30.09.2020 - 17:47 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Lesertelefon-Aktion: Glücksspielsucht überwinden

Wege aus der Glücksspielsucht: Die wichtigsten Antworten aus der Lesertelefon-Aktion von Oberpfalz-Medien und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Das rationale Denken setzt bei exzessiven Spielern oft aus.
von Externer BeitragProfil

Sind Menschen süchtig nach Glücksspiel, kann das Unglück über ganze Familien bringen. Lässt sich eine Glücksspielsucht überwinden? Was kann man als Angehöriger tun? Diese Sorgen bewegten die Menschen vor allem bei der Telefonaktion von Oberpfalz-Medien und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die wichtigsten Fragen und Antworten der Beraterinnen für Glücksspielsucht, Marie-Luise Theunissen-Spitzley und Esther Meyer:

Ich habe meiner Frau erzählt, dass ich unser Erspartes in der Spielhalle durchgebracht habe. Daraufhin hat sie mich rausgeschmissen, auch den Umgang mit den Kindern verboten. Wenn ich nicht mehr spiele, könne ich wiederkommen. Wie schaffe ich das?

Ihre Frau hat klare Verhältnisse geschaffen. Daraus kann für Sie eine starke Motivation erwachsen, mit aller Kraft gegen die Spielsucht anzugehen. Holen Sie sich dazu alle Unterstützung, die Sie bekommen können. Rufen Sie heute noch in einer Suchtberatungsstelle an und machen Sie einen Termin für ein erstes Gespräch. Auf www. check-dein-spiel.de/hilfe/hilfe-vor-ort/ sind die Suchtberatungsstellen nach Postleitzahlen aufgelistet.

Meine Partnerin hat sich von mir getrennt, weil ich viel Geld verspielt habe. Sie fehlt mir sehr. Kann man das Spielen Schritt für Schritt lassen, also jetzt nur noch zweimal, dann nur noch einmal pro Woche zu den Automaten gehen?

Nein, bei jedem neuen Spiel fallen Sie in die alten Muster zurück. Glücksspiele haben ein sehr hohes Suchtpotenzial. Sie müssen komplett aufhören, um aus dem Teufelskreis auszubrechen.

Wenden Sie sich an eine Suchtberatungsstelle, um Wege aus der Sucht zu erörtern und Ihre Motivation zu stärken, das Problem anzugehen. Die Beratung ist kostenlos. Die Experten unterliegen der Schweigepflicht.

Mein Opa verliert sehr viel Geld beim Spiel. Er sagt, er will seine Rente aufbessern, rutscht aber immer mehr in die Schulden. Eigentlich ist er ein kluger Mann. Warum sieht er nicht, dass er nur verliert?

Wahrscheinlich weiß Ihr Opa, dass die einzigen Gewinner bei den Glückspielen die Besitzer der Automaten, der Spielhallen, der Casinos und der Internet-Glücksspiele sind. Aber das rationale Denken setzt bei exzessiven Spielern während des Spielens oft aus. Entgegen aller Realität halten sie die Illusion vom Gewinn aufrecht.

Warum ist das so?

Das Spielen bewirkt die Ausschüttung von Glückshormonen, wie Dopamin und Adrenalin, nach denen man süchtig werden kann. So schnell wie beim Spielen werden die Hormone durch keine andere Tätigkeit ausgeschüttet. Dafür fehlen die Hormone einige Zeit nach dem Spielen im Gehirn, was ein schlimmes Unwohlgefühl auslöst. Ihr Opa muss wieder lernen, sich angenehme Gefühle anders zu organisieren, wie durch Sport oder durch gut verbrachte Zeit mit Freunden und Familie. Diese Aktivitäten schütten die Hormone nicht ganz so schnell aus, das Hochgefühl hält dafür aber länger und bringt keinen "Gefühlsabsturz" mit sich.

Meine Schwester ist täglich in der Spielhalle. Dafür pumpt sie sich bei meiner Mutter Geld. Wenn meine Mutter nichts gibt, kommt sie nicht mehr. Ich finde das unmöglich. Seit 15 Jahren rede ich mit den beiden, aber nichts ändert sich. Was kann ich noch tun?

Nicht viel. Sowohl Ihre Mutter als auch Ihre Schwester sind erwachsene, mündige Bürgerinnen, die selbst entscheiden können, was sie tun und was sie nicht tun. Sie haben sich jahrelang bemüht, die Situation zu ändern - ohne Erfolg. Jetzt bleibt Ihnen nur der Rückzug, wollen Sie nicht in eine Co-Abhängigkeit geraten und damit auch noch das eigene Lebensglück gefährden. Von außen wird das vielleicht als negativ betrachtet, aber es ist Ihnen durchaus erlaubt, sich selbst zu schützen und nur unter der Bedingung Kontakt mit Ihrer Familie zu haben, dass Glückspiel und Geld dabei keinen Raum mehr einnehmen.

Ich weiß, dass mein Mann oft in der Spielhalle ist. Aber er bestreitet das. Er sagt mir auch nicht, wofür er so viel Geld vom Konto abhebt. Könnte er schon spielsüchtig sein?

Glücksspielsüchtige erfinden oft Lügen, um ihre Abwesenheit oder Geldprobleme zu vertuschen. Um mehr Klarheit zu erhalten, rate ich Ihnen, sich Hilfe von Fachleuten zu holen. Die gibt es kostenlos in Suchtberatungsstellen, die auf Glücksspielsucht spezialisiert sind. Dorthin können sich sowohl die Betroffenen als auch Angehörige wenden.

Hintergrund:

Hier gibt es Hilfe

  • Telefonberatung zur Glücksspielsucht: 0800/1372700 (montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr).
  • Informationen im Internet auf www.check-dein-spiel.de und www. spielen-mit-verantwortung.de.
  • Info-Material bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf www.bzga.de/infomaterialien.

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