16.11.2018 - 08:52 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Wenn Leser an Fotos Kritik üben

"50 Kilo abgenommen! So sieht der ,Der Bulle von Tölz'-Star jetzt aus", titelte kürzlich die "Bunte". Zu seinem 65. Geburtstag hatten auch wir ein Bild von Ottfried Fischer im Blatt. Ein Leser findet dieses Foto "geschmacklos".

Ein verregneter Oktobertag in Passau: Der Schauspieler und Kabarettist Ottfried Fischer sitzt in seinem Arbeitszimmer schwarz gekleidet am Schreibtisch. Eine Aufnahme anlässlich seines 65. Geburtstags. „Ein Brustfoto hätte gereicht“, meinte ein Leser.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Im Interview mit der Illustrierten "Bunte" hatte Fischer unter anderem gesagt: "Mit diesem Leben habe ich meinen Körper sehr geschädigt. Der war ohnehin schon extrem belastet mit meinem Übergewicht - auch wenn ich seit der Reha gute 50 Kilo leichter bin und nicht mehr über 210 Kilo wiege." Ein Zentner weniger - Fischers großes Abspecken war auch in vielen anderen Zeitungen Thema und Schlagzeilen wert.

Den Bericht zwei Tage vor Ottfried Fischers 65. Geburtstag, der in allen unseren Ausgaben im Mantelteil auf der Seite "Bayern/Oberpfalz" erschien, kritisierte der Leser der Amberger Zeitung nicht. Das dazugehörige Foto hingegen schon: "Das hätte ich nicht gedacht, dass die AZ so geschmacklos sein kann. Wie kann man nur ein Geburtstagskind zum 65ten so geschmacklos abbilden! Ein Brustfoto hätte gereicht."

Gut, wenn jemand ganz offen seine Meinung kundtut. Wir möchten wissen, was unsere Leser denken. In diesem Fall jedoch wies ich als Leseranwalt den Vorwurf der Geschmacklosigkeit dann doch zurück und schrieb dem Verfasser der E-Mail: "Dieses Foto ist mit Einverständnis von Ottfried Fischer so entstanden, gefertigt hat es ein dpa-Fotograf, Sie finden es auch in zahlreichen anderen Zeitungen und im Internet. Vielleicht möchte Herr Fischer damit auch dokumentieren, dass er gewaltig abgenommen hat."

Doch nicht nur Bilder von Menschen können ein Aufreger sein. Beispiel: Eine Aufnahme in einem unserer Lokalteile, die links ein Anwesen, eine von Bäumen gesäumte Straße und rechts ein Bushäuschen zeigt. Im Text dazu wird erläutert, worum es geht: Mit einem Schild "Freiwillig 30" will der Gemeinderat den Verkehr auf dieser Kreisstraße im Bereich der Ortsdurchfahrt bremsen. Eine Anwohnerin, die in die Gemeinderatssitzung gekommen war, wird mit den Worten zitiert: "Nur wenn geblitzt wird, fahren plötzlich alle langsamer."

Falsch interpretiert

Eine Leserin meldete sich daraufhin bei der Lokalredaktion und beklagte sich, dass man ihr Anwesen links deutlich sehe und die Leute daher meinten, sie sei die in dem Bericht erwähnte Beschwerdeführerin (was nicht stimmt). Deshalb sei sie bereits mehrmals angerufen worden. In einem Telefongespräch sagte ich dem Ehemann der Frau, der die Situation ebenfalls als ärgerlich schilderte, dass es natürlich aus Sicht der Redaktion bedauerlich sei, wenn Foto und Text von Lesern falsch interpretiert würden. Doch hätten die Redakteure nichts falsch gemacht.

Denn: Fotos von Sachen - dazu zählen beispielsweise Häuser und Tieren - zu fertigen, ist ohne Genehmigung zulässig. Allerdings muss vom öffentlichen Raum aus fotografiert werden. Muss der Bildberichterstatter ein Grundstück betreten, kann der Eigentümer ihm dies jederzeit verbieten.

Gebäude von außen dürfen ohne Einwilligung fotografiert werden, wenn man das Grundstück nicht betritt und wenn man keine Hilfsmittel verwendet, um einen Blickwinkel zu erhalten, den man nicht als gewöhnlicher Passant von außen hätte - das unterstreicht auch der Münchener Medienrechtsanwalt Dr. Holger Weimann von der Kanzlei Beiten Burkhardt. Zum Beispiel dürfe man nicht von einer Leiter aus über die Hecke ins Grundstück hinein fotografieren. Hält man sich an diese Einschränkungen, dürften solche Fotos auch veröffentlicht werden.

Vieles ist erlaubt

Auch Fotos oder Filme aus der Luft, die mit Drohnen gemacht werden, sind laut Weimann ohne Einwilligung erlaubt, wenn sie nicht "im unmittelbar über dem Grundstück befindlichen Luftraum" aufgenommen werden, wenn sie keine identifizierbaren Personen zeigen und wenn der private beziehungsweise persönliche Bereich (zum Beispiel die Terrasse) respektiert wird. Auch hier könne es freilich berechtigte Gegeninteressen geben, etwa bei einem Grundstück eines Prominenten, wenn das Foto vielleicht geeignet wäre, den günstigsten Fluchtweg für einen Einbruch/Raub auszukundschaften.

Das reine Fotografieren von Personen - egal welchen Alters oder in welchem Zustand - verletzt Weimann zufolge das Persönlichkeitsrecht nicht, außer, es geschieht im privaten, persönlichen Bereich. Die Veröffentlichung (Verbreitung/Zurschaustellung) unterliege jedoch strengen Auflagen. Sie sind im Kunsturhebergesetz geregelt.

Dort besagt der Paragraf 23 unter anderem Folgendes: "Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden: 1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte; 2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen; 3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben."

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