10.12.2019 - 00:01 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Cage-Castle ist heute ein Hochzeitsmärchen

Jahrzehntelang schlummerte es den Dornröschenschlaf. Bis der Märchenprinz aus Hollywood kam und es wachküsste: Schauspieler Nicolas Cage kaufte Schloss Neidstein, besaß es bis 2009 drei Jahre und sorgte in jener Zeit für einen Medienhype.

Stolz zeigt der Amberger Rechtsanwalt Konrad Wilfurth sein topsaniertes Schloss Neidstein. Er erwarb es 2009 von Hollywood-Schauspieler Nicolas Cage, dessen Schlossverwalter der Advokat damals gut drei Jahre lang war.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Viele Menschen im Landkreis Amberg-Sulzbach sind nicht wirklich traurig darüber, dass sich der weltbekannte Star von seinem Eigentum samt Schlossberg und Wäldern bei der Ortschaft Tabernackel längst wieder verabschiedet hat. Wenn auch nicht ganz freiwillig, wie es damals hieß: Im Zuge der Finanzkrise vor zehn Jahren bekam Nicolas Cage Liquiditätsprobleme und musste einige seiner Besitztümer abgeben. Schloss Neidstein zählte dazu, das er einst als Feriendomizil und für Deutschland-Aufenthalte seines Sohnes nutzen wollte, nachdem Cage durch Vorfahren seiner Mutter selbst deutsche Wurzeln hat. Schweren Herzens trennte er sich im März 2009 von Neidstein, für dessen Sanierung und Umbau er bereits Architektenpläne schmieden und gerade beginnen hatte lassen.

Dass ihm der Verkauf nicht leichtfiel, weiß der seinerzeit für Cage als Schlossverwalter tätige Amberger Rechtsanwalt und Stadtrat Dr. Konrad Wilfurth. Er ist der Mann, der dem Hollywood-Star das Schloss samt aller Liegenschaften abkaufte. Allerdings musste er ihm versprechen, dass er die Sanierung durchziehen werde, weil Cage viel am Erhalt des gut 500 Jahre alten Gemäuers lag - eine einst daneben stehende und nur mehr als Ruine existierende Burg datiert gar aus den Jahren um 1050.

Konrad Wilfurth hielt Wort: Bis 2013 richtete er das Schloss außen und innen top her. Seitdem kann es für private Feiern, Ausstellungen, Konzerte und vor allem Hochzeiten gemietet werden, zumal die Gemeinde Etzelwang hier ein Trauzimmer hat. Führungen und andere öffentliche Besichtigungen hat der Amberger Schlossherr auf ein Minimum zurückgeschraubt, weil sie im Grunde keine Einnahmen, nur Ausgaben für die regelmäßige Reinigung bringen.

Wer allerdings häufiger hier Prinzessin und Ritter spielen darf, ist der Nachwuchs - vor allem der der Selbsthilfegruppe Krebskranker Kinder Amberg-Sulzbach, nachdem Wilfurths Ehefrau Andrea Winkler-Wilfurth mit ihrer namensgleichen Stiftung diesen Verein regelmäßig unterstützt. Sie ermöglicht den Buben und Mädchen märchenhafte Motto-Nachmittage. Im Disney-Schloss-ähnlichen Turm sitzt zum Beispiel häufig Rapunzel, kämmt ihr Haar und erzählt Geschichten. Fehlt nur Ritter Cage, der die holde Maid in Hollywood-Manier befreit.

Aber nein, die Kinder und alle anderen Nutzer von Neidstein kommen ohne den Oscar-Preisträger viel besser klar. Denn wenn er eingezogen wäre, wäre wohl wirklich eine undurchdringliche Dornen- und Sicherheitshecke um das Schloss gewachsen, um den Star vor neugierigen Blicken abzuschirmen. So mit der Miet- und Kinder-Spielmöglichkeit sind die Türen ab und zu offen und das Schloss Neidstein löst keinen Neid auf einen Hollywood-Prinzen aus, sondern ist (wieder) Teil der fürstlichen Amberg-Sulzbacher Geschichte.

Info:

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Stolz zeigt der Amberger Rechtsanwalt Konrad Wilfurth sein topsaniertes Schloss Neidstein. Er erwarb es 2009 von Hollywood-Schauspieler Nicolas Cage, dessen Schlossverwalter der Advokat damals gut drei Jahre lang war.
Das hätte das Schlafzimmer des Oscar-Preisträgers werden sollen, der wegen angeblicher Liquiditätsprobleme im Zuge der Finanzkrise im März 2009 Neidstein schweren Herzens wieder abgab.
Nicolas Cage (Mitte) und sein Sohn (rechts) verstanden sich gut mit Heinz Breitfelder (links), dem Neidsteiner Urgestein und damaligen Hausmeister des Schlosses, der mittlerweile verstorben ist. Das Foto entstand 2006 bei einem der insgesamt drei Besuche des Hollywood-Stars auf dem Schlossberg oberhalb der Ortschaft Tabernackel.

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