11.09.2019 - 19:07 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Dürre: Private Waldbesitzer geraten an ihre Grenzen

In Oberpfälzer Wäldern sterben reihenweise Kiefern und Fichten. Private Waldbesitzer haben mit den Folgen zu kämpfen. Wer seinen Forst nicht zum Lebensunterhalt bewirtschaftet, ist mit der Situation maßlos überfordert.

Die Hitze und der Borkenkäfer machen dem Wald – wie hier bei Altenparkstein im Kreis Neustadt/WN – schwer zu schaffen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Wie wichtig der Wald im Kampf gegen den Klimawandel ist, ist allgemein bekannt. Allerdings ist es genau dieser Wandel, der dem Oberpfälzer Wald ganz schön zusetzt. Hitze, Dürre und der Borkenkäfer haben vielen Bäumen in der Oberpfalz den Garaus gemacht. Nicht nur die Regierung hat mit den Folgen in ihren Forsten zu kämpfen. Für private Waldbesitzer bedeuten die sterbenden Bäume einen enormen wirtschaftlichen Schaden und großen zusätzlichen Aufwand.

Landwirte, die mit ihren Wäldern wirtschaften wollen, leiden unter den niedrigen Kubikmeterpreisen für Holz. Teilweise deckt der Verkauf gerade noch die Kosten, die das Abholzen verursacht hat. Die Besitzer kleinerer Wälder, die die Bäume nicht aus wirtschaftlichen Gründen besitzen, sind den plötzlichen Auflagen, die ihnen das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten macht, häufig nicht gewachsen, weil ihnen Erfahrung oder Werkzeuge fehlen.

Zu viel Holz am Markt

Weil besonders aus Tschechien viel Käferholz in die Oberpfalz kommt, fällt der Preis für den Rohstoff rapide. Bekam der Privatmann für den Holzverkauf vor zwei Jahren noch knappe 100 Euro für den Kubikmeter (Holzhändler sprechen auch von Festmetern) Fichte, ist der Preis mittlerweile auf etwa 30 Euro gefallen.

Und da gibt es noch ein weiteres Problem. Wer Holz, in dem es sich der Käfer gemütlich gemacht hat, aus dem Wald transportiert, der muss sich an die Auflage halten, die verseuchten Stämme mindestens 500 Meter vom nächsten Waldrand entfernt zu lagern. Weil es aber so viele direkt aneinander grenzende Waldstücke in der Oberpfalz gibt, ist es ziemlich schwer, überhaupt einen geeigneten Platz dafür zu finden.

Waldbauern leiden

Ein Pursrucker (Gemeinde Freudenberg) Waldbesitzer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt: "Wenn ich einen Kreis um meinen Wald ziehe, dann gibt es im Radius von 500 Metern keine Stelle, an der ich weit genug von der nächsten Fichte oder Kiefer weg bin." Zwar gibt es für Privat-Waldbesitzer Selbsthilfe-Gruppen, wie zum Beispiel die Forstbetriebsgemeinschaft Amberg-Schnaittenbach. Diese hat auch einen Gemeinschaftslagerplatz. Theoretisch eine gute Sache, praktisch für den Pursrucker Waldbauern allerdings nicht lukrativ. Denn: Kommen zu den Arbeitskosten, die ihm durch das Holzschlagen entstehen, noch die Kosten für den Transport hinzu, verdient er so gut wie nichts mehr an seinem Holz. Darüber hinaus kommen die meisten Transporter erst für eine volle Wagenladung. Das einspricht 40 Kubikmetern Holz. So viel bekommen viele Waldbesitzer gar nicht zusammen.

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Amberg habe dem Pursrucker Waldbesitzer die Vorgabe gemacht, alle befallenen Bäume bis in 14 Tagen aus seinem Wald zu entfernen. Er klagt: "Ich weiß nicht, wie ich das machen soll." Zwar verleihe die Wald-Besitzer-Selbsthilfegruppe Maschinen. Aufgrund der vielen Anfragen, sei es aber unrealistisch, die Werkzeuge rechtzeitig zu bekommen. "Die haben eine sehr lange Vorlaufzeit", sagt der Waldbauer. Hätte er nicht selbst Bedarf für sein Holz, wüsste er nicht, wie er es sonst loswerden sollte.

