01.12.2017 - 10:46 Uhr
Oberpfalz

Stiftung des Unternehmer-Ehepaars prüft Hilfe für Uganda Conrad dreht mit am großen Rad in Afrika

Das zweitgrößte Flüchtlingslager der Welt steht in Uganda. Es beherbergt rund 250 000 Menschen, die vor dem brutalen Bürgerkrieg aus dem Nachbarland Südsudan geflohen sind. Zusammen mit den großen internationalen Hilfsorganisationen kümmert sich der Staat nach Kräften um die neuen Bürger. "Hut ab, was die da leisten", sagt Michael C. Geiss, der Uganda und die Camps besucht hat.

Unter den rund 250 000 südsudanesischen Flüchtlingen im Norden Ugandas sind Tausende Kinder. Obwohl sie viel Grauen gesehen haben, können sie zumindest beim Blick in die Kamera lachen und scherzen. Tatsächlich gelingt es den Familien, in den gut betreuten Camps langsam ins Leben zurückzufinden.
von Thomas Amann Kontakt Profil

In Amberg kennt man ihn als den Mitbegründer und Vorsitzenden der Bürgerinitiative Amberg hilft Menschen. Auch sie betreut Flüchtlinge - solche, die den Weg nach Deutschland bereits gemacht und hier Zuflucht gefunden haben. Einmal mehr drehte Michael Geiss den Spieß nun sozusagen um. Er reiste nach Afrika, um sich die Situation der Menschen vor Ort anzuschauen. Das tat er nicht primär für die Amberger BI - obwohl sich der Kreis bei ihm mit seiner Funktion perfekt schließt. Erneut war es die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung, die den 59-Jährigen nach Uganda entsandte.

Brennpunkt der Flüchtlinge

Sie weiß natürlich, dass dort mit der Problematik Südsudan ein Brennpunkt der afrikanischen Flüchtlingsarbeit liegt. Oft genug erreichen das Hilfswerk in Hirschau Bittgesuche um Unterstützung oder konkrete Vorschläge für Projekte und Beteiligungen. Als erfahrener Unternehmer und weitgereister Mensch weiß Klaus Conrad, wie wichtig es ist, verlässliche Partner vor Ort zu haben. Am besten, man lernt sie selber kennen und erkundet die Lage mit eigenen Augen, um Hilfe adäquat und direkt einzusetzen. Michael C. Geiss ist der Mann, der solche Aufgaben für die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung übernimmt. Er ist der Neffe des Unternehmer-Ehepaars und auch deshalb aus Hirschauer Sicht der objektivste Vertreter, den sich die Stiftung wünschen kann. Wobei Michael Geiss selbst solche Reisen im Auftrag seines Onkels und seiner Tante entgegenkommen - kann er doch so die Perspektive wechseln und als Ambergs oberster Flüchtlingshelfer den Blick direkt in potenzielle Herkunftsländer richten. Ursachenforschung eingeschlossen.

Allein von der Größe seines Flüchtlingslagers, das sich genauer gesagt auf acht Standorte im Norden des Landes verteilt, birgt Uganda die Gefahr, dass sich auch von hier aus Tausende Menschen in Bewegung nach Europa setzen könnten. Dem wirken die Hilfsorganisationen und der Staat - natürlich auch aus humanitären Gründen - seit langem vorbildlich entgegen, indem die Camps viel mehr sind, als reine Verwahrstationen, berichtet Geiss.

Das fängt nach seiner Schilderung damit an, dass Flüchtlingsfamilien nach ihrer Erstaufnahme nicht lange in Zelten bleiben müssen, sondern ein Stück Land zugewiesen bekommen. Dort können sie mit gestellten einfachen Baumaterialien ihre eigenen Hütten errichten und außerdem die Flächen drumherum landwirtschaftlich nutzen. So versorgen sie sich schon nach kurzer Zeit selbst oder leisten zumindest einen wertvollen Beitrag dazu, anstatt nur in Abhängigkeit zu leben und auf tägliche Lebensmittellieferungen zu warten.

Dadurch sind innerhalb der Tausende Quadratkilometer großen Lager eigene Dörfer mit einer kleinen Infrastruktur bis hin zu Handel und Ladengeschäften entstanden. Michael Geiss war davon schwer beeindruckt - auch von der Sauberkeit dieser Siedlungen, um die sich die Bewohner selber kümmern. Denn so haben die Menschen tatsächlich Halt und das Gefühl eines neuen Zuhause gefunden, das sie nicht wegen unzumutbarer Zustände, wie sonst oft in Flüchtlingslagern, bald wieder verlassen wollen.

