom 25. September bis 3. Oktober im Landkreis Wunsiedel und einen Tag später in Nabburg Halt.

Hohe Kosten

Wegen der hohen Kosten war das Projekt durchaus umstritten. Doch der stellvertretende Landrat Roland Schöffel ist sich sicher: "Jeder Euro, der hilft, einem Jugendlichen das Leben zu retten, ist gut angelegt." 50 000 Euro habe es gekostet, den Zug in den Landkreis zu holen. "Das Geld war es wert", sagte Schöffel.

Wie der drogenabhängige Marcel, dessen Geschichte der "Revolution Train" erzählt, wollen die Schüler der zehnten Klasse des Luisenburg-Gymnasiums nicht enden. In den Zugabteilen erlebten die Jugendlichen hautnah Marcels Leben, vom ersten Joint bis zum "goldenen Schuss". Bei der Abschlussveranstaltung berichteten fünf Schüler von ihren Eindrücken. Interessant, erschreckend und schockierend, lautete ihr Fazit.

Pavel Tuma aus Tschechien, Initiator des Zuges, will so authentisch wie möglich die Folgen von Drogenmissbrauch aufzeigen. Marcel, der Hauptdarsteller im Film, der im Zug gezeigt wird, war Tumas Freund - seine Geschichte real. Die Prävention soll nachhaltend wirken. Deshalb soll das Thema auch im Unterricht weiter diskutiert werden. Die Jugendlichen des Wunsiedler Gymnasiums haben ihre Eindrücke zum Beispiel in einem Aufsatz niedergeschrieben.

Fragebögen ausgewertet

"Zwei bis drei Monate später bieten wir nochmal ein Folgeprogramm an. In zwei Unterrichtsstunden schauen sich die Schüler den Film erneut an und sprechen über das Thema", sagte Tuma. Und direkt nach ihrem Besuch konnten die Schüler freiwillig einen Fragebogen ausfüllen. Bei der Beantwortung einiger Fragen mussten die Jugendlichen sich selbst und ihren Drogenkonsum kritisch betrachten. Einige Ergebnisse der 1330 Fragebögen stellte Tuma bei der Veranstaltung vor: 15 Prozent der teilnehmenden Schüler aus dem Landkreis Wunsiedel haben nach eigenen Angaben schon mindestens einmal Marihuana geraucht. Und 13 Prozent gaben sogar an, leicht an die Drogen heranzukommen.

Vor allem 14- und 15-Jährige seien besonders gefährdet, Zigaretten oder Marihuana zu rauchen und Alkohol zu trinken, sagte Tuma. Schockierend sei die Auswertung der Frage, woher die Kinder Alkohol bekommen. "Am häufigsten von den Eltern", klärte er auf. Viele Eltern meinten es gut, sie wollten nicht, dass ihre Kinder irgendwo anders unkontrolliert trinken. Doch das sei falsch. Denn Alkohol bleibt Alkohol, egal wo er getrunken werde.

Für das kommende Jahr plant der Initiator bereits eine neue Version des Zuges. Bei der Finanzierung des Projekts soll besser kooperiert werden, und der Zug soll in der Grenzregion verstärkt unterwegs sein. Auch die Kritikpunkte, die die Schüler des Lugy äußerten, will Tuma berücksichtigen. Die fünf hätten sich nämlich einen anderen Ausgang des Filmes gewünscht. Am Ende stirbt Marcel, seine Freundin Petra überlebt und ist schwanger. Obwohl sie ebenso wie Marcel Drogen genommen hat, kommt ihr Kind gesund zur Welt. "Das ist ziemlich unlogisch und unwahrscheinlich", kritisierten die Jugendlichen.

Wiederholung erwünscht

Dennoch bewerteten sie das Präventionsprojekt durchweg positiv. Alle waren sich einig, dass der Halt des Zuges nach Wiederholung ruft. Ginge es nach den Schülern und Verantwortlichen im Landratsamt, sollte der Zug alle zwei Jahre in den Landkreis kommen.

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