16.04.2018 - 18:44 Uhr
BärnauOberpfalz

Verein Ackerbürgerhaus startet Projekt Ackern für das Mitmachhaus

Es ist kein schöner Anblick: Das Haus an der Bischof-Senestrey-Straße 2 neben dem Bärnauer Marktplatz steht seit über 30 Jahren leer. Geht es nach dem neuen Verein Ackerbürgerhaus, ist das aber bald nicht mehr so. Die Grundlagen dafür sind geschaffen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Ackerbürgerhaus, Georg Sollfrank (Vierter von links), freut sich über den Förderbescheid aus den Händen von Wolfgang-Günther Ewald, Ministerialrat am Landwirtschaftsministerium. Mit diesem Geld wird unter anderem Projektkoordinator Edgar Zwerenz (Siebter von links) bezahlt. Bild: rti
von Martin Maier Kontakt Profil

Seit zwei Wochen gehört dem Verein das alte Ackerbürgerhaus. Mit Unterstützung des Pilotvorhabens "Heimatunternehmer" (Infokasten ) und der Behörden ist es gelungen, Fördergelder der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zu akquirieren. Bei der Übergabe des Bescheids über 200 000 Euro stellt stellvertretender Vorsitzender Georg Sollfrank das Konzept des Vereins vor.

"Bei uns in der Stadt gibt es ein großes Bedürfnis nach einem Treffpunkt. So etwas wie die Zoiglkultur fehlt momentan bei uns", ist sich Sollfrank sicher. Daher sei es auch möglich, alle Generationen für die Idee des Ackerbürgerhauses zu begeistern. Eigentlich seien es überall die gleichen Leute, die sich in Vereinen engagieren würden. "Diesmal ist es aber anders. Ich habe das Gefühl, dass viele neue Gesichter dabei sind."

Ein wichtiger Punkt sei die emotionale Bindung zum Projekt. Erste Kredite und Bürgschaften würden daher aus den Reihen des Vorstands kommen, um die Banken zum Mitmachen zu ermuntern. "Es ist eine Euphorie wie am Neuen Markt entstanden", weist Sollfrank auf die vielen Unterstützer hin.

Momentan werde auch ein Modell zur Bürgerbeteiligung entwickelt. Mit ihrem Geld würden sie die Ideen weiter vorantreiben. Später könnten sich die Bürger "damit in der geplanten Mitmachbrauerei integrieren". Die Dividende könnte möglicherweise in Bier ausgezahlt werden.

Bürgermeister Alfred Stier ist sichtlich stolz auf das Projekt. "In diesem Verein wird über alle Parteigrenzen zusammengearbeitet. Das ist in Bärnau nicht gewöhnlich", erklärt er begeistert Landrat Wolfgang Lippert. Für den Landkreischef ist das Ackerbürgerhaus die erste Frucht des Pilotvorhabens "Heimatunternehmer" mit Alfred Wolf an der Spitze. "Die Ackerbürger trauen sich etwas. Sie haben etwas entwickelt, das es in dieser Form noch nicht gibt", ist sich Wolf, der den ganzen Prozess von Beginn an begleitet hat, sicher.

Durch die Förderung, neben den 200 000 Euro muss der Verein zusätzlich 50 000 Euro selber aufbringen, sollen unter anderem Ausstattung, Möbel, Marketing und ein Projektkoordinator finanziert werden. Diesen Posten wird Edgar Zwerenz übernehmen. "Als ehemaliger Stadtrat kenne ich das Haus. Für einen gebürtigen Bärnauer ist das eine interessante Herausforderung", erläutert der Diplom-Kaufmann. Bei ATU in Weiden ist er im November in Rente gegangen. Dort war er im Bereich IT und Marketing tätig. Zwerenz wird jeweils zwei Tage in der Woche für das Ackerbürgerhaus arbeiten. Er werde sich unter anderem um die administrativen Aufgaben und die Koordination der Vereinsaktivitäten kümmern.

Für die zukünftige Gestaltung des Gebäudes gibt es schon Vorstellungen. Im Erdgeschoss sind eine Wirtsstube, Gemeinschaftsküche und Mitmachbrauerei geplant. Im ersten Stock sollen "Kreativräume" für Studenten entstehen. Eine Kleinkunstbühne soll im Dachgeschoss ihren Platz finden. "Planungstechnisch gibt es aber noch kein Konzept", erklärt Sollfrank. Zuerst müsste der Verein noch Fördergelder für einen archäologischen Befund akquirieren. Denn die Grundmauern des Hauses hätten wahrscheinlich 1840 den großen Stadtbrand überstanden. "Wir wollen das Gebäude möglichst original erhalten. Bautechnisch sind keine großen Maßnahmen geplant", beschreibt er die Pläne. Letztendlich solle ein Mitmachhaus entstehen.

Pilotvorhaben "Heimatunternehmer": Neue NT-Serie

Alfred Wolf ist der Projektkoordinator des Pilotvorhabens "Heimatunternehmer", das er als "Schnittestelle zwischen Unternehmern und Behörden" vorstellt. "Wir beraten nicht nur, sondern begleiten auch", macht er deutlich. Wichtig sei, sich einfach auf den Weg zu machen. Dabei dürfe man sich nicht an Förderprogrammen orientieren.

"Wie bringen wir die Idee zum Geld?" Diese Frage gelte es immer wieder zu beantworten. Letztendlich ist aber sein Auftrag, mit gezielter Förderung und mit der Unterstützung unternehmerisch denkender Menschen diesseits und jenseits der Grenze die Region mitzugestalten.

In den vergangenen Jahren sind laut Landrat Wolfgang Lippert die Ministerien immer mehr auf den Landkreis aufmerksam geworden, "da sie gemerkt haben, dass es hier viele engagierte Leute gibt". Nach solchen Personen suche auch das Vorhaben "Heimatunternehmer". Ganz wichtig ist Lippert, "dass bei uns im Landkreis nicht mehr gejammert wird".

Thomas Gollwitzer sieht in dem Pilotvorhaben einen neuen Ansatz. "Die Verwaltung hat ihrerseits den Werkzeugkasten erweitert", erklärt der Leiter des Amts für ländliche Entwicklung in Tirschenreuth. Neben der herkömmlichen Konzepterstellung gebe es nun mit den "Heimtunternehmern" einen neuen Weg: "Wir suchen gezielt nach diesen unternehmerischen Menschen." Der Landkreis Tirschenreuth schlüpfe damit in eine Vorreiterrolle. "So etwas hat bisher gefehlt", ist Wolfgang-Günther Ewald sicher. Der Ministerialrat am Landwirtschaftsministerium verweist darauf, dass durch das Projekt Treffpunkte und Netzwerke aufgebaut würden. Bisher hat Wolf 17 Heimatunternehmer auf seiner Landkreiskarte notiert. Diese stellt der "Neue Tag" in den nächsten Monaten in loser Reihenfolge in einer eigenen Serie vor. (rti)

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