21.05.2018 - 22:18 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar zu den Rentenplänen der Groko Keine Rentenpanik: Prognosen einer unbekannten Zukunft

Der am Freitag zu früh verstorbene CSU-Sozialpolitiker Rudolf Kraus hat immer gemahnt: "In der Rentenpolitik malen alle Horrorszenarien auf Basis von Annahmen der Zukunft, die keiner kennt." Der Schnaittenbacher verwies gerne auf die Nachbarn: "Fast alle gönnen ihren Rentnern ein besseres Niveau als das reiche Deutschland." Dabei könne sich das Land bei anhaltendem Produktivitätszuwachs auch Mehrkosten bei den Renten leisten.

Eine Rentnerin hält einen Geldbeutel mit verschiedenen Euromünzen. Die IG Metall hat vor der Vorstellung der Rentenkommission der Bundesregierung ein steigendes Rentenniveau in Deutschland gefordert. Symbolbild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Und tatsächlich: Dank der Wirtschaftsentwicklung und des hohen Beschäftigungsstandes wächst die Zahl der Beitragszahler etwas schneller als die Zahl der Rentner. Nebeneffekt: Das Niveau der Standardrente liegt heuer geringfügig über Vorjahresniveau. Allen Prognosen zufolge hätte das gar nicht eintreten dürfen.

Eine Prognos-Studie von 2003 sagte in der optimistischsten Variante für 2018 einen Rentenbeitrag von über 19 Prozent und ein Rentenniveau von um die 44 Prozent voraus - statt der aktuellen 48 Prozent. Der neueste Panikmacher ist die Modellrechnung von Axel Börsch-Supan vom Max Planck-Institut. Ihm zufolge würden die Haltelinien der Groko - Rentenbeitrag bei maximal 20 Prozent und Rentenniveau nicht unter 48 Prozent - bis 2048 einen jährlichen Steuerzuschuss von 125 Milliarden Euro kosten.

Selbst wenn diese kühne Prognose eintreffen würde: Es ist eine politische Entscheidung, wie viel es unserer Gesellschaft wert ist, eine Rente zu bezahlen, die in einem halbwegs fairen Verhältnis zu eingezahlten Beiträgen steht. Oder wie Rudi Kraus mit Blick auf die Bankenrettung formulierte: "Es soll mir keiner sagen, dass das Geld nicht da wäre."

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