Amberg
24.09.2018 - 22:57 Uhr

Schlagabtausch am Wahl-Grill

Fahrverbote, Polizei-Aufgabengesetz, Öffnungszeiten, Sachleistungen für Asylbewerber: Am 14. Oktober wird gewählt. Deshalb sagen die Kandidaten aus Amberg-Sulzbach am Grill von Oberpfalz-Medien ihre Meinung zu verschiedenen Themen.

Vor dem Grill und vor der Wahl: Die Kandidaten (von links) Harald Schwartz (CSU), Alexandra Sitter (FW), Markus Hochholdinger (FDP), Markus Mrozek (Bayernpartei), Wolfgang Berndt (Linke) und Uwe Bergmann (SPD). Bild: jrh
Vor dem Grill und vor der Wahl: Die Kandidaten (von links) Harald Schwartz (CSU), Alexandra Sitter (FW), Markus Hochholdinger (FDP), Markus Mrozek (Bayernpartei), Wolfgang Berndt (Linke) und Uwe Bergmann (SPD).

(juh/jrh) Vier Wahlkreise, vier Grill-Partys - in den folgenden Tagen diskutieren wir mit den Kandidaten in Amberg, Schwandorf, Tirschenreuth und Weiden am Grill. Beim Auftakt stellen sich die Politiker des Stimmkreises Amberg-Sulzbach vor.

Harald Schwartz (CSU): "Familie, große Kanzlei, Politiker - "das ist wahnsinnig schwierig zu vereinbaren. Aber machbar", erzählt der 49-jährige gebürtige Bad Kötztinger. In der dritten Klasse kommt er mit seiner Familie in die Region, die er heute als seine Heimat bezeichnet. "Mein Vater war Tankwart, hat sehr spät Lehramt studiert und ist Pädagoge geworden - deshalb der Umzug." Auch, wenn die Wahlprognosen für die CSU nicht rosig sind, vertraut Schwartz auf die "kollektive Intelligenz der Menge". "Am Ende werden Sachargumente und wahre Werte zählen", ist der leidenschaftliche Klavierspieler überzeugt.

Uwe Bergmann (SPD): "Des hat ma scho so drin - wie man so schön sagt. Großvater SPD-Bürgermeister, Vater Parteimitglied", erinnert sich der 41-jährige Pädagoge an seinen Eintritt in die SPD 1995. Berufsbedingt liegt ihm vor allem das Bildungssystem am Herzen - und da gebe es Handlungsbedarf. "Das R6 - die Einführung der sechsstufigen Realschule - war einer der größten Fehler. Wir müssen den Druck von den Kindern nehmen. Nicht jeder muss studieren. Es muss endlich wieder in die Köpfe: Das Handwerk hat goldenen Boden - nur das Ansehen fehlt leider."

Alexandra Sitter (Freie Wähler): Familienpolitik mit Herz und ein menschenwürdiger Umgang mit Asylsuchenden - Werte der Freien Wähler, mit denen sich die Bürgermeisterin von Ammerthal und zweifache Mutter "absolut identifizieren" kann. Auch, wenn sie während der vier Jahre in der Schweiz noch ein Kind war - "die demokratischen Strukturen beeindrucken mich noch heute. Egal, worum es geht, der Bürger darf mitentscheiden", betont Sitter, die so gut wie nie ohne ihren I-Pod anzutreffen ist. "Musik, da kann ich abschalten."

Markus Hochholdinger (FDP): "Mitreden statt nur zusehen" will der 23-jährige Medientechnikstudent mit einem Hang zum harten Metall. Doch nicht nur in seinem Studium setzt er auf Technik. "Wenn Bayern seine digitale Infrastruktur ausbaut, kann der Freistaat nur gewinnen. Das reicht bis in die Wirtschaft hinein. Deshalb wollen wir verlängerte Öffnungszeiten - um den regionalen Einzelhandel zu unterstützen."

Markus Mrozek (Bayernpartei): 16 Meter Theke und ein großer Biergarten sind der Stolz des 45-jährigen Inhabers einer Pilsbar. Genau das Richtige für den Amberger, "der schon immer gern mit Menschen zu tun" hatte. Durch das Rauchverbot habe er zur Bayernpartei gefunden. Der "Familienmensch", der die "seltene Freizeit gerne im Wald verbringt", fordert eine "geordnete Flüchtlingspolitik - Ausweis, Integration, Asyl auf Zeit".

