Windsor. "Um ganz ehrlich zu sein: Ich freue mich wirklich sehr auf die Hochzeit, und bin ein wenig aufgeregt." Sabrina Geppert, aufgewachsen in Amberg, lebt und arbeitet seit drei Jahren in London. Sie feilt noch an ihren Plänen für den "royalen" Samstag.
"Ich werde erst zum Royal Wedding Screen in St. James's Market gehen - ausgestattet mit einer Picknick-Decke und britischen Scones für einen traditionellen Afternoon Tea mit Clotted Cream und Marmelade." Dort wird die Zeremonie live übertragen. "Anschließend gehe ich mit Freundinnen zu One Marylebone. Das ist eine englische Kirche, in der eine Royal Wedding Party stattfindet. Der Dresscode ist dementsprechend fein. Dort gibt's Champagner und britische Snacks."
Nach dem Studium in Nürnberg und München verschlug es die 29-Jährige zufällig nach London, seitdem arbeitet sie bei einer amerikanischen Bank. "Erst vor zehn Minuten kam eine Arbeitskollegin mit 'Breaking News' über die Hochzeit zu mir." Für sie ist die Hochzeit gerade das Thema schlechthin. Sogar beim Japaner im Bankenviertel, erzählt sie, gibt es Harry-und-Meghan-Menüs. "Und auch die Touri-Shops sind voll mit Hochzeits-Souvenirs."
Prinz Harry, denkt Geppert, ist bei den jungen Briten relativ beliebt. "Ich würde sagen, er hat sich gemausert. Ich ertappe mich sogar ab und zu dabei, wie ich mir wünsche, in Deutschland etwas ähnliches zu haben." Sie lacht.
Ob die Ehe halten wird?
Er ist kein Fan der Monarchie: David Gibbs, geboren in London, ist Service-Mitarbeiter bei Krones in Regensburg - und teilt die Aufregung um die Hochzeit nicht. "Meine deutsche Frau wird die Hochzeit aber ganz sicher am Fernseher verfolgen, also werde ich auch etwas davon mitkriegen. Auch in den britischen Medien kommt man natürlich nicht an dem Thema vorbei." Der 37-Jährige ist sich nicht sicher, ob die Ehe halten wird. "Ich glaube nicht, dass Meghan Markle weiß, auf was sie sich einlässt und was es bedeutet, Teil der englischen Königsfamilie zu sein. Ich kann mir vorstellen, dass die vielen Termine und Zeremonien sie irgendwann langweilen werden."
Für Nicole Meißner spielt die Hochzeit keine Rolle - obwohl sie in London arbeitet. "Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Hochzeit eine riesige Sache ist." Meißner ist geboren in Weiden, hat in Amberg Abitur gemacht und zog vor 14 Jahren für den Job nach England.
"Ich merke nicht viel von der Heirat, wenn ich durch die Straßen gehe." Ganz im Gegensatz zur letzten Hochzeit. "Als William und Kate im Jahr 2011 geheiratet haben, hatten sogar alle einen Tag frei. Das war wie eine Einladung, mitzufeiern", so Meißner. In Windsor werde es wieder eine "Fan-Meile" geben. Auf großen Bildschirmen könne man die Hochzeit live verfolgen.
"Normales Wochenende"
Aber ohne Nicole Meißner. "Ich bin kein Royalist, ich werde mir die Hochzeit auf keinen Fall ansehen." Die Pubs haben am Freitag und Samstag länger offen, sonst sei das ein ganz normales Wochenende. "Nur auf Facebook und Twitter erwarte ich Bilder von der Hochzeit. Allerdings eher witzige Bilder mit kleinen Kommentaren."
Viele ihrer Bekannten sähen diese Hochzeit eher kritisch, berichtet Meißner. "Das hat gar nichts mit dem Paar zu tun, sondern mit den Umständen." Wirtschaftlich und politisch gehe es vielen zu schlecht: "Seit dem Brexit steigen zwar die Preise, aber nicht die Gehälter. Und solch eine königliche Hochzeit gibt einem durchschnittlichen Bürger zu wenig zurück."
Zu wenig zurück bekommen ihrer Meinung nach selbst die rund 2600 eingeladenen "members of the public". "Die müssen ihr Essen wohl selbst mitbringen." Und das käme nicht gut an bei den Briten. "Ich weiß, dass sich einige sehr ärgern, weil der Steuerzahler diese Hochzeit mittragen muss." Ärgerlich klingt Meißner nicht, eher gleichgültig. Lange leitete sie als Geschäftsführerin die Geschicke ihres Unternehmens in London, inzwischen ist sie in die Werbe-Branche gewechselt. "Ich arbeite vor allem mit jungen Leuten zusammen, da ist die Heirat kein Thema im Büro."
Durchaus ein Thema ist die Hochzeit für Matthias Hartinger. Der Gutenecker wird die Ereignisse auf Schloss Windsor auf jeden Fall verfolgen - wenn auch nur im Fernsehen. "Ein Besuch in London hat sich nicht ergeben. Aber die Euphorie dort live zu erleben, ist sicher besonders."
Loyalität und Tradition
Die königliche Familie schätzt er für ihre beständigen Charaktere, ihr Pflichtbewusstsein, die enge Verbindung zur Tradition - und vor allem auch ihre Loyalität gegenüber den Schotten. "Denn wenn ich schottischen Boden betrete, dann fühle ich mich einfach zu Hause." Der Oberpfälzer ist bekennender Schottland-Liebhaber und ist mit "Whisky and Talk" zum Beispiel bei den Highland Games auf Schloss Guteneck vertreten. Hartinger selbst betritt erst wieder im August königlichen Boden. Obwohl er in erster Linie von Schottland fasziniert ist, hat es ihm auch das Königshaus angetan. Besonders faszinierend für Hartinger: "Prinz Philip, Gemahl der Queen, hat solch einen trockenen Humor, dass er fast Oberpfälzer sein könnte."
Brautvater hat gesundheitliche Probleme
Der Vater von Meghan Markle kommt nun doch nicht zur Hochzeit seiner Tochter mit Prinz Harry am Samstag nach Windsor. Grund dafür seien gesundheitliche Probleme, teilte die 36 Jahre alte US-Schauspielerin am Donnerstag in London mit. Der 73-jährige Thomas Markle soll am Mittwoch am Herzen operiert worden sein. Er habe drei Stents gegen Verengungen der Blutgefäße implantiert bekommen, berichtete die britische Nachrichtenagentur PA. Wer nun Meghan zum Altar führen wird, ist noch unklar. Die britischen Medien tippen auf ihre Mutter Doria Regland. Meghan versteht sich blendend mit der 61 Jahre alten Sozialarbeiterin und Yogalehrerin. Möglich ist auch, dass ein Mitglied der Königsfamilie sie in die Kirche begleitet - oder sie allein zum Altar geht.















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