16.10.2017 - 17:10 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Bündnis gegen Rechts zieht Bilanz Erfolgreich gegen Extremismus

Zur Halbzeit präsentiert das Bündnis "Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeiten" seine Projekte. Die Bilanz ist überzeugend.

Politiker und Ehrenamtliche von Tirschenreuth bis Hof engagieren sich gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit. Bild: fphs
von Redaktion OnetzProfil

Wunsiedel/Tirschenreuth. "Demokratie leben in der Mitte Europas" ist ein vom Familienministerium gefördertes Projekt, zu dem sich die drei Landkreise Wunsiedel, Hof und Tirschenreuth sowie die Stadt Hof zusammengeschlossen haben. Sinn und Zweck ist, mit einer ganzen Reihe von Aktionen, Netzwerken und Projekten in Schulen oder Kommunen gegen Extremismus zu kämpfen und Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Die Fäden laufen bei der Bad Alexandersbader Koordinierungsstelle gegen Rechts zusammen. Bei einem Pressegespräch am Freitagmittag im Landratsamt Wunsiedel ziehen die drei Landräte Dr. Karl Döhler, Dr. Oliver Bär und Wolfgang Lippert sowie Oberbürgermeister Harald Fichtner mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern nach zweieinhalb Jahren Halbzeitbilanz. Angelegt ist die Aktion auf fünf Jahre.

Bis zu 30 000 Euro

Insgesamt fließen auf Bundes- und Länderebene rund 100 Millionen Euro zur Förderung der Projekte "Demokratie leben". Rund eine Million Euro geht nach Nordostbayern. Einzelne Projekte können mit bis zu 30 000 Euro gefördert werden. Die Stadt Wunsiedel, so Projektleiter Thomas Heppener, habe mit ihrem Kampf gegen Rechts gezeigt, wie man Demokratie stärken und sich gegen Extremismus verteidigen könne. Mit der Einrichtung der Koordinierungsstelle in Bad Alexandersbad habe man eine gute Voraussetzung für das Knüpfen von Netzwerken geschaffen.

Den Mehrwert der vielen Aktionen bekommen die Kommunen als Ganzes, aber auch die einzelnen Familien als Mehrwert und Stärkung der Demokratie zurück, unterstrich der Hofer Oberbürgermeister Fichtner, der auf die Rolle der Ehrenamtlichen für Flüchtlinge, aber auch einen neu aufkeimenden Antisemitismus einging.

Gegen Radikalisierung

Das Ein-Mann-Stück "Dschihad one way" thematisiert die Radikalisierung eines Konvertiten, also eines zum Islam übergetretenen jungen Mannes und ist laut Arno Speiser als Prävention gegen Radikalisierungen gedacht. Das Theater wendet sich dem unverständlichen Phänomen zu, dass in Deutschland aufgewachsene Jugendliche - mit und ohne Migrationshintergrund - sich von den Versprechungen des IS angezogen fühlen. Für die nächsten Tage wurde ein Jugendforum mit dem Motto "Denk mit" angekündigt. Auch das sei ein Beitrag dazu, die Demokratie zu stärken und wehrhaft gegen Extremismus zu machen. Hofs Landrat Oliver Bär unterstrich, dass man nicht gegen, sondern für etwas eintrete. Sein Wunsiedler Kollege Döhler lobte Projekte, wie das Mitmachtheater "Multi kulti" in Selb, in dem Geflüchtete ihre Erlebnisse gemeinsam aufarbeiten. Er unterstrich die Notwendigkeit, gegen Extremismus aller Art vorzugehen. Das Aktionsbündnis trage entscheidend zur Stärkung der Demokratie bei.

Aktionen und Projekte voller Energie und Kreativität

Stefan Denzler von der Koordinierungsstelle verwies in einem Rückblick darauf, dass die Jahre 2015 und 2016 vom Flüchtlingsthema beherrscht wurden. Ein Begleitausschuss von ehrenamtlichen Mitarbeitern wurde gegründet. Ab dem Jahr 2016 wurde eine Konsolidierungsphase eingeläutet, die Kontakte zu Schulen, Kommunen und Vereinen gefestigt und Impulse für gemeinsame Aktionen gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit geschaffen hat. Für die kommenden zwei Jahre kündigte Denzler eine neue Phase an. Neue Mitarbeiter brächten frischen Wind in die Bewegung. Nach dem Motto "Engagieren, nicht zusehen" wirke man mit Jugendforen verstärkt in Schulen und sensibilisiere Jugendliche für den Kampf gegen Extremismus. Martin Becher vom Aktionsbündnis ist mit der bisherigen Arbeit des Bündnisses zufrieden. Entgegen des Mottos "Only bad news are good news" (nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten) seien hier die guten die besten Nachrichten, sagte er. Hier werde Demokratie gelebt und mit Aktionen und Netzwerken, die es vorher nicht gab, gefördert. Ungewöhnlich sei auch der Zusammenschluss der vier Kommunen "über Landkreis-, Bezirks- und Dialektgrenzen hinweg". Becher versprach, dass man für die kommenden zwei Jahren voll durchstarten und mit viel Energie und Kreativität arbeiten werde. 214 Aktionen und Projekte, von Informationen, Theateraufführungen, Fortbildungsmaßnahmen bis hin zu Diskussionen, wurden in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt oder laufen noch. Das Theaterstück "Meine Freiheit, deine Freiheit" mit einheimischen Jugendlichen und jungen Flüchtlingen schärfe den Blick für die Flüchtlingsproblematik, sorge für mehr Verständnis und sei so erfolgreich, dass es nicht nur in Schulen, sondern auch in Berlin aufgeführt wurde. Sogar an der Universität Karlsruhe und auf EU-Ebene sei das Theater Thema gewesen. (fphs)

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