Schuldenreport 2018
119 Entwicklungsländern droht Überschuldung

Berlin. (KNA) Immer mehr Schwellen- und Entwicklungsländern des Globalen Südens droht dem "Schuldenreport 2018" zufolge eine Zahlungsunfähigkeit. Von den für den Report untersuchten 141 Ländern, die nicht der OECD angehörten, seien 119 kritisch verschuldet, heißt es in dem vom Entwicklungshilfswerk Misereor und dem Bündnis "erlassjahr.de" am Donnerstag vorgestellten Bericht. 13 Länder mussten ihre Schuldenrückzahlungen bereits ganz oder teilweise einstellen.

"Jahrelang haben wir im Schuldenreport vor einer drohenden weltweiten Schuldenkrise gewarnt", sagte der Politische Koordinator von "erlassjahr.de", Jürgen Kaiser. Jetzt sei diese Krise da. Die Gesamtverschuldung aller Länder weltweit mit niedrigem und mittlerem Einkommen ist laut Bericht 2016 um 4,1 Prozent auf 6,877 Billionen US-Dollar gestiegen. In vielen Ländern habe sich die Situation zwischen 2012 und 2016 verschlechtert.

Ein Auslöser sei der Verfall von Rohstoffpreisen gewesen, so Kaiser. Die eigentliche Ursache für die Verschuldung liege aber nicht in den Ländern selbst, sondern im Globalen Norden. Niedrige Zinssätze in den Industriestaaten führten zu einem Kredittourismus im Globalen Süden.

Betroffen sind nach den Worten Kaisers politisch instabile Staaten wie Burundi. Aber auch Länder, deren Wirtschaft stark auf den Export ausgerichtet sei, hätten mit drohender Verschuldung zu kämpfen. Unter anderen seien Angola, Südsudan, Tschad und Venezuela infolge des Ölpreisverfalls zahlungsunfähig.

Der Misereor-Experte für Entwicklungsfinanzierung, Klaus Schilder, sprach von einer "besorgniserregenden Entwicklung". Menschen würden immer weiter in Armut getrieben, wenn Länder den Großteil ihrer Finanzen in die Tilgung von Schulden investierten. Förderungen in Bildung und Gesundheitsversorgung blieben aus. Die Folgen seien unter anderem soziale Spannungen, aber auch mehr Migration. "Die Armen sind die Hauptleidtragenden der Verschuldungssituation", so Schilder.

Misereor und "erlassjahr.de" forderten, ein effizientes und rechtsstaatliches Staateninsolvenzverfahren zu schaffen. Dieses Thema müsse der neue Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) auch auf die Tagesordnung des G20-Finanzministertreffens am Montag und Dienstag in Buenos Aires setzen. Die Bundesregierung dürfe nicht länger ignorieren, dass die Schuldenlast vieler armer Länder steige. "Wir brauchen eine neue Ethik auf den Finanzmärkten", sagte Schilder.

"erlassjahr.de" ist nach eigenen Angaben ein Bündnis, dem 600 deutsche Organisationen aus Zivilgesellschaft, Kirchen und Politik angehören. Es tritt für eine Entschuldung der ärmsten Länder ein. Der Schuldenreport wird seit mehr als 20 Jahren veröffentlicht, seit drei Jahren in Zusammenarbeit mit Misereor. Bei der Erstellung verwende man auf Daten der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds.
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