12.04.2018 - 21:36 Uhr
Deutschland & Welt

Neuordnung von Volkswagen Herbert Diess soll Konzern umbauen

Erst "Dieselgate", dann Kartellvorwürfe, schließlich die umstrittenen Tierversuche: nichts wirft Volkswagen bislang aus der Bahn. Damit das so bleibt, wird der weltgrößte Autobauer massiv umgebaut - und bekommt mit Herbert Diess einen neuen Konzernchef.

Der VW-Markenchef Herbert Diess wird neuer Vorstandschef des Auto-Konzerns. Archivbild: Peter Steffen/dpa
von Agentur DPAProfil

Wolfsburg. VW-Markenchef Herbert Diess hat es an die Spitze des weltgrößten Autobauers Volkswagen geschafft: Er löst Matthias Müller als Konzernchef ab, wie der Aufsichtsrat am Donnerstag in Wolfsburg beschloss. Gleichzeitig führt Volkswagen im Zuge eines umfassenden Konzernumbaus neue Markengruppen ein. Laut Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch soll die Neuordnung die Entscheidungen bei dem riesigen Autokonzern beschleunigen.

Müller gibt in gegenseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung sein Amt als Vorstandsvorsitzender ab, wie Volkswagen mitteilte. Aus dem Unternehmen allerdings scheidet er nach Angaben eines Sprechers nicht aus. Er wird seinen Vertrag bis 2020 erfüllen. Dem seit Herbst 2015 - seit "Dieselgate" mit Millionen manipulierter Dieselfahrzeuge - amtierenden bisherigen Konzernchef soll intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen worden sein.

Pötsch erklärte nun, Müller habe den Vorstandsvorsitz im Herbst 2015 übernommen, als das Unternehmen "vor der größten Herausforderung seiner Geschichte stand". Er habe den Konzern sicher durch diese Zeit gesteuert, das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet, einen Kulturwandel in die Wege geleitet und dafür gesorgt, dass der Konzern "nicht nur in der Spur geblieben ist, sondern robuster als jemals zuvor dasteht". Volkswagen hatte 2017 trotz weiter drückender "Dieselgate"-Lasten deutlich mehr verdient.

Auch die Neuorganisation der Marken des Zwölf-Marken-Konzerns soll kommen: Eingeführt werden die Markengruppen "Volumen" (VW, Skoda und Seat), "Premium" (Audi) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti und Lamborghini). Für die Nutzfahrzeugeinheit Truck & Bus sollen die Voraussetzung geschaffen werden, diese an die Börse zu bringen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Autobranche ist mitten in einem umfassenden Wandel, hin zu alternativen Antrieben und autonomem Fahren. VW wurde in der Vergangenheit zentralistisch geführt und galt als schwerfällig.

Darüber hinaus beschlossen die Aufseher weitere Personalien: Gunnar Kilian, bisher Generalsekretär im Betriebsrat und ein enger Vertrauter des mächtigen VW-Betriebsratschefs Bernd Osterloh, wird Personalvorstand und damit Nachfolger von Karlheinz Blessing. Der langjährige Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch, seine Aufgaben wird der Beschaffungsvorstand der Marke, Ralf Brandstätter, kommissarisch übernehmen. Sanz ist seit 2001 Vorstand bei VW und auch Aufsichtsratschef beim Bundesligisten VfL Wolfsburg. Zugleich rückt Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand auf.

Die für die Markengruppen verantwortlichen Vorstandsvorsitzenden übernehmen zusätzlich Konzernführungsaufgaben. Der neue Konzernchef Diess verantwortet demnach die Konzernentwicklung- und Forschung, Audi-Chef Rupert Stadler den Konzernvertrieb und Porsche-Chef Blume die Konzernproduktion.

VW kooperiert mit Lkw-Bauer Hino

Im Asien-Geschäft peilt der VW-Konzern nun auch eine Partnerschaft mit dem japanischen Lkw-Bauer Hino Motors an. Dieser gehört zum Erzrivalen Toyota. Beide Seiten gaben am Donnerstag in Tokio eine entsprechende Rahmenvereinbarung bekannt. Der Fokus der möglichen Kooperation liege auf konventionellen sowie Hybrid- und Elektroantrieben, der Vernetzung der Lastwagen sowie autonomen Fahrsystemen, sagte VW-Lkw-Chef Andreas Renschler auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Hino Motors-Chef Yoshio Shimo. Organisatorisch bestehe das größte Potenzial im gemeinsamen Einkauf. Es werde eine Kooperation "zweier starker Partner in der globalen Transportindustrie", so Renschler. (dpa)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.