01.09.2026 - 07:46 Uhr

Abklatsch der 90er: Die unmöglichste Familie ist zurück

Sie sind grob, asozial und laut: die Flodders. In den 80er und 90er Jahren waren Film und Serie ein Riesenerfolg. Nun mischt eine neue Generation einen Villenvorort auf.

Die Flodders sind zurück, eine der unmöglichsten, asozialsten Familien der Fernsehgeschichte. Sie sind laut, frech, grob und völlig respekt- und sittenlos. Vor 40 Jahren eroberte die niederländische Familie die Kinos. Ein zweiter Film folgte und eine TV-Serie. Die niederländische Produktion machte auch in Deutschland Furore. 

Jetzt sind die Flodders wieder da: Die neue Serie mit sechs Folgen ist am Donnerstag (6 Folgen ab 20.15 Uhr bis 00.05 Uhr) bei RTL zu sehen. 

Die Neuauflage zeigt Abenteuer einer neuen Generation der Familie. Doch das Muster ist dasselbe wie vor 40 Jahren: Die asoziale Familie zieht in ein Luxusvillenviertel und mischt es ordentlich auf. Und klar, das muss natürlich schiefgehen. Zumindest in den Augen der vornehmen Nachbarn. 

Tod vor dem Traualtar

Die neue Serie ist streng genommen kein Remake, sondern ein Spin-off. Denn es geht um die Abenteuer der neuen Generation der Familie. Doch die Unterschiede sind klein.

Die Story folgt dem bewährten Muster: Kees Flodder Junior (Ghislaine van IJperen) heiratet einen Greis, der noch vor dem Traualtar der Aufregung erliegt und seine junge Frau zur reichen Witwe macht. Gemeinsam mit ihrer chaotischen Sippe zieht Kees in seine Villa im Nobelviertel Eykendaal. Das gefällt den Nachbarn gar nicht. Sie setzen daher auch alles dran, die Flodders schnell wieder loszuwerden. 

Lekker schlecht

Die Flodders der ersten Generation sind bis heute Kult in ihrer Heimat den Niederlanden. Immer wieder werden Filme und Serien wiederholt, einige Sprüche gehören heute zum Sprachgebrauch. Viele erinnern sich noch an die entsetzten Reaktionen ihrer Eltern, die damals mit ins Kino gingen, um einen fröhlichen Familienfilm zu sehen. 

Doch entsetzt kamen sie wieder nach draußen, denn die grobe Sprache und Sex – viel Sex – schockierten damals sogar die freizügigen Niederländer. Die Kinder aber fanden es großartig. Die Flodders waren eben „lekker fout“, schön schlecht. 

Am Ende liebte man die Flodders

Das Erfolgsgeheimnis der Ur-Flodders war, dass sie die vermeintlich anständigen Nachbarn als die eigentlich Asozialen entlarvten. Neben aller platten Komik waren die Filme auch eine bissige Satire auf die angeblich so hohe Moral und guten Sitten der Bürgerwelt. Am Ende hatte man die Flodders sogar ins Herz geschlossen. 

Das Original ist besser

Nun ist es eine knifflige Sache mit einer Neuauflage eines Erfolgsschlagers. Sie wird immer am Original gemessen, und das ist oft schlicht besser. Das ist auch jetzt der Fall. 

Der Regisseur der Original-Filme und -Serie, Dick Maas, war übrigens nicht an dieser Produktion beteiligt. Er habe sofort abgewinkt, als man ihn fragte, sagte er im niederländischen Fernsehen. „Ich habe gleich gesagt, dass das nicht mein Ding ist.“ 

Wie Bingo im Altenheim

Der neuen Serie (eine Koproduktion von RTL+ und Videoland) fehlt der bissige Unterton, sie bleibt vor allem platt und langweilig. Die knappen T-Shirts der Flodder-Frauen sind so aufregend wie ein Bingo-Abend im Seniorenheim. Die angeblich schockierenden Untaten der neuen Nachbarn reizen höchstens die Gähnmuskeln. 

Da landet die moderne Kunst des gestorbenen Ehemannes auf dem Sperrmüll und die Katze des Nachbarn auf dem Grill. Onkel Donny spritzt den Hintern des Babys mit der Hochdruckspritze sauber. Die Flodders eröffnen eine Kita und füllen die Kleinen mit Alkohol ab, damit sie Ruhe geben. Und die Autos nieten immer Mülltonnen um. 

Oma raucht Kette

Von der Original-Familie kehrte Tatjana Simic zurück. Sie war vor 40 Jahren die sexy Tochter Kees, nun spielt sie die sexy Mutter von Kees, die nach zehn Jahren plötzlich auftaucht.

Zur Sippe gehört noch Teenie-Mutter Priscilla, die sich an die braven Nachbarsjungen heranmacht, der dümmliche Onkel Donny, immer auf der Suche nach einem guten Deal, und Oma Flodder, die Kette raucht und irgendein Kauderwelsch spricht, das nur die Familie versteht. Vor 40 Jahren war es noch ein Opa. 

Und dann sind noch die hochnäsigen Nachbarn, mit ihrem millimeterkurz geschnittenen Zierrasen, den modernen Skulpturen im Garten und dem privaten Sicherheitsdienst im Golfkarren. 

JP, der Sohn des gestorbenen Millionärs, ist wütend, weil er nichts geerbt hat. Gemeinsam mit Nachbarin Charlotte scheut er sich nicht vor illegalen Manövern, um die ungeliebten Nachbarn anzuschwärzen. Das geht natürlich schief. 

Die neue Serie wurde in den Niederlanden nur lau aufgenommen, stieß auf nicht allzu viel Begeisterung. Ob es eine weitere Staffel geben wird, ist fraglich.

© dpa-infocom, dpa:260901-930-613092/1

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.