30.08.2018 - 18:04 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Die Oberpfalz bei Airbnb

Seit 10 Jahren gibt es die "Mitwohnzentrale" Airbnb. Und der Trend geht aufs Land: Davon könnte die Oberpfalz profitieren, findet der Oberpfälzer Tourismus-Verband, andere sehen die Entwicklung eher skeptisch.

Auch in Weiden finden sich auf Airbnb Angebote in bester Lage.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

(msh) Auch tief im Landkreis Schwandorf begegnen den Einheimischen schon mal dänische oder holländische Touristen. Allerdings übernachten die oft nicht mehr in Hotels und Gasthöfen, sondern bei Privatleuten. Mit Plattformen wie Airbnb kann jeder zum "Hotelier" werden. Das nutzt auch Monika Bugl, die bei Nabburg ein kleines Häuschen anbietet. "Wir haben es damals renoviert und dann durch Freunde von Airbnb erfahren", erinnert sie sich. Seitdem ist das kleine Häuschen vor allem im Juli und August ausgebucht.

In Deutschland werden rund 130 000 Unterkünfte auf Airbnb angeboten, 21 000 davon in Bayern. "Viele Gastgeber in Bayern vermieten ein Zimmer oder sogar ihre eigene Wohnung, beispielsweise wenn sie selbst im Urlaub sind", teilt das US-Unternehmen auf Nachfrage mit. Tatsächlich bemerkt Airbnb einen Trend in Richtung ländlicher Regionen. Auf der Webseite wird mit Übernachtungen in Schlössern und Baumhäusern geworben. "Bayern ist mit seiner facettenreichen Kultur und vielfältigen Landschaft ein attraktives Reiseziel, das auch auf Airbnb ein stetiges Wachstum erfährt. Dabei reisen die Gäste auch immer mehr in ländliche Gegenden, außerhalb der Großstädte", lautet die Einschätzung des Unternehmens.

Mit den Postkarten-Landschaften der Voralpen kann die Oberpfalz noch nicht mithalten. Dennoch finden sich für die Regionen um Weiden und Amberg 2018 jeweils etwa 50 Inserate auf der Online-Plattform. In Regensburg waren es im Januar 2018 bereits 330. "Gäste buchen bei uns, weil sie ein authentisches Reiseerlebnis suchen und in die lokale Kultur vor Ort eintauchen wollen. Viele Familien nutzen die Plattform, weil sie hier oft gut ausgestattete Wohnungen anderer Familien mit Kindern vorfinden. Die Gastgeber tragen dazu bei, dass Reisende Bayern noch authentischer erleben, vor allem auch außerhalb der touristischen Zentren (...)." Dadurch könnten auch die ländlichen Regionen profitieren, fasst ein Sprecher des US-Unternehmens zusammen.

Dazu tragen Gastgeber wie Monika Bugl bei: "Wir wollen die Leute schon kennenlernen und nicht einfach nur den Schlüssel hinterlegen. Viele sind dann auch dankbar für Ausflugtipps." Probleme hatte sie mit ihren Mietern bisher noch nicht. "Dass mal ein Handtuch oder ein Löffel mitgenommen wird, kommt vor, aber es gibt sogar einige die vor der Abreise selbst putzen", sagt sie.

Damit auch wirklich nur Leute auf die Anzeige stoßen, die Monika Bugl auch in ihrem Häuschen haben will, gibt es bei Airbnb verschiedene Auswahlmöglichkeiten. "Wir haben zum Beispiel angegeben, dass wir keine Party oder auch Hunde erlauben. Zudem schauen wir uns schon die Bewertungen des Interessenten an", erklärt sie. Denn die Bewertungen gehen bei Airbnb in beide Richtungen: Nicht nur der Gast darf seinen Gastgeber und die Unterkunft bewerten, sondern auch andersherum.

Für Hotels und Gasthöfe ist die Online-Plattform eine Herausforderung. "Das Problem ist einfach, dass die Wettbewerbsgleichheit nicht gegeben ist", moniert Gerhard Engelmann, Geschäftsführer des Fachbereichs Hotellerie in Bayern vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (BHG). Die Online-Anbieter unterliegen beispielsweise nicht den hohen Hygiene- und Brandschutzvorgaben. "Es müsste eine Registrierungspflicht geben, alleine schon wegen des Verbraucherschutzes und den steuerlichen Pflichten", fordert Engelmann. Er kennt die Zahlen: In Europa werden inzwischen 20 Millionen Unterkünfte online angeboten, dem gegenüber stehen 13 Millionen Hotelbetten. "Wir wehren uns nicht gegen eine Konkurrenzsituation, aber durchaus gegen unlautere Konkurrenz", erklärt er.

Einen anderen Ansatz verfolgt der Tourismusverband Ostbayern. Der betreibt eine Plattform, auf der Unterkünfte zum Beispiel auf großen Buchungsportalen angeboten werden. "Das wollen wir ausbauen und bis 2019 auch Airbnb anschließen", gibt Michael Braun als Ziel aus. "Eine Unterkunft, die nicht online angeboten wird, wird heutzutage eben einfach nicht mehr gefunden", lautet sein Fazit.

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