26.09.2017 - 21:16 Uhr
Oberpfalz

Kurioser Prozess Komplizen überfallen

Der Fall gehört ins Raritätenkabinett der oberpfälzischen Kriminalgeschichte. Denn wann hat es das schon einmal gegeben, dass jemand den eigenen Komplizen überfällt, um Fahnder ins Leere laufen zu lassen?

von Autor HOUProfil

Amberg/Schwandorf. Beide Hauptdarsteller der fast schon possenhaften Inszenierung, die nun vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts quasi ihren Schlussakt findet, gehören der Rauschgiftszene an. Sie trafen in Burglengenfeld (Kreis Schwandorf) eher zufällig aufeinander und heckten einen kriminellen Plan aus.

Die beiden Männer, 37 und 23 Jahre alt, wussten an einem Oktoberabend letzten Jahres, dass es da einen 25-Jährigen gab, der eine Börse mit vermeintlich 800 Euro und außerdem auch noch Marihuana in seinem Rucksack hatte. Er wollte nach Regenstauf und wurde von dem 23-Jährigen chauffiert. Die Tour, so war es zwischen dem Täter-Duo vereinbart, führte allerdings in ein Waldstück.

Im dunklen Forst sprang der "Hamster" hinter einem Jägersitz hervor. "Wer", so fragte man im Gerichtssaal nach, "war der ,Hamster'?" Es handelte sich um den 37-Jährigen, der wohl wegen seiner eher bescheidenen Körpergröße im Freundeskreis so genannt wurde. Der "Hamster" hatte sich mit einem Schal vermummt, fuchtelte mit einer Pistole, stoppte den Wagen und raubte zunächst seinen am Steuer sitzenden und von der Figur her Bud Spencer gleichenden Komplizen aus. "Das gehörte zum Plan", erfuhr die Strafkammer.

Wieselflink um den Wagen

Dann rannte der zweibeinige "Hamster" wieselflink um den Wagen, wandte sich dem eigentlichen Opfer zu, teilte Hiebe aus und ließ sich Geldbörse samt Rauschgift aus dem Rucksack geben. Sekunden später tauchte er mit raschen Schritten im Wald unter.

Ein Komplize, der beim Überfall in die Rolle eines Opfer schlüpfte und seine "Hamster" genannte Zufallsbekanntschaft als Räuber: Beide sitzen jetzt wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung nebeneinander auf der Anklagebank. Alle zwei haben zwischenzeitlich ein Geständnis abgelegt. Dumm gelaufen für sie. Zumal auch schon deswegen, weil die Bargeldbeute eher gering ausfiel. Ein Flop wie eine Komödie aus dem Bauerntheater.

Es gibt noch einen dritten Angeklagten. Der 34-Jährige soll von dem Überfall gewusst und seine Kenntnisse der Kripo verschwiegen haben. Der Mann ist empört. Er sagt: "Ich habe erst viel später erfahren, dass der Hamster einen Überfall gemacht hat." Mit einer Räuber-Pistole, die sich als Schreckschusswaffe entpuppte.

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