Amberg
25.09.2018 - 17:59 Uhr

In jedem Buch steckt Herzblut

Der Amberger "Büro Wilhelm Verlag" erhält den bayerischen Kleinverlagspreis. Mit einem ungewöhnlichen Programm konnten sie die Jury überzeugen. Ihr Konzept ist nicht auf Masse ausgerichtet, sie setzen auf außergewöhnliche Themen und produzieren kleine Schmuckstücke.

Von Amberg über Mallorca bis zur WAA: Der Amberger Verlag sucht das Außergewöhnliche, das Besondere. Bild: Büro Wilhelm Verlag
Von Amberg über Mallorca bis zur WAA: Der Amberger Verlag sucht das Außergewöhnliche, das Besondere.

Der bayerische Kleinverlagspreis geht nach Amberg - das teilte das Kultusministerium am Dienstag mit. Der "Büro Wilhelm Verlag", so befand die Jury, steht für "Originalität wie Professionalität des Verlags, der im Spektrum der regionalen Verlagslandschaft mit einem ungewöhnlichen Programm durch hochwertige ästhetische Gestaltung und inhaltliche Substanz herausragt, eine anspruchsvolle Reihe zur Architektur aufgelegt hat und Mut zu Nischenthemen wie skurrilen Humor beweist."

Geschäftsführer und Kommunikations-Designer Wilhelm Koch kann dem nur zustimmen: "Was wir bieten, ist außergewöhnlich für einen solch kleinen Verlag." Zusammen mit seinen beiden Kollegen Gerhard Schmidt-Schönenberg und Manfred Wilhelm hat er sich entschieden, ungewöhnliche Bücher herauszubringen, "Nischenbücher" nennt er sie liebevoll. Alle drei sind Gestalter und Verleger gleichzeitig, was ihnen viele Möglichkeiten bietet.

Die drei Amberger haben Spaß an ungewöhnlichen Themen aus der Region. "Eines unserer ersten Bücher war ein Bildband über stille Örtchen in der Oberpfalz", erinnert sich Koch. Fast ausschließlich Bilder, eingelassen in einer sozio-kulturelle Analyse. "Damals haben wir eine besondere Richtung eingeschlagen, etwas alltägliches, spannendes aus der Region thematisiert." Und das blieb. Fast zu jedem der Bücher kann Koch eine kleine Geschichte erzählen.

Besonders stolz ist er auf die letzten drei Neuerscheinungen. "Diese würde ich alle als Highlight einordnen." Er redet von einen Buch über die WAA in Wackersdorf, von "Aus dem Leben der Heiligen - Neue Legenden", geschrieben von dem in Amberg geborenen Schriftsteller und Satiriker Eckhard Henscheid. Und von "Mallorca", einem Buch, das in Zusammenarbeit mit Selber Fotografen entstand. "Es gibt etliche Bücher über diese Insel, aber keines ist wie dieses", meint Koch. Keine typischen Urlaubsfotos, sagt er, sondern eine Dokumentation der Landschaft, der Menschen, des Essens. "Sogar mit Rezepten", ergänzt Wilhelm Koch.

Das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst würdigt mit dem Preis zum zehnten Mal kleine Verlage, die den Buchmarkt mit qualitativ hochwertigen Programmen bereichern. Wirft man einen Blick ins Programm des Amberger Verlages, findet man Architektur, Kunst, Fotografie und Literatur. Das beeindruckte die Jury, bestehend aus Nicola Bardola (Autor und Journalist), Tanja Graf (Leiterin des Literaturhauses München), Hans Kratzer (Süddeutsche Zeitung) und Sebastian Zembol (Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels). Der bayerische Kleinverlagspreis ist mit 7500 Euro dotiert - wie der Verlag das Preisgeld investiert, ist noch nicht klar.

Während die drei Amberger sich 1994 als Designer etablierten, gründeten sie 2002 ihren eigenen Verlag. "Mit dem ersten Band Architektur aus der Oberpfalz fing alles an", erinnert sich Wilhelm Koch. Sie planten, der Architektur aus der Oberpfalz eine Bühne zu geben. "Wir wollten zeigen, was in Sachen Architektur bei uns los ist." Das Buch ist schließlich bei einem Verlag erschienen. "Und wir haben uns gefragt: Warum machen wir das nicht einfach selbst?"

Der zweite Architekturband ist dann bereits in ihrem eigenen Verlag erschienen. Die veröffentlichten Bücher zählt Koch inzwischen nicht mehr. Er schätzt, zwischen 160 und 180 müssten es sein, darunter rund 120 kleine Baukulturführer-Hefte. Jedes Buch ist ein kleines Schmuckstück, mit Herzblut gestaltet. Die Bücher fallen durch ihre herausragende Gestaltung auf - auch das nahm die Jury zur Kenntnis.

Kunstministerin Marion Kiechle hob die regionale Note des Programms hervor, die mit eigenwilligen Kulturprojekten korrespondiere. Wilhelm Koch sieht ihre Lage in der Oberpfalz als Heimvorteil: "Hier in der Region haben wir ein Auge für alles, was rund um uns herum passiert." Er sieht dies als Vorteil gegenüber den großen Verlagen in München, Hamburg oder Berlin. Oft entstehen Ideen durch persönliche Kontakte, eigene Erfahrungen oder Interessen: "Ob banal oder außergewöhnlich, wenn wir von einer neuen Idee begeistert sind und eine Möglichkeit sehen, sie zu finanzieren, ist ein Projekt geboren."

Was wir bieten, ist außergewöhnlich für einen solch kleinen Verlag.

Wilhelm Koch vom Büro Wilhelm Verlag in Amberg

 
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