Urteile im Prozess um Überfall auf Juweliergeschäft
Tag der Abrechnung

Der am 31. Juli in seinem Geschäft überfallene und schwer misshandelte Ioannis Tsavaris wohnte der Urteilsverkündung bei. Er zeigte sich mit den Entscheidungen der Strafkammer zufrieden. An den Folgen des Verbechens werden er und seine Ehefrau noch lange zu tragen haben. (Foto: Houschka)

Mit Haftstrafen von acht, sieben und drei Jahren hat das Landgericht den von einem Trio aus Litauen verübten Raubüberfall auf das Juweliergeschäft Tsavaris geahndet. Zwei der Täter bekommen allerdings nach einem Gefängnisaufenthalt von drei Jahren die Möglichkeit, in eine Drogentherapie zu gehen.

Es war ein Tag der Abrechnung. Fünf Prozessrunden, ausführliche Klärung und die Gewissheit: Was sich am Morgen des 31. Juli 2017 in der Unteren Nabburger Straße ereignet hatte, war an Brutalität und krimineller Energie nicht zu überbieten. Drei Männer aus Litauen raubten Uhren und malträtierten das Besitzerehepaar Tsavaris mit Schlägen, Pfefferspray, Fesseln und Knebeln. "Ein geplantes Verbrechen", wie die Große Jugendstrafkammer in ihrem Urteil über den Vorsitzenden Harald Riedl äußern ließ.

Die in dem Fall ermittelnde Staatsanwältin Jennifer Jäger ergriff das Wort und brandmarkte die Tat als "brutalsten Umgang mit Menschen". Sechs Männer aus Litauen seien damals nach Amberg gekommen. Drei von ihnen stiegen aus und stürmten in das Geschäft. Die anderen drei seien später geflüchtet. Die Anklagevertreterin listete auf: "Eine Bande, die europaweit agiert und deren Mitglieder im Monat bis zu 5000 Euro verdienen."

Einer macht reinen Tisch

Für den 29-jährigen Arnas L., den Jennifer Jäger als Anführer bezeichnete, forderte sie neun Jahre Haft. Acht Jahre sollte ihrem Antrag gemäß der 36-jährige Valerijus S. hinter Gitter. Hinter den beiden saß fünf Tage lang der erst 19 Jahre alte Tauras N. Er habe zumindest im Vorfeld reinen Tisch gemacht und Hintermänner genannt, ließ die Staatsanwältin erkennen und forderte für ihn vier Jahre nach Jugendstrafrecht.

Einer bereits vom Landgerichtsarzt Reiner Miedel als aussichtslos bezeichneten Drogentherapie für die beiden Hauptangeklagten widersetzte sich auch Jennifer Jäger. Das könne wegen völliger Unkenntnis der deutschen Sprache nicht erfolgreich gelingen, sagte sie.

Die drei Verteidiger Stephan Schultheis, Ekkehard Zink und Rudolf Pleischl erkannten in dem Vorgang zwar ebenfalls ein Raubverbrechen. Doch sie verlangten niedrigere Haftstrafen und wollten für die beiden federführenden Litauer auch Entzugsmaßnahmen. Schultheis gelangte in seinen Ausführungen sogar zu der Feststellung, sein Mandant Valerijus S. (36) habe von der Tatbegehung her einen "minderschweren Fall" verübt.

Milde für den Jüngsten

In ihrem Urteil blieb die Strafkammer sehr nahe bei den Anträgen der Staatsanwältin. Arnas L. muss acht Jahre hinter Gitter, Valerijus S. sieben Jahre. Mit drei Jahren kam Tauras N. davon. Aber auch nur, weil er bei den Ermittlungen ausführliche Angaben gemacht hatte.

"Sie wurden nicht zum Verbrechen gezwungen", schrieb Richter Harald Riedl den Männern ins Stammbuch. Das sei eine Schutzbehauptung gewesen. Außerdem trat er der Meinung entgegen, die Räuber seien panikartig geflüchtet, nachdem Geschäftsbesitzer Tsavaris sich gewehrt habe. Riedl wörtlich: "Es ist bei Ihnen schon darüber nachgedacht worden, was zu tun sein wird, wenn er Gegenwehr leistet." Zum Beispiel mit dem Versprühen von Pfefferspray.

Therapie kann folgen

Erst ganz zum Schluss wandte sich Harald Riedl der Entscheidung zu, zwei Litauern eine Drogenentzugstherapie zu bewilligen. Der Landgerichtspräsident erwähnte eindeutige Rechtsprechungen oberster Bundesrichter und ließ anklingen, dass Arnas L. und Valerijus S. nun erst einmal insgesamt drei Jahre (eingedenk bereits verbüßter U-Haft) ins Gefängnis müssten. Erst danach könnten sie in eine Fachklinik.

In der Zwischenzeit hätten beide Gelegenheit, die deutsche Sprache zu lernen. Wenn nicht, müsse in den Therapieeinrichtungen über die Erfolgsaussichten entschieden werden.

Sie wurden nicht zum Verbrechen gezwungen.Richter Harald Riedl
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