15.05.2018 - 07:18 Uhr
Deutschland & Welt

Vier Soldaten brechen bei Marsch zusammen Bundeswehrausbilder vor Gericht

Zehn Kilogramm Gepäck, mehr als drei Kilometer im Laufschritt und mehr als 30 Grad Celsius - dieser Marsch war vier Bundeswehrsoldaten zuviel. Sie brachen zusammen. Ihr Zustand war lebensbedrohlich. Nun steht der Ausbilder wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht.

von Agentur DPAProfil

Vor dem Amtsgericht in Bad Kissingen beginnt am heutigen Dienstag der Prozess gegen einen Ausbilder der Bundeswehr wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Hauptfeldwebel des Ausbildungszentrums im unterfränkischen Hammelburg soll an einem sehr heißen Tag im September 2016 nicht ausreichend auf den gesundheitlichen Zustand der Soldaten geachtet haben, bevor er sie mit schwerem Gepäck mehr als drei Kilometer schnell laufen ließ. Vier Männer brachen zusammen. Drei von ihnen mussten auf der Intensivstation behandelt werden, einer lag im künstlichen Koma.

Eingangstest

Der anstrengende Marsch bei Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius war der Anklage zufolge der Eingangstest für einen Einzelkämpferlehrgang. Das ist eine Ausbildung, die in der Regel von besonders sportlichen angehenden Elitesoldaten absolviert wird. Die Männer hatten zehn Kilogramm Gepäck auf den Schultern, liefen damit zunächst zu einer Hindernisbahn, mussten diese überwinden und sollten anschließend mit Gepäck noch mehr als drei Kilometer im Laufschritt zurücklegen.

Der 41-Jährige hätte laut Anklage erkennen müssen, dass ein Teil der Männer dazu nicht mehr in der Lage war. Auch habe der Hauptfeldwebel nicht kontrolliert, ob die Soldaten vor dem Lauf genügend getrunken hatten. In Folge dessen seien alle vier Soldaten lebensbedrohlich erkrankt.

Stark dehydriert

Die vier Männer seien zum Teil stark dehydriert und überhitzt gewesen. Ein Oberfeldwebel leidet seitdem an einer Nierenerkrankung und sei nur knapp einer Amputation entgangen. Bei einem Oberleutnant versagten Nieren und Leber; ein anderer Oberleutnant erlitt ebenfalls einen Hitzschlag mit Multiorganversagen und lag einen Tag lang im künstlichen Koma.

Gegen Zahlung einer Geldstrafe von 2400 Euro wäre der Fall abgeschlossen gewesen, doch der Hauptfeldwebel legte Einspruch gegen den Strafbefehl ein. Deshalb kommt es nun zum Prozess. Es ist bislang ein Prozesstag geplant, bereits am Nachmittag könnte demzufolge das Urteil gesprochen werden.

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