Die dahin siechenden Bäume treffen kleine Waldbesitzer besonders schwer. Helga Verron, die stellvertretende Leiterin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Amberg, erklärt: "Es gibt bei uns auch Leute, die mit ihrem Wald kein Geld verdienen wollen. Für sie ist das einfach ein Stück Heimat, an dem sie besonders hängen. Sie schmerzt es sehr, wenn der Wald kaputt geht." Viele Betroffene sind überfordert. Laut Verron kann es sogar sein, dass die Eigentümer längst in einem Pflegeheim sind. "Die können sich natürlich nicht selbst um die Bäume kümmern, die abgeholzt werden müssen", erklärt sie. In diesem Fall muss der Besitzer eine Fremdfirma beauftragen. Förster Christoph Lauerer sagt: "Wer einen Festmeter abholzen lässt, zahlt rund 25 Euro. Bei einem Verkaufspreis von 30 Euro bleibt da nicht viel übrig."

Auf die Waldbesitzer kommt aber noch mehr zu. Laut dem bayerischen Waldgesetz sind alle Forstinhaber dazu verpflichtet, kahle Stellen in ihrem Wald innerhalb von drei Jahren wieder mit Bäumen zu bepflanzen. Laut Laurer werden zwar 80 Prozent der Kosten staatlich gefördert. Den Rest muss der Waldbesitzer dennoch selbst bezahlen.

Wir dachten, die Kiefer wäre die stabilere Baumart, die Dürre besser verträgt. Die enorme Hitze heuer und vergangenes Jahr war wohl zu viel für sie.

Christoph Lauerer, Förster

Zukunft ungewiss

Der Stand der Dinge derzeit: Über den Sommer hinweg haben Schädlinge und Pilze massenhaft von der Dürre und Hitze geschwächte Fichten umgebracht. Was Verron und Lauerer zusätzlich beunruhigt, ist, dass an den Waldrändern im Landkreis-Amberg Sulzbach mittlerweile auch Kiefern sterben. "Wir dachten, die Kiefer wäre die stabilere Baumart, die Dürre besser verträgt. Die enorme Hitze heuer und vergangenes Jahr war einfach zu viel für sie", sagt Lauerer.

Zwar sei die Lage im Moment noch überschaubar, weil nur die Kiefern an besonders sonnigen Waldrändern betroffen seien. Alles in allem komme Landkreis Amberg-Sulzbach im Vergleich zum mittelfränkischen Nürnberger Reichswald im Moment noch relativ glimpflich davon. Sollte das folgende Jahr aber erneut so trocken und heiß werden, könne Verron nicht abschätzen, wie sich die Situation entwickeln wird. Lauerer teilt diese Meinung: "Noch ist die Lage bei uns unter Kontrolle. Allerdings ist diese Ausmaß bei uns neu. Das macht uns schon Sorgen."

Eigentlich müsste Verron zufolge viel ausprobiert werden. Gleichzeitig fehlt die Zeit. "Welche Bäume halten diesen Klimawandel noch aus?", fragt sie. Eine Erwärmung um ein bis zwei Grad könnten Mischwälder noch vertragen, bei einer Erwärmung um drei bis vier Grad sieht die stellvertretende Leiterin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten schwarz: "Dann wissen wir nicht, wie wir die Verluste überhaupt noch auffangen sollen."

Baumkonzept des Staatsministeriums in Zeiten des Klimawandels:

Experten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forsten beschäftigen sich damit, wie der bayerische Wald der Zukunft aussehen kann. Das geht aus einer Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hervor.

Demzufolge sei es möglich, schon jetzt anhand von 32 heimischen und neuen Baumarten zu zeigen, an welchen Stellen diese in Zukunft am besten in den bayerischen Wäldern wachsen können.

Das Ergebnis ist eine Abhandlung mir dem Titel „Klima – Boden – Baumartenwahl“. Darin können Waldbesitzer nachlesen, worauf sie beim Waldumbau achten sollten. Die PDF-Datei enthält Steckbriefe, in denen Standortbedingungen für verschiedene Baumarten beschrieben sind. Auch enthält die Schrift allgemeine Tipps für den Waldumbau und hilft Waldbesitzern bei der Entscheidung für spezielle Baumarten. Zudem ist darin Fachliteratur geordnet abgebildet.

Die PDF-Datei unter

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