11.09.2018 - 15:33 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Fasziniert von Statik und Spannung

„Was kann ich dem Material noch zufügen – bis es zamkracht?“ Michaela und Florian Geissler formen feuerfeste Wesen. Deren raue Rundungen führen zu „Begegnungen“ in der Stadtgalerie Alte Feuerwache Amberg.

Es beginnt im Kopf und endet ohne Arme und Beine. "Begegnungen" der frost- und feuerfesten Wesen vom Michaela und Florian Geissler in der Stadtgalerie Alte Feuerwache in Amberg.
von Dagmar WilliamsonProfil

Geschlechtsneutral ohne Arme und Beine. Raue Figuren, die schwer aussehen, aber innen hohl vor sich hin ruhen. Schön gebrannt mit farblichen Pigmenten. Michaela und Florian Geissler sind nicht gerade zimperlich mit ihren Stelen, Büsten und Torsos. Immer an die Grenzen gehen. Fasziniert von Statik und Spannung. „Und noch ein Batz, Batz, Batz“, erklärt Roland HH Biswurm den Entstehungsprozess. Was vor der Rede wie Anmut und Poesie im Raum schwebt, zerstört der Laudator mutwillig und offenkundig.

Und es war in Genialität und Wortgewandtheit überzeugend und herausragend; die Gegensätze des Künstlerehepaars geradezu anschaulich dargestellt. Der Film der Kreationen in Bearbeitung läuft in den Köpfen der Keramik-Liebhaber. Punk-Musik im Hintergrund, die zur Party aufruft. Jeder verdienende Künstler sollte einen solchen Radiokultur-Reporter als Marktschreier der Vernissagen sein Eigen nennen dürfen. Jemanden der weiß, wie man verbal fesselt. Die Begegnungen der stillen Tonkünstler sind gelungen. Hinterlassen jedoch Verwunderung, denn oberflächlich betrachtet: Die zwei Kunstschaffenden sehen gar nicht aus wie „Batzende“.

Stille Tonkünstler, die beim Erzählen über ihre Arbeit passioniert über sich hinaus sprudeln. „Da ist so ein Druck von innen nach außen. Ich bin wie verfolgt von irgendetwas“, sagt Michaela Geissler. Geduldig ist sie dennoch. Monate können vergehen bis die Keramik-Schöpferin ihre Krönung für gut befindet. Florian Geissler hingegen mag es schnell: „Da geht nix voran!“ Wenn der Ton zu feucht ist, kann er nicht verbiegen, verfeinern, wegnehmen und wieder zusammenfügen. „Ich muss es aushöhlen, damit es schneller trocknet“, erklärt der Künstler. Gebrannt im Gasofen: Aus dem Material werden feuer- und frostfeste Wesen.

Bronzekleinplastiken und lebensgroße Stelen von Michaela Geissler. Langgestreckt, nicht nur aus der Frosch-Perspektive, teils über zwei Meter hoch. Ihre Werken sind auch in München, Hannover, New York und am Ärmelkanal zu sehen. Keramikköpfe mit außergewöhnlichen Oberflächen und Büsten von Florian Geissler wirken kräftig, den Raum einnehmend, schwer und massiv. Seine Skulpturen sind in Hannover, Vilsbiburg, Salamanca und Madrid in der Öffentlichkeit ausgestellt. Seit ihrem Abschluss an der Fachschule für Keramikgestaltung hat sich das Ehepaar zu namhaften Künstlern, über die Grenzen Bayerns hinaus, entwickelt. Mit Studienaufhalten in New York und Reisen nach Südafrika erweiterten sie ihren Horizont – dem Dialekt der Heimat bleiben sie treu.

Man kennt sich: Bayern 2 Radiokulturreporter und Laudator Roland HH Biswurm mit Michaela und Florian Geissler (von links) eröffnen die Ausstellung "Begegnungen" in der Stadtgalerie Alte Feuerwache in Amberg.

Außergewöhnliche Oberflächen auf Keramik und Bronze von Michaela und Florian Geissler.

Interessante Begegnung zwischen Besucher und Plastik.

Wie Tempel-Wächter aus längst vergangen Zeiten präsentieren sich diese drei Stelen.

Außergewöhnliche Oberflächen auf Keramik und Bronze von Michaela und Florian Geissler.

Service:

Ausstellung: Michaela und Florian Geissler „Begegnungen“. Bis 14. Oktober.

Ort: Stadtgalerie Alte Feuerwache im Stadtmuseum Amberg, Zeughausstraße 18, 92224 Amberg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11 bis 16 Uhr, Samstag/Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Info-Telefon: 09621/101284, stadtmuseum[at]amberg[dot]de

www.stadtmuseum-amberg.de

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