Wolfgang Berndt (Die Linke): Seit jungen Jahren Gewerkschaftler mit einer Vorliebe für Schach - und Bedienungen. "Vor 30 Jahren habe ich meine Lebensgefährtin in einem Wirtshaus in Sulzbach-Rosenberg kennengelernt", erzählt Berndt, der auch mit 68 Jahren "nicht müde wird, neue Wege zu gehen". Einer führte den Rentenberater, der für faire Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit kämpft, kürzlich vor die Kamera - als Statist im Kinofilm "Wackersdorf".

Klaus Ebenburger (Die Grünen): Der 68 Jahre alte Reisemediziner bedauert in seinem Leben nur eines: "Dass ich zu spät in die Politik und dann zu spät zu den Grünen ging." Der spät berufene Amberger sieht eine Restchance für den Einzug in den Landtag: "Jürgen Mistol ist gesetzt, danach entscheidet das beste Stimmenergebnis." Ebenburgers politische Philosophie: "Gesunde Lebensmittel ohne Gift, eine saubere Luft - bei existenziellen Grundlagen gibt es keine Kompromisse." Deshalb will der Grüne keine Koalition mit der CSU: "Allenfalls dulden und dann sollen sie schauen, was sie durchbringen."

Die Positionen der Parteien

Sollen in bayerischen Städten Fahrverbote verhängt werden – und wenn ja/nein, warum (nicht)?

Uwe Bergmann (SPD): „Zeitlich begrenzt ab 2025, für Taxis und Handwerk ab 2030.“

Alexandra Sitter (Freie Wähler): „Ich bin überhaupt nicht dafür, da ist die Autoindustrie in der Pflicht.“

Markus Hochholdinger (FDP): „Nein. Man bestraft damit Bürger und Mittelstand.“

Markus Mrozek (Bayernpartei): Ich bin auch dagegen. Ich bin der Meinung, dass Diesel der sauberste Kraftstoff ist. Das wird kippen, wenn man merkt, was die Entsorgung von Batterien bedeutet.“

Wolfgang Berndt (Linke): „Im Zentrum ja, in den Außenbereiche nein.“

 

Sollen in bayerischen Behörden Kreuze im Eingangsbereich bleiben – warum oder nicht?

Bergmann: „Als verpflichtendes Element ist es nicht angebracht. Sogar die Kirche war dagegen.“

Sitter: „Ich habe es selbstverständlich hängen, aber ich lasse mir nichts vorschreiben und habe mich geärgert.“

Hochholdinger: „Ich bin für die die Trennung von Staat und Kirche, das ist typische CSU-Politik.“

Mrozek: „Ich bin dafür, kenne es nicht anders – wir sollten Christen bleiben.“

Berndt: „Ich bin für strikte Trennung von Staat und Kirche.“

 

Sollen Geschäfte in Bayern werktags auch nach 20 Uhr geöffnet haben dürfen?

Bergmann: „Ich denke, so wie es jetzt ist, ist es mehr als genug – im Interesse der Beschäftigten.

Sitter: „Warum nicht, wenn es im Einklang mit den Beschäftigten geschieht – gerade bei jungen Start-ups. Aber nicht an Sonntagen.“

Hochholdinger: „Die Geschäfte sollten das entscheiden, dadurch entstehen neue Stellen.“

Mrozek: „Ich bin dagegen, das entscheidet eh nur der Chef.“

Berndt: „Ich bin generell dagegen als Gewerkschafter. Es gibt Ausnahmen genug wie Bahnhöfe und kleine Geschäfte profitieren eh nicht nur die Zentren.“

 

Sollen Asylbewerber weitgehend Sachleistungen statt Geld erhalten?

Schwartz: „Auf alle Fälle, Bayern hat versucht, das durchzuziehen. Dabei sind Geldleistungen für die Verwaltung einfacher, aber dadurch entstehen Anreize. Das notwendige Minimum ist in anderen Bereichen der Welt ein veritables Einkommen.“

Bergmann: „Wenn man Wert auf Integration legt, sollten sie die Gepflogenheiten bei uns lernen – und sie geben das Geld ja auch bei uns aus.“

Sitter: „Ich bin für Sachleistungen in den ersten fünf Jahren und für eine ideologiefreie Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Schutz für Menschen aus Kriegsländer ist eine Selbstverständlichkeit. Auch in der Gemeinde Ammerthal mit rund 50 Flüchtlingen hat sich bewahrheitet, dass Integration auf dem flachen Land klappen kann. Zwei Syrische Flüchtlinge hätten am Liebsten das Geld wieder zurückgegeben, weil sie stattdessen lieber Blöcke für den schnellen Erwerb der deutschen Sprache hätten.“

Hochholdinger: „Wir sind für Sachleistungen, wir sehen dadurch keine Diskriminierung.“

Mrozek: „Sachleistungen sind o.k., entscheidend ist aber, dass Asyl immer auf Zeit ist. Die Leute sollen irgendwann ihr Land aufbauen.“

Berndt: „Jeder Mensch hat Anspruch auf gleiche Behandlung. Als IG-Metaller gibt es da für mich eine klare Grenzziehung.“

 

Soll Bayern einen dritten Nationalpark erhalten?

