08.05.2019 - 08:16 Uhr
LandshutDeutschland & Welt

3000 Liter Spritzmittel ausgelaufen - Feuerwehrleute verletzt

Acht Feuerwehrleute und ein Polizist sind bei den Aufräumarbeiten nach einem Unfall mit Pflanzenschutz-Spritzmittel im Kreis Landshut verletzt worden. 32 Einsatzkräfte mussten dekontaminiert werden.

Rettungsdienst baut große Dekontaminationsstelle und Behandlungsstelle auf
von Alexander AuerProfil

Eigentlich ein unspektakulärer Unfall: Von einer Anhängespritze eines landwirtschaftlichen Gespanns brach in einer Kurve ein Rad ab, so dass diese umkippte. Rund 3000 Liter Pflanzenschutzmittel liefen aus - auch in den angrenzenden Bach. Die Feuerwehr Ergoldsbach war schnell am Einsatzort, ebenso Mitarbeiter des Landratsamtes und des Wasserwirtschaftsamtes.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr haben am frühen Abend den Wölflkofener Graben, in den das Fungizid sickerte, gestaut und 4500 Liter Wasser abgepumpt. Damit sollte verhindert werden, dass das Pflanzenschutzmittel in den Goldbach fließt. Auch Vertreter des Landratsamtes Landshut und des Wasserwirtschaftsamtes begutachteten die Lage vor Ort. "Wir haben rechtzeitig alles erwischt und verhindern können, dass die Substanz in den Goldbach gelangte", sagte Kreisbrandinspektor Johann Haller zunächst. Die giftige Brühe wurde in Auffangbehälter der Feuerwehr gepumpt, die Lage schien unter Kontrolle. Der 48-jährige Fahrer des Traktors wurde bei dem Unfall nicht verletzt.

Die Einsatzstelle, an der der Unfall passierte, wurde nochmals gründlich gereinigt

Gegen 20 Uhr klagten fünf Einsatzkräfte jedoch über Atemprobleme, Übelkeit, starke Augen- und Hautreizungen. Insgesamt zeigten sich die Symptome bei acht Feuerwehrkräften, so schilderte der Einsatzleiter des Rettungsdienstens am Abend die Lage. Sieben Feuerwehrkräfte mussten in eine Spezial-Augenklinik nach Regensburg und zwei weitere in das Krankenhaus nach Mallersdorf zur weiteren Behandlung gebracht werden. An der Einsatzstelle hatten sich giftige Dämpfe gebildet, die die Reizungen bei den Einsatzkräften verursacht hätten, erklärte der leitende Arzt vor Ort. Drei Verletzte konnten zwischenzeitlich wieder aus der Augenklinik bzw. aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Wie es kommen konnte, dass die Feuerwehrkräfte völlig ungeschützt mehrere Stunden lang arbeiteten, muss nun geklärt werden. Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes entnahmen vor Ort mehrere Proben. Nach derzeitigen Erkenntnissen sind keine Umweltschäden zu erwarten. Die Fahrbahn der Gemeindeverbindungsstraße wurde bei dem Unfall erheblich beschädigt und wurde daher bis auf weiteres gesperrt.

Im Feuerwehrhaus Ergoldsbach wurde eine Dekontaminationsstrecke errichtet, in der rund 30 Feuerwehrkräfte und zwei Polizeibeamte dekontaminiert werden mussten. Einsatzklamotten, Atemschutzgeräte und Masken müssen nun ebenfalls dekontaminiert werden.

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Der Euphemismus "Pflanzenschutzmittel" für so ein Gift ist mir jedes Mal ein Graus, wenn ich ihn lese.
Wer so ein Zeug, wie es den Feuerwehrleuten hier schwer zu schaffen gemacht hat, nicht in seinem Essen haben will, sollte schleunigst darauf drängen, dass nur noch Produkte hergestellt werden, die nach den derzeitigen Bio-Richtlinien produziert werden. Kostet zwar dann mehr, ist aber auch mehr wert und wenn man nicht mehr so viel wegwirft, wird es unterm Strich auch nicht teurer. Die eigene Ernährung ist das Letzte, an dem man sparen sollte!
Freiwillig hören unter wirtschaftlichem Druck stehende Landwirte damit nicht auf. Für diese muss es sich lohnen, gesund zu produzieren.

08.05.2019