12.10.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Als Porsche VW übernehmen wollte VW: Musterverfahren zu Übernahmeschlacht

Haben die Porsche SE und Volkswagen ihre Anleger 2008 im VW-Übernahmekampf getäuscht? Das ist die Frage - das Musterverfahren des Oberlandesgerichts Celle soll die Antwort liefern. Es geht um Milliarden.

Im Streit um die Folgen der gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche hat am Donnerstag das Musterverfahren begonnen. Bild: Julian Stratenschulte/dpa
von Agentur DPAProfil

Hannover/Stuttgart. Herber Rückschlag für die Kläger: Im Milliardenstreit um die Folgen der gescheiterten VW-Übernahme durch Porsche 2008 werden die Chancen auf Schadenersatz geringer. Umstrittene Pressemitteilungen der Porsche-Holding von damals seien nach vorläufiger Bewertung - anders als von den klagenden Aktionären dargestellt - "nicht grob falsch" gewesen. Dies sagte der Vorsitzende Richter des Kartellsenats am Oberlandesgericht Celle, Matthias Wiese, am Donnerstag zum Auftakt der mündlichen Verhandlung in dem Musterverfahren in Hannover. Die Kläger stellten einen Befangenheitsantrag gegen die drei zuständigen Richter.

Nach Wieses Einschätzung könnte ein großer Teil der Ansprüche unbegründet sein. Ein Porsche-Sprecher wollte sich zunächst nicht dazu äußern. Musterkläger-Anwalt Andreas Tilp betonte, die Auffassung der Richter sei noch vorläufig. Hintergrund ist die Übernahmeschlacht zwischen der Porsche-Holding und Volkswagen vor neun Jahren. Der Versuch misslang, Porsche wurde zu einer Marke im VW-Konzern. Es gab Kursturbulenzen - was einige Anleger viel Geld kostete, die sich nun falsch informiert fühlen.

Ziel des Prozesses nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMug) ist eine Rahmenentscheidung, die für alle Beteiligten bindend ist. Dazu wird der Fall eines stellvertretenden Musterklägers verhandelt. Solche Verfahren können sich über Jahre hinziehen. Richter Wiese vertagte nach dem Befangenheitsantrag die Verhandlung. Der für Freitag vorgesehene Termin werde aufgehoben, damit über das Ablehnungsgesuch beraten werden könne. In dem Antrag hieß es, es gebe "berechtigte Zweifel an der Unparteilichkeit und Unabhängigkeit der Richter".

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