31.01.2020 - 13:29 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Musik als Freudenbringer

Das Ensemble "Sestetto Stradivari" zählt mit zu den interessantesten Klassik-Formationen. Jetzt kommt es für zwei Konzerte in die Oberpfalz - und unterschiedliche Programme mit dabei.

Das „Sestetto Stradivari“ – (von links) David Romano, Diego Romano, Raffaele Mallozzi, Sara Gentile, Marlène Prodigo, David Bursack – tritt in Amberg und Weiden auf. Alle Stücke des Programms liegen auch auf zwei CDs bei „Novantiqua“ vor.
von Peter K. DonhauserProfil

Eine der ältesten musikalischen Institutionen ist die "Accademia Nationale di Santa Cecilia" in Rom. Das traditionsreiche Orchester der Accademia ist unter Leitung von Antonio Pappano als Chefdirigent zu einem Orchester von Weltrang geworden. Sechs Musiker daraus haben sich 2001 zum "Sestetto Stradivari" zusammengeschlossen. Es spielen: David Romano und Marlène Prodigo (Violine), Raffaele Mallozzi und David Bursack (Viola), Diego Romano und Sara Gentile (Violoncello).
Ihr einzigartiges Zusammenspiel, geprägt von Harmonie und spürbarer musikalischer Leidenschaft, legte den Grundstein für eine zunehmend erfolgreiche internationale Karriere. Jetzt steht - auf Einladung der Weidener Meister-Konzerte und des Stadttheaters Amberg ein Doppel-Event klassischer Kammermusik mit dem" Sestetto Stradivari" aus Rom steht an : Am Donnerstag, 6. Februar (9.30 Uhr), im Stadttheater Amberg und am Freitag, 7. Februar (20 Uhr) in der Max-Reger-Halle Weiden.Die Kulturredaktion hat sich mit dem "Sestetto" unterhalten.

ONETZ: Viele Kammermusiker verweilen fasziniert bei der Besetzung Streichquartett. Was inspirierte Sie, sich auf Sextett zu spezialisieren?

Sestetto Stradivari: Anlass waren Konzerte mit Vorgabe dieser Besetzung bei der Internationalen Ausstellung „L’arte del Violino“ 2001 in Rom. Wir hatten die Ehre und das Glück, dort auf Instrumenten von Stradivari zu spielen. Man schlug den Namen „Sestetto Stradivari“ vor, der uns zu größeren und weiter greifenden Projekten inspirierte.

ONETZ: Stradivari ist also der Pate Ihres Ensembles – wie beeinflusst „Onkel Antonio“ Ihren Klang?

Sestetto Stradivari: Wir suchen immer nach einem „italienischen“ Klang, expressiv und vokal, nahe am Belcanto, selbst wenn wir die Meisterwerke deutscher Komponisten musizieren.

ONETZ: In Amberg stellen Sie von Brahms das 1. Sextett op. 18 in B-Dur dem „Souvenir de Florence“ op. 70 von Tschaikowsky gegenüber. Bedeutet das „deutscher Intellekt trifft russische Seele“?

Sestetto Stradivari: Beide Stücke sprühen vor Frische und Esprit, bei Brahms spielen wohl auch das jugendliche Alter (27) und die Fülle grandios erfundener Themen eine Rolle. Bei Tschaikowsky bewundern wir seine Begabung, Melodien der russischen Folklore mit italienischer Sanglichkeit zu verbinden – eine Verneigung vor der Musik unseres Landes.

ONETZ: In Weiden hören wir das 2. Sextett op. 36 von Brahms, wie hat sich sein Stil in diesen vier Jahren verändert?

Sestetto Stradivari: Brahms spielt nun mit allen Möglichkeiten, sechs Instrumente zu gruppieren: 3+3 oder 2+2+2, beides kontrastierend oder kumulierend, Dopplung der Violine durch das Cello, orchestrale Effekte, sechsstimmige kontrapunktische Passagen. Lange Zeit trug es den (zweifelhaften) Beinamen „Abschiedssextett“ oder „Agathe-Sextett“. Sie war die Professoren-Tochter Agathe von Siebold (Göttingen). 1859 brach Brahms die Beziehung abrupt ab: „Ich liebe dich, kann aber keine Ketten tragen“. 1864 sagte er über das Sextett: „Hier löste ich mich von meiner letzte Liebe“.

ONETZ: „Verklärte Nacht“ op. 4 von Schönberg ist ein legendäres Juwel. Nun treffen wir wirklich auf Programm-Musik, die sich auf ein Gedicht von Richard Dehmel bezieht. Wie beeinflusst dieses Ihre Interpretation?

Sestetto Stradivari: Die Musik folgt den Versen und den fünf Aspekten der Dichtung ohne kleinlich-engstirnige Schulmeisterei, aber auch ohne Naturmalerei. Die beiden Personen im Mondlicht, das Bekenntnis der Frau und ihre Bestürzung, die noblen Worte des Mannes, die Umarmung, die abschließende Abgeklärtheit. Die Musik kann Dichtung davor bewahren, Worte und Gefühle zu verflechten. Sie beleuchtet das dramatische Geschehen und die innere Anteilnahme des Erzählers wie des Betrachters.

ONETZ: Richard Strauss schrieb das Capriccio op. 85 im Jahr 1942, während des 2. Weltkriegs, Jahre nach der 12-Ton-Musik von Schönberg. Harmonik, Klang: Traditionell, überraschend, schockierend?

Sestetto Stradivari: Musik ist für uns immer ein Freudenbringer, eine Überraschung, wir spielen sie jeden Tag als wäre sie völlig neu für uns.

Sestetto Stradivari

Info:

Service

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und www.nt-ticket.de sowie an der Abendkass.e

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