25.02.2018 - 15:08 Uhr

Auftakt der Amberger Schultheatertage Flotte Sprüche im Scheinwerferlicht

Broadway, nimm dich in Acht! Die Nachwuchs-Talente des Theaters stampfen schon wortwörtlich auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Sechs Schulen stellen ihre Projekte im Schnelldurchlauf im Stadttheater vor. Es geht um Mord, Mobbing und Mythologie.

Die Tiere rufen auf zur Revolution! "Die Farm gehört jetzt uns und ab heute sind wir frei," singen die Tiere, während der böse Bauer Jones schläft. (Bild: dwi)
von Dagmar WilliamsonProfil

Amberg. (dwi) Zuerst ein Tanzen und Trampeln, um sich auf der Bühne zu formieren, dann ein wildes Werfen der Baseball-Kappen und Jacken: "Wir im Theater!" Die Unterstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums beginnt den Abend - auf deutsch, russisch und kosovarisch wundern und freuen sich die Jüngsten. Mit der Eigenproduktion "Der Schöne und das Biest" wollen die Schüler des GMG auf Mobbing aufmerksam machen. Die Klassenstufen sieben bis neun wagten sich an "Die Farm der Tiere" heran. Unter der Leitung von Claudia Ried gelang die Kurzvorstellung mit Bravour.

"Wir wollen Futter," riefen die Darsteller unisono und zwei gleichgültige Katzen jammerten leise, aber deutlich: "Bauer Jones ist böse." Die Idee für das Lied der Befreiung hatten die Darstellenden und stampften im Takt auf den Boden. Rebellion gegen Tyrannei und für die Freiheit. Humorvoll, aber dennoch zum Nachdenken anregend ist dieses Stück, das am 27. Juni in der Mensa des Gregor-Mendel-Gymnasiums von Anfang bis Ende zu sehen ist.

Zeitgetreu ist "SMS - Stories aus Maggies Salon" nach dem Bühnenspiel "Handy-Stories" von Hans Zimmer. Die Gruppe des Erasmus-Gymnasiums ist sich nicht zu schade für Klatsch und Tratsch und Glanz und Glamour. Der Frisiersalon der Stadt schlechthin wird Schauplatz von Pseudo-Freundschaften und Seelenklempnerei - und immer ist das Smartphone dabei. Der Mythologie nimmt sich die Oberstufe an. "Die Atriden, Iphigenie und ich" von Helga Eham wird frei interpretiert, ist aber nicht weniger blutig.

Eine Milliarde für Gerechtigkeit bietet das Max-Reger-Gymnasium. Die Umsetzung von "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt macht neugierig auf das unmoralische Angebot der Claire Zachanassian. Von den Güllenern, die am Bahnhof die Züge beobachten, bis zum vermeintlichen Todesfall kommt diese Inszenierung ohne viel Schnickschnack aus.

Gesellschaftskritisch geben sich die Schüler der Staatlichen FOS/BOS. "Alles ganz normal?" ist eine Satire von Martin Willi und handelt vom Perfektionismus, der den einfachen Arbeiter Kuno in die Gummizelle bringt. Er möchte fliehen - mit Hilfe seiner Sissi und Gespenstern. Ob er es schafft, zeigt die Gruppe am 22. März in der Turnhalle.

Es ist nicht Timm, sondern Tina Thaler, die ihr Lachen verkauft, um die reichste Hoteldirektorin in Amberg zu werden. Unter der Leitung von Brigitte Bodensteiner und Katharina Augustin hat das Ensemble der Schönwerth-Realschule eine interessante Interpretation des Romans auf die Beine gestellt. Sogar der Teufel ist diesmal weiblich: Baronin Lefuet, gekleidet in rot, stolziert, aber mit einem nicht weniger höllischen Lachen von dannen.

"Die Schülerinnen wollten unbedingt einen Krimi spielen," sagte Peter Ringeisen, der die Gruppe der Dr.-Johanna-Decker-Schulen leitet. Überraschend anzüglich geben sich diese in "Mord auf Tele 1", einem Stück von Mike LaMarr. Klischees haben die Darstellerinnen nicht ausgelassen. Der griesgrämige Geschäftsleiter des Fernsehsenders bemängelt während der Team-Besprechung die Interviews: "Da wirkt Angela Merkel wie ein rattenscharfes Callgirl." Und fällt nach dem letzten Schluck Kaffee tot um. Sofort vor Ort ist der Videoreporter, um den Tod seines Chefs aufzunehmen. Auch die Kripo ist schnell da - ein flirtender Macho, der nie um einen Schenkelklopfer verlegen ist und seine emanzipierte Kollegin, die den Mordfall in die Hand nimmt. Am 14. März wird der kniffelige Fall im Gerhardinger-Saal gelöst und ist für Freunde des Laien-Theaters ein Schmankerl voller Pointen und Lacher.

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