Wurde Amberger Staatsanwaltschaft bewusst getäuscht?
Sechs LKA-Beamte wegen Bandidos-V-Mann vor Gericht

Symbolbild: dpa

Vor dem Nürnberger Landgericht sitzen seit November sechs Beamte des Landeskriminalamts. Die Vorwürfe: Diebstahl in mittelbarer Täterschaft und Strafvereitelung. Wesentlicher Teil der Anschuldigungen ist die Festnahme eines V-Mannes im Raum Amberg. Er soll bewusst aus der Schusslinie genommen worden sein.

Nürnberg/Amberg. (hwo) Der Prozess, unterdessen seit drei Monaten im Gang, sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Nicht grundlos: Ermittler einer für Delikte des organisierten Verbrechens zuständigen LKA-Abteilung sollen Fahnder und einen Staatsanwalt in der oberpfälzischen Provinz nur deswegen hinters Licht geführt haben, um ihre eigenen Erkenntnisse nicht zu gefährden. Ein früher in einem Amberger Nachtlokal arbeitender Mann, der sich im Rotlichtmilieu und in der Drogenszene auskannte, wurde 2009 als Spitzel angeworben, um Nachrichten über Verfahrensweisen, Pläne und Aktivitäten des heute nicht mehr existierenden Regensburger Rocker-Clubs Bandidos zu liefern. Eine hoch sensible Angelegenheit, die der absoluten Verschwiegenheit unterlag. Alles, was der heute 50-Jährige weitergab, musste geheim bleiben.

Im Herbst 2011 rückten Mitglieder der Regensburger Bandidos nach Dänemark aus, um dort Minibagger im Wert von 60 000 Euro von einen Firmengelände zu stehlen. Zu ihnen gehörte der V-Mann. Im Landeskriminalamt hatte man offensichtlich Kenntnis davon. Doch es wurde anscheinend nichts unternommen, um den Bandendiebstahl zu unterbinden. Peinlich nur: Auf der Rückfahrt am 26. September geriet der LKA-Spitzel bei Amberg in eine Kontrolle. Drei der Mini-Bagger befanden sich auf dem Lkw, den der V-Mann steuerte. Eingebaute Sender hatten die Fahrtroute deutlich gemacht.

Seltsam: Der heute 50-Jährige wurde nicht wegen schweren Bandendiebstahls in U-Haft genommen. Er kam frei. Einem damals eingeschalteten Amberger Oberstaatsanwalt wurden allem Anschein nach seitens des LKA falsche Informationen gegeben. Auch die Kriminalpolizei in Amberg erfuhr wohl nicht die wahren Hintergründe. Alles mutmaßlich nur, um, wie es im Fachjargon heißt, den eingeschleusten Informanten, der von einem Nürnberger LKA-Beamten geführt wurde, "nicht zu verbrennen" und um in der Szene ungestört weiter ermitteln zu können. Der damalige Oberstaatsanwalt stellte das Verfahren gegen den Mann ein. Aber er hätte es wohl nie getan, wenn er mit klaren Fakten bedient worden wäre.

Das LKA hatte dem V-Mann für seine Spitzeltätigkeit eine eigene Harley Davidson finanziert. Irgendwann rückte der heute 50-Jährige in der Bandidos-Hierarchie zum Fahrer des damaligen Club-Chefs auf. Dieser Rocker-Patron ließ sich im Daimler chauffieren. Der vom Landeskriminalamt angeworbene Informant, etliche Male vorgeahndet, rühmte sich später, er habe seine Delikte mit Billigung der Behörden begangen. Das deutete er wohl bei einem Prozess an, der 2016 in Würzburg stattfand.

Die Verhandlung in Nürnberg, bei der sich vieles um die Festnahme im Raum Amberg dreht, zieht sich zäh dahin. Einige der angeklagten Fahnder, darunter auch Spitzenbeamte im Rang eines Kriminaldirektors, haben zwischenzeitlich etwas gesagt. Andere schweigen. Ein Urteil ist frühestens im März zu erwarten.
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