06.12.2019 - 11:32 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Mensch ärgere Dich nicht: Die ganze Geschichte im Amberger Stadtmuseum

Ein Brett, ein Würfel, ein glückliches Händchen. "Mensch ärgere Dich nicht" wurde bis dato über 90 Millionen Mal verkauft. Die Agenda des Amberger Erfinders lag aber weniger im wirtschaftlichen Bereich – sein Ziel: Frieden im Haus.

Seine drei Lausebengel hielten den gebürtigen Amberger Josef Friedrich Schmidt ganz schön auf Trab. In einem Land, wo Ordnung und Gehorsam zu den wichtigsten Tugenden zählten. Um den Frieden im Haus zu bewahren entwickelte er 1907 das Spiel, das bis heute Familien und Freunde an einem Tisch versammelt: "Mensch ärgere Dich nicht". Aber verbreiten ließ sich sein Werk in einem kriegerischen Kulturkampf geprägten Land nicht. Bis dem Unternehmer die Idee seines Lebens kam: Er verschickte 3000 Exemplare in die Lazarette. Für die Verwundeten war diese Geste ein Segen und sie würfelten von Sonnenaufgang bis spät in die Nacht. Mit dem Frieden brachten sie die Spiele mit nach Hause und das Brett eroberte die Welt - ganz ohne Blutvergießen.

Über eine Million Spiele wurden innerhalb von zwei Jahren bis 1920 für 35 Pfennig verkauft. Heute gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Editionen, die sich größter Beliebtheit erfreuen – bis auf eine, die sich nicht so recht durchsetzen mochte. „Politiker, ärgere Dich nicht“ ist die einzige Variante, die nicht zum Verkaufsschlager gehörte. Vom Original bis zum digitalen Leuchtspiel ist ab jetzt die ganze Geschichte im Stadtmuseum nachzuvollziehen. Denn in der „MäDn-Hauptstadt Amberg“, wie es die Initiatorin vom ausgelösten Brettspiel-Fieber liebevoll nennt, soll Schmidt gebührend gefeiert werden.

Brigitte Netta war sichtlich gerührt bei der Eröffnung der Dauerausstellung. Vom Erfolg, von der Hilfe der vielen Ehrenamtlichen und von den Stadt- und Landkreisbewohnern, die sich anstecken ließen. „Am Anfang, vor vier Jahren, stand die Frage an Stadtarchivar Johannes Laschinger: Wo ist das Geburtshaus von Friedrich Schmidt?“ Hartnäckig habe sich der Historiker auf die Suche gemacht. Und plötzlich kam der Stein ins Rollen: Hanna Regina Uber und Robert Diem kreierten die Gedenktafel für das Geburtshaus und der Stadtarchivar und Hannelore Zapf entwickelten einen Tourplan „Auf den Spuren von Joseph Friedrich Schmidt“. Bereits ein Jahr später folgte die Bepflasterung des Spiels im XXL-Format.

Zug um Zug gelang es der Amberger Bürgermeisterin eines der größten Ereignisse der Stadt zu organisieren: Der Weltrekord im Nicht-Ärgern mit 375 Spielfeldern und 1692 Teilnehmern. Die OTH Amberg-Weiden legte nach und bespielte das größte Feld mit 3816,145 Quadratmetern. Wieder ein Weltrekord. Vor kurzem legte Brigitte Netta nach und organisierte mit der Hilfe von abermals über 20 Ehrenamtlichen die 1. Inklusive Deutsche Meisterschaft im Amberger-Congress-Centrum. Nur aufgrund dieser Veranstaltung ließ die Lebenshilfe Amberg-Sulzbach den ersten Prototypen des Brettspiels für Menschen mit Beeinträchtigungen entwickeln. Die Spielfelder waren praktisch im Tisch integriert, damit die Grobmotorik mithalten kann und es auch Sehbehinderten leichter fällt, ihre Figuren zu platzieren.

Für Judith von Rauchbauer war es nur eine Frage der Zeit bis die Dauerausstellung konzeptioniert und für die Öffentlichkeit zugänglich ist. „Viele Stunden der Recherche, viele Einkäufe mussten getätigt und viele Gespräche geführt werden“, erzählt die Museumleiterin. Letztendlich ist auch dieses Werk vollbracht. Der Boden im ersten Stockwerk der Ausstellungsräume ist ein großes Spielfeld und zwei etwa 180 Zentimeter große Spielsteine bieten eine wunderbare Foto-Kulisse an. Von Postkarten, der Original-Version bis zum Mainzelmännchen und einer gläsernen Variante – die Geschichte und Spiele aus fernen Ländern sind so viel mehr als nur das erheiternde Brettspiel. Sogar der Klassiker von Gerhard Polt mit seinem Sketch von 1979 ist in Dauerschleife zu sehen: „Du bist dran, Malefiz, 'etz wird gwürfelt!“

Info:

Service

- Ausstellung: „Mensch ärgere dich nicht – Das beliebte Brettspiel für Jung und Alt“. Bis 13. Oktober 2024

- Ort: Stadtmuseum Amberg, Zeughausstraße 18, 92224 Amberg

- Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11-16 Uhr, Samstag/Sonntag 11-17 Uhr

- Kontakt: 096 21-101284

- E-Mail: stadtmuseum[at]amberg[dot]de

www.stadtmuseum-amberg.de

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