Schwartz: Das ist Grundsätzlich eine gute Idee, aber im Augenblick fehlt das geeignete Areal. Gegen den Willen der Bürger und Waldbesitzer wollen wir das nicht durchsetzen.“

Bergmann: „Ich kann mich damit anfreunden, das kann ein touristischer und wirtschaftlicher Magnet werden.“

Sitter: „Die Proteste, die sich schnell mal entwickeln, beruhen leider oft auf Fehlinfos in den Sozialen Medien. Richtig erklärt, kann das Mehrheiten finden.“

Hochholdinger: „Ich sehe keine Gründe dagegen.“

Berndt: „Wenn es passt, warum nicht?“

 

Stichwort Grenze und Terror – braucht die Polizei mehr Befugnisse oder schießt das Polizei-Aufgabengesetz über das Ziel hinaus?

Schwartz: „Wenn man es lesen mal würde, nicht die Tertiärliteratur, dann sieht man, es passt und war überfällig. Bei der Kritik bleibt dir die Spucke weg. Da werden Sachverhalte falsch widergegeben, wie die Behauptung „Eingesperrt ohne Richter“ – das stimmt zwar nicht, steht aber auf den Plakaten. Das ist eine Facebookisierung der Diskussion.“

Bergmann: „Ich habe Bedenken, dass man das so mit der Brechstange durchziehen muss – die Überprüfung durch das Verwaltungsgericht ist sinnvoll. Bayern ist sicher, warum brauchen wir das? Ich bin für mehr Polizisten, weniger Kavallerie.“

Sitter: „Warum hat man sich nicht besser mit der Datenschutzgrundverordnung beschäftigt? Die Arroganz, mit der die CSU das durchgedrückt hat, provoziert Widerstand. Warum spricht man nicht mit den anderen Fraktionen?“

Hochholdinger: „Ich sehe das sehr kritisch, der Begriff „drohende Gefahr“ ist nicht klar definiert, deshalb haben junge Liberale mit protestiert.“

Mrozek: „Ich sage so, Polizisten haben schweren Stand, gerade, wenn sie mit einer Kollegin unterwegs sind. Die Polizei muss präsenter sein.“

Berndt: „Ich kenne Leute in Nürnberg, die werden jetzt überwacht, weil sie bei Demos dabei waren.“ Grüne, Linke und die FDP haben zusammen eine Normenkontrollklage erhoben. Auch in der GDP sind viele dagegen.“

 

 

Solo-Interview mit dem Grünen Feinschmecker Klaus Ebenburger
„Entweder wird die CSU grün oder sie macht ihren Mist alleine“

Amberg. Grünen-Kandidat Klaus Ebenburger hat eine fast blütenweiße Amberger Weste. Fast, denn geboren ist der Reisemediziner in Passau: „Drei Wochen später sind meine Eltern mit mir nach Amberg umgezogen.“ Froh ist der meinungsstarke Oberpfälzer mit niederbayerischem Migrationshintergrund, dass er sein Medizinstudium in Düsseldorf absolvierte: „Die rheinische Mentalität ist nicht schlecht“, freut er sich über seinen angelernten Optimismus, „und die Toleranz ist ähnlich wie bei uns in Bayern.“

Beim Wahl-Grillen der Oberpfalz-Medien, das er wegen einer Stadtratssitzung mit preußischem Pflichtbewusstsein verlassen musste, ehe das erste Grillgut brutzelte, brachte der passionierte Koch genug Delikatessen für alle Kollegen mit.

Herr Ebenburger, was haben Sie uns mitgebracht und was sind Sie für ein Ernährungstyp?

Ebenburger: Ich habe da ein T-Bone-Steak, einen griechischen Salat und eine Flasche Rotwein – für mich Wasser, ich muss noch in den Stadtrat. Eigentlich wollte ich noch ein Kartoffelgericht machen, aber jetzt hat's nur noch für ein paar Brezen gereicht.

Ernähren Sie sich als Arzt besonders gesundheitsbewusst?

Ebenburger: Ich habe immer gegessen, was mir schmeckt. Gerne Obepfälzer Kost selber gemacht. Die meisten Schweinebraten, die man in den Wirtshäusern bekommt, sind nicht gut, sind schlecht gewürzt. Auf die Kruste kommt es an, ich nehme Löwensenf oder Dijon, je nach Richtung verschiedene Kräuter, alles schön durchfeuchten, salzen, pfeffern – die muss 3 bis 4 Zentimeter haben, die Kruste. Da bekommen Sie einen Schweinebraten, da stehen Sie Kopf.

