22.03.2020 - 19:30 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Corona lässt Amberger auf Philippinen-Insel stranden

Ein Urlaub im Paradies entwickelt sich für Reinhard W. immer mehr zum Höllentrip. Der Amberger sitzt wegen der Coronakrise auf der philippinischen Insel Cebu fest. Statt am Strand verbringt er seine Zeit nun in Warteschleifen

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Während hier viele über den "Hausarrest" der Staatsregierung klagen, wäre Reinhard W. froh, könnte er daheim in Amberg die Türe hinter sich zu machen. Der 57-Jährige ist statt dessen auf Cebu gestrandet. Corona hat auch auf der philippinischen Insel Leben und Flugpläne durcheinander gebracht, berichtet der Oberpfälzer, der mit seiner philippinischen Frau zum Familienbesuch in den Inselstaat südöstlich des asiatischen Festlands gereist ist.

"Unser Heimflug war für 18. März gebucht", schreibt W. Am 10. März habe Präsident Rodrigo Duterte im TV erklärt, dass alle Inlandsflüge gestrichen werden. Seither befindet sich der Amberger im Krisenmodus, bald endet der Urlaub, der Asphaltbauer fürchte um seinen Job.

Entsprechend verzweifelt bemühe er sich um die Rückreise: Für 120 Euro Gebühren habe er Zeit in der Warteschleife seines Reiseveranstalters verbracht, um dann zu erfahren, dass er sich direkt an die Fluggesellschaft wenden muss. Bei dem sei er ebenso wenig durchgekommen, wie sein Bruder von Deutschland aus. Beim Büro der lokalen Fluggesellschaft sei der Andrang so groß, dass Militär und Polizei Wache stehen. "Es werden nur Kunden durchgelassen, die direkt dort gebucht haben."

Auch die deutsche Botschaft habe nicht helfen können. Letzte Hoffnung ist nun das Rückholprogramm des Auswärtigen Amts. Die Anmeldung habe acht Stunden gedauert, weil die Server ständig zusammenbrachen. "Täglich werden nun Flüge zugesagt, dann werden sie wieder abgesagt", beschreibt W. die nervenaufreibende Zeit. Er könne dennoch nur auf das Programm hoffen. "Ansonsten werde ich es hier aussitzen müssen."

Schon die Anreise stand unter keinem guten Stern. Fast mit der Ankunft am 12. Januar brach der Taalvulkan aus. "Wir waren in einer der letzten Maschinen, die noch in Manila landen durften." Ein Weiterflug war nicht möglich, so dass es per Bus und Schiff weiter nach Cebu ging. "Die Straßen waren mit einer drei bis fünf Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckt." 46 Stunden habe die Reise gedauert, 18 per Bus, 28 per Schiff. Erst dann war das Paar auf Cebu.

Dort ist die Lage heute ruhig, aber angespannt. "Noch können wir uns einigermaßen frei bewegen." Das Leben sei sehr zurückgefahren, Schulen geschlossen, die Menschen gehen nur zum Einkaufen raus. Der Präsident habe klar gemacht, dass er wenn nötig hart durchgreifen werde.

W. ist eines von 68 Mitgliedern einer deutschen Whatsapp-Gruppe. Über diese habe er erfahren, dass es auf Nachbarinseln bereits wesentlich strenger zugeht: "Einige berichten, dass sie ihr Hotel nicht verlassen dürfen, dass man sogar Passentzug angedroht hat." "Hausarrest" in Amberg klingt im Vergleich tatsächlich richtig erholsam.

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