09.02.2018 - 21:26 Uhr
Deutschland & Welt

Olypmische Winterspiele Schwester des nordkoreanischen Diktators in Südkorea

Zu den Winterspielen reist erstmals ein Mitglied der Kim-Familie nach Südkorea. Präsident Moon sucht eine Annäherung und bereitet den hohen Gästen einen herzlichen Empfang. US-Vizepräsident Pence zeigt ihnen hingegen die kalte Schulter. Was jetzt?

Handschlag bei Eröffnung der Spiele: Südkoreas Präsident Moon Jae In (links) und Kim Yo Jong, Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un. Bild: YNA/dpa
von Agentur DPAProfil

Pyeongchang. Mit dem höchsten Treffen beider Koreas seit fast zwei Jahrzehnten wollen beide Seiten ihre Annäherung voranbringen. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In begrüßte vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele am Freitag in Pyeongchang die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers, Kim Yo Jong, und das protokollarische Staatsoberhaupt Kim Yong Nam. Als Zeichen für die anhaltenden Spannungen über Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm ging US-Vizepräsident Mike Pence beiden aus dem Weg.

Die 30-jährige Schwester von Kim Jong Un ist das erste Mitglied der seit drei Generationen in Nordkorea herrschenden Kim-Familie, das den Süden der Halbinsel besucht. Moon sprach kurz mit ihr im Stadion, bevor die Eröffnungsfeier begann. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der ebenfalls an der Eröffnung teilnahm, war im selben Hochgeschwindigkeitszug mit der hohen Funktionärin von Seoul nach Pyeongchang gefahren. Ein Gespräch habe es aber nicht gegeben, hieß es aus deutschen Delegationskreisen.

Empfang für Staatsgäste

Vor der Eröffnungsfeier hatte Moon einen Empfang für 200 Staats- und Regierungsgäste gegeben. Außer Steinmeier nahmen auch US-Vizepräsident Pence, Japans Ministerpräsident Shinzo Abe und Chinas Sondergesandter Han Zheng teil. Damit waren erstmals die Spitzenvertreter aller Kontrahenten in dem Konflikt über die nordkoreanische Entwicklung von Atomwaffen und Raketen in einem Raum.

Der US-Vizepräsident schlug allerdings ein Abendessen an einem Tisch mit Nordkoreas Vertreter aus. Beide seien sich bei dem Empfang kurz begegnet, hätten aber offensichtlich vermieden, sich ansehen zu müssen, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Pence habe den Ort nach fünf Minuten wieder verlassen. Er habe offenbar vermeiden wollen, Kim Yong Nam an dem Tisch mit Südkoreas Gastgeber gegenübersitzen zu müssen.

Obwohl die Teilnahme von Pence laut Yonhap eingeplant war, sagte der südkoreanische Präsidentensprecher, der US-Vizepräsident habe ein separates Dinner mit US-Sportlern vorgehabt. Dass er so früh gegangen sei, bedeute nicht, dass er das Essen boykottieren wollte. Dass Pence aber derart deutlich auf Distanz zu den Nordkoreanern ging, enttäuschte Hoffnungen auf mögliche Gespräche am Rande der Winterspiele. Allerdings hatte auch Nordkorea am Vortag erklärt, an einem Dialog mit der US-Seite nicht interessiert zu sein.

Hoffnung auf Annäherung

In einer Rede äußerte Südkoreas Präsident die Hoffnung, dass die Annäherung beider Koreas zu Dialog und Frieden führen wird. Mit Blick auf Nordkoreas Vertreter sagte Moon: "Einige von uns hätten nicht die Chance gehabt, im gleichen Raum zusammen zu sein, wenn es nicht wegen der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang wäre." Er fügte hinzu: "Am wichtigsten ist es, dass wir hier zusammen sind." Das allein sei der Start "unseres ersten Schrittes" in Richtung weltweiten Frieden.

Im Zuge seiner Annäherungspolitik gegenüber Südkorea hatte Kim Jong Un seine Schwester zu der Eröffnungsfeier in das Nachbarland entsandt. Bei der Begrüßung durch Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon am Flughafen lächelte die 30-Jährige an der Seite des 90-jährigen Kim Yong Nam. Südkoreas Präsident will an diesem Samstag beim Mittagessen die mächtige Funktionärin und den Parlamentschef zum längeren Gespräch treffen.

Der Besuch gilt als Zeichen dafür, dass Kim Jong Un die seit Anfang des Jahres betriebene Annäherung fortsetzen will. Nordkorea hat zu den Spielen auch eigene Athleten geschickt. Als Zeichen der Verbundenheit treten die Eishockeyspielerinnen aus dem Süden sogar in einer gemeinsamen Mannschaft mit ihren nordkoreanischen Kolleginnen an.

Steinmeier rief am Freitag in Seoul dazu auf, die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Konflikts um Nordkoreas Atomprogramm nicht aufzugeben. "Haben Sie den Mut, sich diese Hoffnung zu bewahren."

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