28.03.2018 - 20:00 Uhr
Birgland

Gerda Stollner berichtet über Situation im brasilianischen Indigenen-Gebiet Guarita Helfen, ohne zu bevormunden

Birgland/Schwend. Viele der gut 200 Millionen Brasilianer haben keinen Kontakt mehr zur Urbevölkerung. Bis vor einigen Jahren galten die Indigenen nicht einmal als vollwertige Menschen, wurden verfolgt und aus den von ihnen genutzten Gebieten verjagt. Noch immer kommt es ab und an zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Gerda Stollner hat sich vor Ort umgesehen und setzt auf einen Weg der Hilfe, der mit ihrer Kirche zu tun hat.

Besuch aus der Oberpfalz: Gerda Stollner (Mitte) und zwei Begleiterinnen aus dem Dekanat Sulzbach-Rosenberg in einem Dorf des Kaingang-Volkes nahe der Grenze zu Argentinien. Bild: exb
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Bei einem Vortrag beim Frauenkreis Birgland ging die Referentin, die zum Vorstand des Evangelischen Bildungswerks Sulzbach-Rosenberg gehört, der Frage nach, wie man den Indigenen in Brasilien helfen kann, ohne sie zu bevormunden. Die evangelische Kirche hat einen Weg gefunden. Eine Delegation aus der Oberpfalz flog deswegen nach Übersee, um sich vor Ort umzusehen. Grundlage für die Reise ist die Partnerschaft des evangelischen Dekanats Sulzbach-Rosenberg mit der Organisation Comin. Hinter der Abkürzung steht der Indianermissionsrat der brasilianischen Lutheraner.

Comin soll helfen, Schuld abzubauen, nachdem im Laufe der Geschichte auch deutsche Siedler daran beteiligt waren, die Eingeborenen von ihrem Land zu vertreiben. "Das ist ein Versöhnungsdienst", sagte Gerda Stollner (Aicha), als sie von ihren Eindrücken in Brasilien berichtete. Sie hat ihren gesamten Jahresurlaub für diese anstrengende Reise geopfert. Ziel der kleinen Gruppe aus der Oberpfalz war unter anderem Guarita, das größte Indigenengebiet im Süden Brasiliens. Dort kümmert sich eine Krankenschwester im Auftrag von Comin um die Gesundheit der Indigenen und berät in Fragen der Ernährung, dem Anbau von Gemüse und Kräutern, aber auch in Sachen gesunde Schulküche. "Im Laufe der Reise tauchten bei uns sehr viele Fragen auf", versicherte Gerda Stollner. Besonders bewegt habe sie der Eindruck, dass sich an der Situation der Indigenen kaum etwas verbessert habe: "Mit der derzeitigen brasilianischen Regierung ist es eher so, dass sich die Bedingungen für die Indigenen wieder verschlechtern." So sei es wichtig, die Arbeit von Comin in Guarita weiter zu unterstützen. "Denn nur, wenn die Indigenen die Möglichkeit zur Bildung haben, werden sie in der Lage sein, etwas zu bewegen", schloss sie.

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