14.05.2021 - 12:38 Uhr
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Riedlandschaften: Kreuz und quer durchs Moor

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Am Ende der letzten Eiszeit entstanden die Riedlandschaften in der Region Bodensee-Oberschwaben. Wer die Moore durchwandert, bekommt Einblicke in Lebensräume gefährdeter Tiere und Pflanzen.

Mystische Stimmung am Federsee: Der Blick fällt über das scheinbar endlose Schilf und verliert sich am Horizont.
von Agentur DPAProfil

In der Region Bodensee-Oberschwaben liegen ausgedehnte Moorgebiete. Sie werden Riede genannt. Jedes hat einen eigenen Charakter, entstanden sind sie aber alle in der letzten Eiszeit vor rund 20 000 Jahren. Damals konnte das Schmelzwasser nicht abfließen, so bildeten sich Feuchtgebiete. Heute sind dort Tiere und Pflanzen anzutreffen, die kaum noch sonst irgendwo zu finden sind.

Ein wolkenloser Frühsommermorgen. Vögel zwitschern, darunter ein Kuckuck. Pia Wilhelm hat den rund zehn Kilometer langen Wanderweg "Rund um den Großen Trauben" empfohlen. Der Rundweg führt um das namensgebende, größte intakte Hochmoor des Riedes. "Ihr bekommt Einblicke in viele Lebensräume und in eine besondere Landschaft, die ihr bei jedem Wetter trockenen Fußes durchwandern könnt", sagt die Leiterin des zuständigen Naturschutzzentrums Wilhelmsdorf.

Und sie hat Recht: Dank breit angelegter Stege bleiben die Füße trocken. Ansonsten ist alles wild. In dem geschützten Waldgebiet darf kein Baum gefällt, kein Holz entnommen und keine Beere gepflückt werden. Das Motto: Den Urwald von morgen schon heute erleben.

Nachtigall und Lerche rufen, auf einer Weide stehen zwei Dutzend Störche. Wer sich in der Dämmerung still auf eine Bank setzt, schaut mit etwas Glück den Bibern bei ihrer Arbeit zu.

Am nächsten Tag geht es in die Kurstadt Bad Wurzach. Erster Halt: das Torfmuseum. Hier erfahren Besucher, dass Brenn-, Streu-, Garten- oder Badetorf in oberschwäbischen Mooren mehr als 200 Jahre lang gestochen wurde. Eine dreistündige Wanderung führt vom Kurhaus im Ortszentrum direkt ins Wurzacher Ried.

Spaziertipp: Ein kürzerer Lehrpfad folgt den Spuren der Torfstecher, gesäumt von üppigem Heidekraut.

Im Jahre 330 schickte die römische Kaiserin Helena den Edlen Emerius nach Germanien. Mit auf den Weg gab sie ihm christliche Heiligtümer, für deren Verehrung er einen geeigneten Ort ausfindig machen sollte. Als geeignetes Plätzchen wählte Emerius die Burg Wallsee. So erzählt es die Gründungssage von Bad Waldsee nahe Bad Wurzach.

"Es lohnt sich, eine Riedwanderung mit einem Besuch der historischen Altstadt und einem kleinen Spaziergang um den Stadtsee zu verbinden", sagt der Wanderführer Peter Lutz. Er führt regelmäßig Gruppen ins Steinacher Ried, das nordwestlich der Stadt liegt. Vom Werk der dortigen Biber ist Lutz besonders angetan: "Die arbeiten sehr exakt und wissen ganz genau, wohin der Baum fällt."

Vorsicht, es wackelt. Wie auf einem natürlichen Trampolin fühlt man sich im "Wackelwald" von Bad Buchau. Das liegt an der Beschaffenheit des Bodens. Bei jedem Schritt federt der weiche Untergrund. Auch die Bäume, die auf dem dicken Moorboden stehen, bewegen sich sichtbar. Entstanden ist dieser überraschende Effekt aus der sogenannten Verlandung des nacheiszeitlichen Federsees.

Im feuchten Milieu des Bodens wurden Bauhölzer, Reste feiner Leinenstoffe, Schmuckstücke und unzählige Arbeitsgeräte konserviert. Die Gegenstände sind im Federseemuseum ausgestellt. Vier der bedeutendsten Moorsiedlungen in unmittelbarer Umgebung wurden 2011 von der Unesco zum Kulturerbe der Menschheit erklärt.

Für eine Wanderung empfiehlt sich die Tour um den Federsee. Am besten nimmt man ein Fernglas mit. Es besteht die Chance, seltene Vögel wie Schilfrohrsänger, Bartmeise oder Feldschwirl zu erspähen.

Sie ist blau, noch seltener weiß und im Bestand stark gefährdet: die Sibirische Schwertlilie. Von Mitte Mai bis Anfang Juni blüht sie im Eriskircher Ried am nördlichen Ufer des Bodensees. Das Feuchtgebiet erstreckt sich von Friedrichshafens Stadtrand bis zur Mündung der Schussen bei Langenargen. Singvögel brüten hier, Schwäne und Enten schlagen an diesem Ort ihr Winterquartier auf. Wanderer kommen das ganze Jahr über, erst recht in Corona-Zeiten. Von der Beobachtungsplattform am alten Eriskircher Strandbad geht der Blick ins Schilf, dann über den Bodensee und bis zu den Schweizer Alpen.

Reise-Tipp: Nationalpark Unteres Odertal

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Da ist viel Leben zwischen Wasser und Land: Bartmeise (Panurus biarmicus) im Schilf des Federsees.
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