21.02.2018 - 21:30 Uhr
Deutschland & Welt

Mehr mit Mittel- und Osteuropa reden Bischöfe wollen Dialog vertiefen

Ehe, Sexualität, Verteilung von Flüchtlingen. Die katholische Kirche hat je nach Land zu einigen Themen unterschiedliche Auffassungen. Deshalb wollen die Bischöfe in Deutschland mehr mit ihren Kollegen reden.

von Agentur KNAProfil

Ingolstadt. (KNA) Die katholischen Bischöfe in Deutschland wollen einen vertieften Dialog mit den Christen Mittel- und Osteuropas führen. Es gebe unterschiedliche theologische und gesellschaftliche Auffassungen, sagte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bambergs Erzbischof Ludwig Schick, am Mittwoch in Ingolstadt. Als Beispiele nannte er die Einstellungen zu Ehe und Sexualität, die Frage der Verteilung von Flüchtlingen und das Thema der Gewaltenteilung in der Verfassungsordnung. "Wir spüren, dass wir für diesen Dialog neue Impulse brauchen", betonte Schick.

Wappnen gegen Populismus

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs habe es eine Phase der Euphorie gegeben. Nun gehe es darum, intensiver über die verschiedenen Auffassungen zu reden und Schwierigkeiten zu klären. Nach dem Studientag der deutschen Bischöfe in Ingolstadt mit Experten aus Ungarn, Polen und Tschechien solle der Dialog nun auf allen Ebenen fortgesetzt werden. Auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, will den Austausch mit einer Reise Ende August nach Danzig fördern.

Der tschechische katholische Theologe Tomas Halik warnte davor, Populismus allein als ein mittel- oder osteuropäisches Phänomen zu begreifen. Es gebe ihn auch mit einem US-Präsidenten Donald Trump, beim Brexit sowie im Osten Deutschlands. Vielfach sei es eine Reaktion auf eine durch Liberalismus und Globalisierung komplex gewordene Welt. Sie verunsichere und verängstige.

"Die Populisten möchten einen Feind für diese Angst anbieten", sagte Halik mit Blick auf flüchtlingskritische Haltungen in mittel- und osteuropäischen Staaten. "Das waren damals Juden, jetzt sind es Migranten." Wichtig sei daher eine Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und den bereits erfolgten Identitätsverlusten. Eine Nostalgie nach einem christlichen Europa führe zu nichts. Dies sei "nie eine Realität" gewesen, sondern ein Traum der Romantiker des 19. Jahrhunderts, so der Theologe.

Woelki folgt auf Hegge

Unterdessen haben die deutschen katholischen Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (61) zum Vorsitzenden der Kommission für Wissenschaft und Kultur gewählt. Das gab die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch bekannt. Woelki, der zuletzt keinen Kommissionsvorsitz innehatte, folgt auf den Münsteraner Weihbischof Christoph Hegge (55).

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