04.06.2018 - 19:03 Uhr
Deutschland & Welt

80 Jahre Kugelschreiber: Am Kuli kommt keiner vorbei

Billig, Plastikmüll, schlecht für die Handschrift: Kugelschreiber haben nicht den besten Ruf. Doch aus dem Alltag sind sie kaum wegzudenken. Vor 80 Jahren begann der Siegeszug der Kulis.

Vor 80 Jahren begann der Kugelschreiber seinen Siegeszug rund um die Welt. Auch heute ist er noch sehr beliebt.
von Agentur DPAProfil

Kinder beim Murmelspiel sollen die Idee gebracht haben: Rollt die Murmel durch eine Pfütze, hinterlässt sie danach eine feuchte Spur. Als der Ungar Lászlo Bíró das sieht, hat er die Lösung. Vor 80 Jahren lässt sich der Erfinder seinen ersten Kugelschreiber in Argentinien patentieren: schreibt leicht, kleckst nicht und lässt die Tinte im Tank nicht trocknen. Der Kuli beginnt seinen Siegeszug um die Welt. Schreibtische ohne Kuli sind heute kaum vorstellbar - trotz Computer, Digitalisierung und des Traums vom papierlosen Büro.

439 Millionen Euro gaben die Deutschen nach einem Branchenreport der Kölner Marktforscher Marketmedia 24 vergangenes Jahr für Kugelschreiber aus, knapp ein Siebtel mehr als fünf Jahre zuvor. Allein als Werbeartikel kommen Jahr für Jahr Millionen Exemplare unters Volk. "Der Kugelschreiber ist für uns immens wichtig", heißt es beim Gesamtverband der Werbeartikel-Wirtschaft. Ob Konzern oder Kneipe, Fahrschule, Disco oder Partei: Zahllose Institutionen bedrucken Kugelschreiber, um bei Kunden, Partnern und Anhängern im Gedächtnis zu bleiben. "Anders als ein Hörfunk- oder TV-Spot haben sie die Werbebotschaft immer beim Nutzer präsent", sagt Verbandsgeschäftsführer Ralf Samuel. Man kann mehrere tausend Euro für einen Kuli ausgeben, das Gros ist aber sehr günstig. Werbekulis beginnen bei etwa 10 Cent. Dagegen waren die Stifte anfangs echte Luxusartikel: Als ein New Yorker Kaufhaus 1945 die ersten Kugelschreiber in die Auslage brachte, kosteten sie 12,30 Dollar. Dafür musste ein Arbeiter acht Stunden schuften.

Der Kuli war eine kleine Errungenschaft. Über Jahrzehnte hatten immer wieder Tüftler an Füller-Alternativen gearbeitet, die nicht klecksen und nicht austrocknen - meist mit mäßigem Erfolg. Anders als Bíró (1899 - 1985). Er erhielt 1938 ein Patent in Ungarn, die Flucht vor den Nazis führte ihn aber nach Buenos Aires. Dort erhielt er am 10. Juni 1943 ein weiteres Patent und gründete mit seinem Bruder Georg eine Schreibgerätefirma. Ob der Kuli die Handschrift versaut, wie viele meinen, bleibt umstritten. In vielen Klassenzimmern ist er tabu. Doch die Erwachsenen schreiben nach Umfragen hauptsächlich mit dem Kuli. Allein der hessische Hersteller Senator fertigt nach eigenen Angaben täglich eine Million Kugelschreiber, auch andere Produzenten wie Klio-Eterna und Schneider, Pelikan und Staedtler produzieren in Deutschland.

Zwar tippen heute Finger Millionen von Nachrichten in Handys, dennoch schreiben noch knapp 80 Prozent der Deutschen täglich mit der Hand, verweist der fränkische Hersteller Stabilo auf eine Umfrage. Und der britische Schriftsteller Douglas Adams hatte in seinem Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" sogar eine Theorie, wo alle Kugelschreiber landen, die bei uns auf scheinbar mysteriöse Art spurlos verschwinden: auf einem eigenen Planeten.

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