17.05.2018 - 22:18 Uhr
Deutschland & Welt

Interview mit ARD-Expertin über Probleme im Biathlon Kati Wilhelm: Ich war schon sehr geschockt

Langlaufen geht sie noch immer, ab und an zielt sie auch noch auf Scheiben - aber nur aus Spaß, wie zuletzt im Januar beim Weltcup in Oberhof.

Kati Wilhelm hat viel aus ihrer Karriere zu erzählen und sie hat auch eine klare Meinung zu Entwicklungen im Biathlonsport. Bild: Bühner
von Josef Maier Kontakt Profil

Neustadt/WN. Kati Wilhelm ist immer noch ein Gesicht des deutschen Biathlonsports. Als ARD-Expertin sticht sie nicht nur mit ihren roten Haaren heraus. Ihre Meinung ist immer gefragt.

Hallo Kati, der Biathlonsport macht Pause. Doch auch nach dem Winter gibt es brennende Themen wie jüngst die Korruptions- und Vertuschungsvorwürfe gegen die IBU-Verbandsspitze. Das ist schon ein kleiner Imageschaden ...

Kati Wilhelm: Ein kleiner? Das ist ein großer. Ich war schon sehr geschockt. Es gibt oft Probleme, wo es um viel Geld geht. Es heißt ja, es muss nur die Summe stimmen, dann wird jeder schwach. Die Korruption ist aber nur das eine Problem.

Was meinen Sie?

Es ist das noch viel größere Problem, wenn Dopingfälle verschwiegen wurden. Ich war immer der Meinung, dass die IBU den Kampf gegen Doping gut durchgeführt. Ich hatte das Gefühl, die IBU leistet da sehr gute Arbeit. Aber das Gewissen scheint da nicht so ausgeprägt.

Was heißt das für die Athleten?

Die Athleten müssen einem Verband doch vertrauen können, dass sie faire Wettkampfbedingungen haben.

Braucht es da vielleicht einen ehemaligen Athleten, um im Verband aufzuräumen. Der Name Björndalen wird immer wieder genannt...

Ich weiß nicht, dazu bin ich zu wenig Verbandsmensch. Ich weiß auch nicht, welche Qualitäten ein Verbandsboss mitbringen muss und ob es reicht, einmal ein Biathlet gewesen zu sein. Ich will aber auch betonen, dass die IBU auch viel Gutes gemacht hat. Die Entwicklung unseres Sports ist auch ihr zu verdanken.

Trotz der Negativschlagzeilen zuletzt, der Biathlonsport ist die Wintersportart Nummer eins. Das war zu Ihren Anfängen noch nicht so ...

Es hat sich alles in den letzten 15 Jahren enorm verändert. Von meinen Anfängen bis jetzt ist so viel passiert und es ist schön, dass ich das alles miterleben durfte. Solange die deutschen Erfolge da sind, wird Biathlon weiter boomen.

Zuletzt gab es auch ab und an Kritik am aufgeblähten Programm.

Ich denke trotzdem, dass es gut funktioniert. Klar, kamen mit der Mixed-Staffel und der Single-Mixed-Staffel, die nicht olympisch ist, zwei Wettbewerbe dazu. Im Biathlon ist es auch so, dass alle alles laufen. Da gibt es keine Spezialisten, wie etwa im alpinen Skisport. Aber die Athleten trainieren doch, um die Wettkämpfe zu machen.

Schlagzeilen machte jüngst auch die Trainer-Rochade. War das notwendig?

Das hatte ich nicht so erwartet, vor allem nicht in dem Umfang. Die Situation war nicht so, dass es unbedingt nötig war. Dass aber Mark Kirchner komplett die Männer und Frauen übernimmt, stimmt ja so nicht. Er ist natürlich der Einzige mit Weltcuperfahrung und steht deswegen drüber. Er hat ja auch drei neue Trainer. Aber ich denke, die Männer und Frauen werden weiter getrennt ihr Ding machen. Von Gerald Hönig hieß es ja, dass er nicht mehr einen Olympiazyklus macht, vielleicht deshalb jetzt diese Lösung (Hönig ist jetzt Schießtrainer; die Red.).

Die deutschen Biathleten waren vergangenen Winter wieder sehr erfolgreich. Über allen thront Laura Dahlmeier. Und doch meinten einige, sie hätte bei Olympia mehr als drei Medaillen holen müssen ...

Also, man muss da realistisch bleiben. Olympia ist auch nochmal etwas anderes als eine WM. Mit drei Medaillen war sie sehr erfolgreich.

Die Männer überraschten ...

Die Männermedaillen waren so nicht zu erwarten. Aber einer war schon immer bei den Weltcups in Nähe des Podests oder drauf.

Einige vermuten, Laura Dahlmeier könnte trotz ihres jungen Alters bald aufhören.

Ich glaube nicht, dass sie so lange macht, wie ich damals. Oder wie es in meiner Generation noch üblich war. Aber das war eine andere Zeit. Ich glaube schon, dass sie weitermacht, ob es noch ein Olympiazyklus wird, weiß ich nicht.

Gibt es schon eine junge Laura Dahlmeier? Haben Sie da jemanden im Blick?

Ich habe ja jetzt niemanden im Kopf. Die Junioren-WM im vergangenen Winter war auch nicht so toll, sie hatten auch Probleme mit Krankheiten. Laura war schon lange angekündigt, die Lena (Neuner) damals auch. Es ist mittlerweile auch schwierig, wenn man in ganz jungen Jahren bei Sportlern schon Erwartungen schürt. Da stürzen sich alle drauf: Manager, Öffentlichkeit. Da steigt der Erwartungsdruck immens.

Wenn Ihre Kinder Lotta (6) und Jakob (4) die Mama-Gene haben, da darf man sich auf zwei Biathleten freuen ...

Ich rate niemanden vom Leistungssport ab, wenn er Talent hat und es ihm Spaß macht. Ich will, dass meine Kinder das selber rausfinden. Wenn ich jetzt mal Langlaufen gehe, gehen sie mit. Aber wer weiß schon, was wird.

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