Doch mit Blick auf die Frage, wie lange der Bürgerkrieg im Südsudan noch andauern und wann eine Heimkehr möglich sein wird, tun sich laut Geiss auch hier erste Schwierigkeiten auf. Die Camp-Situation hat sich nicht nur zahlenmäßig, sondern eben auch aufgrund ihrer guten Struktur so entwickelt, dass sie allmählich zur Konkurrenz mit einheimischen Städten und ihren Bürgern führt. Als Beispiel nennt Geiss die Region um Adjumani: Hier leben neben dem 110 000-Einwohner-Zentrum rund 125 000 Flüchtlinge. Sie bauen ihre Feldfrüchte mittlerweile so erfolgreich an, dass sie damit auf den einheimischen Markt drängen und dort die Preise drücken.

Spannungen tauchen auf

Das ärgert die angestammten Bauern und es kommen erste Spannungen auf, schildert Geiss. Insgesamt aber sei dieser Ansatz der Flüchtlingshilfe sehr effektiv. Mitgetragen werde er von internationalen Profis wie dem UNHCR, Roten Kreuz, Plan International und Ärzte ohne Grenzen: Sie haben die Lage zusammen mit dem Staat so gut im Griff, dass die Conrad-Stiftung vor Ort nicht unbedingt eingreifen muss, wenngleich sie sonst schon häufiger zu den Unterstützern der ganz Großen zählte.

So gut diese Organisationen und der Staat den Flüchtlingen helfen, so gering ist laut Geiss manchmal in Uganda die Aufmerksamkeit für kleinere Projekte, die ebenso unterstützungswürdig sind. Schließlich ist der Großteil der Bevölkerung nach seinen Worten arm und braucht wie in vielen Entwicklungsländern Starthilfe für bessere Lebenschancen. Das fängt beim Thema Schul- und Ausbildung an. Der Amberger besichtigte zum Beispiel einen Kurs, in dem junge Frauen den Beruf der Schneiderin erlernen. Neben den Textilien, die während der Schulzeit entstehen und zum Projekt-Support verkauft werden können, erhalten die erfolgreichen Absolventinnen am Ende ihre Nähmaschine geschenkt. Damit bauen sich die meisten, wenn sie in ihre verstreut liegenden Dörfer zurückkehren, ein Geschäft und damit einen Lebensunterhalt im Umfeld auf.

Medizin- und Schulprojekt

Genauso sinnvoll erschien Michael Geiss bei seinem achttägigen Besuch in Uganda die Unterstützung für ein Slumgebiet am Rand der Hauptstadt Kampala. Die Menschen dort seien arbeitswillig, bräuchten nur die Chance auf einen Job oder ein kleines Handwerk, damit sie sich selber versorgen und dem Teufelskreis der Armut entfliehen können. Und last, but not least staunte der Amberger über das Projekt eines wohltätigen britischen Geschäftsmanns, der die Kapazität einer staatlichen Grundschule mit eigenen Räumen erweitert hat und so die Bildung fördert. Außerdem hat er einen einheimischen Freund, einen Radiologen aus Kampala, der ein kleines Krankenhaus aufgebaut hat. Dessen aktueller Wunsch: Ein oder zwei Krankenwagen, mit denen Patienten in oft entlegenen Gegenden besucht oder zur Behandlung in die Klinik gebracht werden können. Alles sinnvolle Ansätze, die Michael Geiss der Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung vorschlagen will. Sie unterstützt schon seit Jahren ein Kinderheim in Guinea und hat somit erste Erfahrungen in Afrika gesammelt.

Neue Hilfe für Uganda - selbst mit mehreren kleineren Projekten und Beteiligungen - käme einem Land zugute, das tapfer mit der Flüchtlingsproblematik kämpft. Und das dadurch ein Signal erhielte, dass es damit nicht allein ist, sondern seine Anstrengungen in Europa gesehen und gewürdigt werden. So leistet die Conrad-Stiftung einmal mehr einen Beitrag, dieses große Rad zu drehen. Und sie schaut weit über den Tellerrand hinaus, damit sich Michael Geiss vielleicht weniger um Flüchtlinge in Amberg als vor Ort in Afrika kümmern kann. Weil dort die Hoffnung wächst, dass nicht alles trostlos und zum Davonlaufen ist.

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