09.12.2019 - 07:41 Uhr
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Die"Identitäre Bewegung" in Amberg: So gefährlich sind die Rechtsextremen

Seit Oktober macht die "Identitäre Bewegung" in Amberg mit Gewalt auf sich aufmerksam. Rechtsextremismus-Experte Jan Nowak stellt das Ergebnis monatelanger Recherchen vor. Was er zu sagen hat, klingt wenig erfreulich.

Mit Aufklebern fing es an. Seit Oktober ist die "Identitäre Bewegung" in Amberg aktiv.

Jan Nowak ist sicher: Die "Identitäre Bewegung" (IB) ist bundesweit auf dem absteigenden Ast und muss nehmen, wen sie kriegen kann. Dem Experten der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus zufolge zeigt sich das in Amberg. Es erwecke den Anschein, dass es sich bei den Mitgliedern wohl um eine "neofaschistische Schlägerbande" handle.

Die fünfköpfige Gruppe, die seit Oktober für mehrere Gewalttaten verantwortlich sein dürfte, widerspreche damit der bundesweiten Selbstdarstellung der "Identitären Bewegung". Die gibt sich sonst gerne als kreativ und gewaltfrei. "Für die IB gehört eine angebliche Theoriefeste zur Selbstinszenierung. Bei der Amberger Gruppe kann man sagen, dass es sich eher um Praktiker handelt. Es spricht wenig dafür, dass sie theoretisch versiert sind", erklärt Nowak.

Auch in Weiden unterwegs

Zuletzt ist die Gruppe mutmaßlich mit mehreren Angriffen auf einen alternativen Treff in Erscheinung getreten. Dabei hatten Vermummte versucht, die Tür des Clubs einzutreten. Später soll die Gruppe die Scheibe eines geparkten Autos eingeworfen und schließlich versucht haben, die Tür des Clubs mit Backsteinen einzuwerfen.

Die IB verteilte zudem in der gesamten Altstadt Sticker mit offenkundig rassistischen und fremdenfeindlichen Sprüchen, sprühte Dutzende Graffiti mit dem Logo der IB. Besonders betroffen waren die Geschäftsstellen der IG-Metall und der SPD. Auch in Weiden war die Gruppe wohl im Herbst in einer Nacht unterwegs, was damals zig Aufkleber in der ganzen Altstadt belegten.

Die rechtsextreme Gruppe aus Amberg bestehe im Kern aus fünf Männern Anfang 20. "Die Mitglieder beherrschen die für die IB typische Öffentlichkeitsarbeit nur bedingt", sagt Nowak. Die Amberger IB verfüge über keine Social-Media-Strategie. Das lasse vermuten, dass der Zusammenschluss kaum in der Lage ist, weitere Mitglieder zu rekrutieren.

Weil es sich bei der Gruppe um einen geschlossenen Freundeskreis handle, ist nicht davon auszugehen, dass sie schnell zerbrechen wird. "Die Männer sind radikal und haben teils eine neonazistische Prägung. Wenn solch ein Grad der Ideologisierung erreicht ist, stellen sie das, woran sie glauben, nicht infrage", sagt Nowak.

Schon vor der Gründung der Amberger IB im Sommer 2019 nahmen die Mitglieder mehrfach an rechtsextremen Veranstaltungen teil. Der laut Nowak führende Aktivist der "Schlägertruppe" war beispielsweise zuvor bei der Neonazi-Partei "Der III. Weg" aktiv. "Im November 2018 beteiligte er sich am Aufmarsch des ,III. Weges' zum Gedenken an die 'gefallenen Helden' von Wehrmacht und Waffen-SS in Wunsiedel".

Ein anderer Akteur der Amberger IB habe sich bei der Ostbayerischen Jungen Alternative, der Nachwuchsorganisation der AfD engagiert. "Das zeigt, wie kurz die Wege zwischen den Organisationen sind", kommentiert Nowak. Zwei weitere Mitglieder haben bis vor kurzem drei Mal die Woche in einem Kampfsport-Verein trainiert, bis die Verantwortlichen auf die Einstellung der beiden aufmerksam wurden und sie aus dem Verein ausschlossen. "Wenn Menschen mit so einer Gesinnung Kampfsport machen, sollte man das nicht auf den sportlichen Aspekt reduzieren", erklärt Nowak. Die rechtsextremen Aktivisten hätten sich auf eine Art Straßenkampf vorbereiten wollen.

Angriff auf die Demokratie

Dass sie nun aus dem Verein ausgeschlossen wurden, sei ein wichtiges Zeichen. So lange die Mitglieder keinen Widerspruch bekämen, fühlten sie sich unangreifbar. Sicherheitsbehörden sollten die Aktivitäten der Amberger IB ernstnehmen. "Das sind nicht nur Angriffe auf Individuen, sondern auf die demokratische Gesellschaft."

Seine gesamte Recherche zur Amberger IB hat Nowak im Internet veröffentlicht:Online unter: www.aida-archiv.de

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