08.02.2018 - 16:04 Uhr
Deutschland & Welt

Nordkoreas neue Provokation Militärparade mit Raketen

Vor Beginn der Winterspiele in Südkorea lässt Nordkorea militärisch die Muskeln spielen. An einem Dialog mit den USA zeigt sich Pjöngjang nicht interessiert. Werden sich beide Seiten aus dem Weg gehen?

Das Standbild aus einem Video, herausgegeben von staatlichen Stellen in Nordkorea, zeigt die Militärparade in Pjöngjang. Bild KRT/dpa
von Agentur DPAProfil

Pjöngjang/Seoul. Vor der feierlichen Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Südkorea hat Nordkorea mit einer großen Militärparade wieder die Spannungen angeheizt. Mit der Waffenschau am Donnerstag in Pjöngjang wollte Machthaber Kim Jong Un trotz seiner jüngsten Annäherung an Seoul noch mal militärische Stärke demonstrieren. Als Signal an US-Präsident Donald Trump wurden nach Berichten südkoreanischer Fernsehsender auch Langstreckenraketen vom neuen Typ Hwasong-15 präsentiert, die nach amerikanischen Befürchtungen das Festland der USA erreichen können.

Bei einem Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence in Seoul bekräftigte Südkoreas Präsident Moon Jae In, dass seine Regierung fest zur Allianz mit Washington stehe. Das Bündnis sei die Säule für die Bemühungen, Nordkorea zum Verzicht auf sein Atomprogramm zu bringen, sagte Moon. Pence wollte an der Eröffnungsfeier der Winterspiele an diesem Freitag in Pyeongchang teilnehmen. Dann sollte auch eine nordkoreanische Delegation im Stadion sein. Möglichen Gesprächen mit der US-Delegation am Rande der Spiele erteilte Nordkorea eine Absage. Beide Koreas werden gleichwohl Spitzengespräche führen. Moon wird am Samstag Kim Jong Uns einflussreiche Schwester Kim Yo Jong und andere Mitglieder der nordkoreanischen Delegation empfangen. Es ist das erste Mal, dass ein Mitglied der Familie Kim das Nachbarland besucht.

Die versöhnliche Sportdiplomatie stand allerdings im krassen Gegensatz zu dem Säbelrasseln in Pjöngjang. Von einem Balkon aus nahm Kim Jong Un mit schwarzem Mantel und Hut gemeinsam mit seiner Frau die Waffenschau ab. Raketen, Panzer, Artilleriegeschütze und andere Militärfahrzeuge rollten über den nach seinem Großvater Kim Il Sung genannten Platz in der Hauptstadt. Im Stechschritt marschierten Tausende Soldaten an dem jungen Führer und zahlreichen Militär- und Parteivertretern vorbei. Die Parade schien nach Ansicht von südkoreanischen Beobachtern zwar zurückhaltender, kürzer und weniger waffenstarrend als zuletzt im April gewesen zu sein, aber die Langstreckenraketen unterstrichen die Drohung, auch die USA treffen zu können.

Experten sind der Auffassung, dass mit der Hwasong-15 und dem Vorgängermodell Hwasong-14 mehr Interkontinentalraketen als je zuvor gezeigt wurden. Es demonstriere auch Nordkoreas Fähigkeit, diese Raketen im größeren Stil produzieren zu können. Wie immer ließ sich aber nicht sagen, ob die gezeigten Langstreckenraketen auch wirklich einsatzfähig waren. Die Militärparade wurde aber nicht live im Staatsfernsehen gezeigt, sondern erst später in einem Zusammenschnitt. Nordkorea hatte den Donnerstag erst vor wenigen Wochen und offenbar mit Blick auf die Winterspiele für die Militärparade ausgesucht, um den 70. Jahrestag der Gründung der Armee des Landes zu feiern.

Die USA streiten mit Nordkorea über dessen Entwicklung von Atomwaffen und Langstreckenraketen, die nach amerikanischen Befürchtungen mit ihrer Reichweite auch die USA bedrohen. Mit seinen Raketen- und Atomtests hatte Nordkorea wiederholt gegen UN-Resolutionen verstoßen. Der verarmte, isolierte Staat leidet unter strengen Sanktionen.

Mit der Militärparade beging Nordkorea den 70. Gründungstag der Streitkräfte. Doch seit 1978 war der Tag, an dem Staatsgründer Kim Il Sung nach offizieller Geschichtsschreibung 1948 die "revolutionäre Armee" gegründet hatte, nicht mehr groß gefeiert worden.

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