An Ostern wird in den Kirchen geratscht
Das Schweigen der Glocken

Die Ministranten von St. Georg beim sogenannten Ratschen. Das Osterfeuer brennt aber erst in der Osternacht. Archivbild: Hartl

Ein letztes Essen, dann der Verrat und der Tod am Kreuz. Die Christen gedenken am Gründonnerstag dem Schicksal Jesu. Ein Zeichen dafür ist das Verstummen der Kirchenglocken bis zur Osternacht.

 Ihre Aufgabe übernehmen in vielen Pfarreien die Ratschen, Schlaginstrumente aus Holz, die ein klapperndes Geräusch machen - zum Beispiel in der Stadtpfarrei St. Georg. "Das hölzerne, doch aggressive Geräusch soll den Charakter der Kartage hörbar machen", erklärt Pfarrer Markus Brunner. Anstelle der Kirchturmglocken laden die Ministranten mit einer Ratsche die Besucher am Karfreitag zum Gottesdienst ein. Am Karsamstag rufen sie auf diese Weise zum Mittagsgebet. Alle Festlichkeiten werden unterbrochen, um dem Leiden und Sterben Jesu Ausdruck zu verleihen. In der Kirche wird auf jeglichen Schmuck verzichtet. "Die Orgel spielt während der Zeit nicht", sagt Dekan Brunner.

Zu den Gebets- und Mittagsläuten versammeln sich die Ministranten meistens auf dem Kirchenvorplatz, um zu ratschen. Heimatpfleger Josef Schmaußer aus Hohenkemnath erinnert sich: "Zu meiner Zeit als Ministrant sind wir auf den Kirchturm gestiegen, öffneten die Lüftungsschlitze und ratschten dort. Oft war es so laut, dass man es noch im Nachbardorf hörte." Die hölzernen Instrumente sind auf unterschiedliche Arten gebaut. "Zum einen ist da die klassische Ratsche", sagt Brunner. Sie besteht aus einer großen Walze mit Nocken, die man über eine Kurbel betätigt. Dabei schnellen die Holzleisten zurück, wodurch das typische Geräusch entsteht. Die zweite Variante ist ein kleines Hämmerchen, das auf eine Holzleiste schlägt, es wird als Schelle am Altar benutzt. Das Klappern steht im Kontrast zum Glockenläuten und soll laut Markus Brunner die Trauer und den Schmerz der Karwoche verdeutlichen.

Im Volksmund heißt es, "am Gründonnerstag fliegen die Glocken nach Rom". Dort würden sie die Beichte ablegen und vom Papst den Segen erbitten. "Der Spruch soll wohl den Kindern erklären, warum das Läuten nicht mehr zu hören ist", vermutet Josef Schmaußer. Doch nach drei Tagen ist der katholische Brauch beendet: Beim feierlichen Gloria in der Osternacht erklingen dann die Kirchenglocken wieder - als Zeichen für die Auferstehung Jesu.
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