15.03.2019 - 16:21 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Nötig ist eine offizielle Suchmeldung

Wenn ein Mädchen von einem Moment auf den anderen verschwindet, dann machen sich nicht nur Eltern und Angehörige Sorgen. Journalisten sollten dennoch nicht der Versuchung erliegen, gleich großes Kino zu fahren.

Immer wieder kommt es vor, dass Eltern über Facebook nach ihrer vermissten Tochter oder dem vermissten Sohn suchen.

Etwas mehr als ein Jahr ist es nun her, dass unser Onetz-Team wegen eines Vermisstenfalls heftig zwischen die Facebook-Mahlsteine geriet. Angefangen hatte alles mit dem Suchaufruf der Mutter einer 16-Jährigen. Die Onetz-Kollegen berichteten darüber - ohne Foto des Mädchens. Das und in dem Onetz-Beitrag wiedergegebene Anmerkungen eines Polizeisprechers, dass die Mutter vielleicht "etwas übers Ziel hinausgeschossen" sein könnte und die Tochter wahrscheinlich nur ausgebüxt sei, sorgten für heftige Reaktionen auf Facebook. Eine lautete unter anderem: Für die Mutter seien dieser Artikel und die Aussage des Beamten "ein Schlag ins Gesicht".

Zur Verdeutlichung: Es gab damals aus guten Gründen keine sogenannte Öffentlichkeitsfahndung der Polizei mit dem Bild der 16-Jährigen. Die Mutter suchte jedoch mit mehreren Posts nach ihrer Tochter. Bei der zuständigen Polizeidienststelle lag zwar eine Vermisstenmeldung vor. Allerdings hatten die Beamten "keinerlei Anhaltspunkte" dafür, dass das Mädchen Opfer einer Straftat geworden sein könnte. Daher lief die Suche auch nicht öffentlich, sondern nur polizeiintern. Nach ihrem Verschwinden war die 16-Jährige nochmals gesehen worden. Nach einigen Tagen teilte die Mutter schließlich mit, dass die Jugendliche wieder zu Hause sei.

Am vergangenen Wochenende nun gab es auf Facebook erneut eine Vermisstenmeldung. Verwandte hatten sie dort veröffentlicht. Eine 14-Jährige war am Samstagnachmittag von einem Einkauf nicht zurückgekehrt. Ihre Mutter wandte sich deshalb am Abend an die Polizei, die ging an die Öffentlichkeit mit einem Bild der Gesuchten, Oberpfalz-Medien griff das auf und berichtete. Am Sonntag um 20.30 Uhr informierte die Schwandorfer Polizei, dass das Mädchen gefunden worden sei. Man habe es gegen 19.30 Uhr im Bereich Bad Kötzting aufgegriffen. Die 14-Jährige sei wohlauf. Das Polizeipräsidium Oberpfalz bedankte sich im Namen der Polizeiinspektion Schwandorf für die zahlreichen Hinweise aus der Bevölkerung, von denen letztlich einer zum Aufgreifen des Mädchens geführt habe.

"Immer wieder suchen Eltern via Facebook nach ihrer vermissten Tochter oder dem vermissten Sohn", bestätigt Thomas Webel, bei Oberpfalz-Medien Leitender Redakteur Digitales. Solche Beiträge würden aus nachvollziehbarer Sorge von vielen Menschen geteilt. In der Folge verbreite sich die Nachricht rasend schnell per Schneeballsystem.

"Diese Fälle", erläutert Webel, "werden regelmäßig auch an die Redaktion von onetz.de herangetragen mit der Bitte, man möge die Meldung bringen und ebenfalls auf Facebook verbreiten." Doch so leicht sei die Sache nicht. Denn "auch Jugendliche haben ein Recht am eigenen Bild. Über das kann man sich nicht einfach hinwegsetzen." Was wäre denn, so gibt Webel zu bedenken, wenn zum Beispiel eine 16-Jährige nach einem Streit daheim aus völlig freien Stücken zu einem Freund oder einer Freundin gegangen ist?

Die Redaktion von onetz.de habe sich deswegen folgende klare Regel gegeben: "Erst wenn die Polizei eine offizielle Suchmeldung rausgibt, überwiegt die Sorge um das Wohlergehen der oder des Vermissten. Dann veröffentlichen wir die Suchmeldung und dazu das Foto. Das Bild geht dann aber auch sofort wieder aus dem Netz, wenn der junge Mensch gefunden ist."

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