19.05.2018 - 11:29 Uhr
Deutschland & Welt

Tragödie in Havanna Wohl mehr als 100 Opfer bei Flugzeugabsturz

Kuba im Schock: Bei einem Flugzeugabsturz werden mehr als 100 Menschen in den Tod gerissen. Die Maschine zerschellt auf einem Feld zwischen Palmen. Die Ursache für den Unfall liegt im Dunkeln.

Rettungseinheiten sind nach dem Absturz einer Passagiermaschine nahe des Internationalen Flughafens Havanna im Einsatz.
von Agentur DPAProfil

Von Denis Düttmann und Amelie Richter, dpa Es ist kurz nach Mittag, als die Boeing 737-200 nahe dem Dorf Santiago de Las Vegas vom Himmel fällt. Ein großer, gelbroter Feuerball steigt in die Höhe, als das Flugzeug am Waldrand neben einem Feld einschlägt. Wenige Minuten zuvor war die Maschine am internationalen Flughafen José Martí in der kubanischen Hauptstadt Havanna in Richtung Holguín im Osten der Insel gestartet.

"Als wir die Explosion gehört haben, sind wir hingerannt. Überall war Rauch, in den Bäumen hing Kleidung, Flugzeugteile lagen herum", erzählt Leonardo Ramírez, der in der Nähe der Unglücksstelle arbeitet, im Fernsehsender Prensa Latina TV.
Rettungskräfte und Feuerwehrleute rasen zu der Unglücksstelle, doch sie können nur noch vier Verletzte aus den rauchenden Trümmern ziehen. Die meisten der mehr als 100 Menschen von Flug DMJ 0972 dürften bei dem Absturz ums Leben gekommen sein.
"Das ist ein bedauerliches Luftfahrtunglück. Die kubanische Regierung und die Kommunistische Partei bedauern den Vorfall und sprechen den Familie ihr Beileid aus", sagt der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel an der Absturzstelle. "Das Feuer ist gelöscht worden und eine Kommission untersucht den Vorfall. Die Bevölkerung hat sich sehr diszipliniert verhalten und mitgeholfen." 

Im Fernsehen ist zu sehen, wie Helfer eine Verletzte auf einer Trage zu einem Krankenwagen schaffen. Drei schwer verletzten Frauen werden in das Krankenhaus Calixto García in Havanna gebracht, ein Mann stirbt noch auf dem Weg in das Hospital. Klinikdirektor Carlos Alberto Martínez Blanco, der auch dem Staatsrat angehört, sagt im Fernsehen, das Krankenhaus sei auf diese Art von Notfällen eingestellt.

Bei den Todesopfern handelt es sich vor allem um Kubaner, dabei sind aber auch zwei Argentinier, wie das Außenministerium in Buenos Aires mitteilte. Die fünf Besatzungsmitglieder stammten aus Mexiko. Mehr als die Hälfte der Menschen an Bord stammte offenbar aus Holguín, dem eigentlich Ziel des Fluges am Freitagmittag.
Wie es zu dem Unglück kommen konnte, war zunächst unklar. Dorfbewohner erzählten der Parteizeitung "Granma", das Flugzeug habe kurz vor dem Absturz gewendet. Offenbar wollte der Pilot zum Flughafen von Havanna zurückkehren. Dabei habe sich die Maschine in Stromkabeln verfangen. Fünf Minuten nach dem Absturz waren die ersten Dorfbewohner an der Unglücksstelle, nach zwölf Minuten trafen die ersten Rettungskräfte ein.

Die Boeing, Baujahr 1979, Kennnummer XA-UHZ, gehört der mexikanischen Fluggesellschaft Damojh. Die kubanische Airline Cubana de Aviación hatte die Maschine gemietet, um die Strecke nach Holguín zu bedienen. Aerolíneas Damojh wurde 1990 gegründet und verfügte über drei Flugzeuge vom Typ 737.

Kuba rief nach dem Unglück eine offizielle Staatstrauer aus, die bis Sonntagmittag andauern soll. An öffentlichen und militärischen Gebäude wird die Fahne des Staats dann auf halbmast wehen.

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