Ablöschen können Sie ihn mit Wasser oder dunklem Bier, sogar mit Sherry. Im Gegensatz zur inzwischen üblichen Methode lasse ich ihn nicht 7 Stunden bei 50 Grad, sondern eine halbe bei 150 Grad schmoren, dann kommt er raus, wird in eine Alufolie eingewickelt, noch eine halbe bis eine Stunde nachgaren, dann ist er durch, aber nicht trocken. Sie können ihn auch mediterran zubereiten mit einer Olivenpaste, die schmeckt auch bei Rehkeule vorzüglich. Mit Fantasie bieten sich da unendlich viele Möglichkeiten... 

Immer nur bayerisch?

Ebenburger: Ich koch‘ auch gern italienisch. Bei der Pasta ist ganz wichtig, es so zu machen wie die Neapolitaner, die kochen die Nudeln nicht in Wasser, sondern lassen sie in Sauce ziehen, weil sie so viel intensiver schmeckt. In die Sauce kommen bei mir fast immer Oliven, Tomaten, Schafskäse oder Parmesan. Auch ein Risotto mit Meeresfrüchten ist was Feines.  Ich genieße das, was ich mache – das gilt für meinen Job und, wenn ich Zeit und Muße habe, koche ich gerne und esse das Ergebnis.

Und genießen Sie auch die Politik?

Ebenburger: Mich haben schon oft Freunde gefragt, warum tust du dir das an? Gerade in Zeiten von Dandorfer und Storck, da wurde ich auch von eurer Zeitung  beschossen, aber das macht mir nichts aus. Für mich ist Politik mehr als Hobby, das würde ihrer Bedeutung nicht gerecht. Es gibt zu viele ungeeignete Menschen in der Politik, Leute, denen es überhaupt nicht um die Stadt, das Land geht, sondern darum, sich aufzuspielen. Mein Lieblingsleitsatz ist J.F. Kennedys: „Frage dich, was du für dein Land tun kannst...“

Sie betreiben eine Praxis für Reise- und Impfmedizin – können wir daraus schließen, dass Sie ein Abenteurer sind oder eher, dass Sie sich für andere Kulturen interessieren – oder beides?

Ebenburger:  Beides. Ich bin ja auch ein normaler Hausarzt, aber meine Spezialität sind Reise- und Tropenmedizin. Ich bin auch selbst gerne unterwegs.

Was ist das Besondere an Reisemedizin?

Ebenburger: Man legt besonderen Wert auf die Prävention. Ich mag es nicht, wenn Patienten ihre Krankheit wochenlang verschleppen, und ich soll sie dann heilen. Bei der  Reisemedizin bemüht man sich, den Menschen gesund zu erhalten, nicht zu warten, bis er krank wird.

Sie kommen auch außerhalb von Europa viel rum an Orten, von denen Menschen zu uns flüchten. Sind Sie optimistisch, dass sich Fluchtursachen vor Ort bekämpfen lassen?

Ebenburger: Die Gründe für die verspätete Entwicklung in vielen Ländern liegen hunderte Jahre zurück. Die dummen Pegida-Leute wissen das nicht, auch wir Deutsche haben die Situation durch Kolonialismus mit verursacht – etwa mit der Herero-Verfolgung in Namibia. Ob die Belgier im Kongo, die Franzosen in Nordafrika, die Engländer fast überall, letztendlich haben die Europäer eine riesige  Verantwortung für den afrikanischen Kontinent. Auch heute wird Entwicklungshilfe noch so gesehen, dass sie der eigenen Wirtschaft helfen muss, das ist falsch und greift zu kurz. Wir exportieren Milchpulver und machen die dortige Milchwirtschaft kaputt.

Es gibt aber auch sinnvolle Hilfestellungen, wo auch die OTH Amberg beteiligt ist, zum Beispiel an Sonnenöfen, mit denen Sonnenenergie gebündelt wird, und man Feuer machen kann, ohne den Wald zu roden. Und man darf nicht die Potentaten unterstützen. Es war Giscard d'Estaings Untergang, dass er Bokassa unterstützte, und der ihm zum Dank eine Kiste Diamanten schickte. Letztlich ist es immer so auf der Welt, dass sich die explodierende Bevölkerung nur verringert, wenn es den Menschen besser geht. Das ist die einzig wirksame Methode gegen Überbevölkerung: Europa stagniert, die Entwicklungsländer explodieren.

Sie wollen ein gesundes Bayern, Nahrungsmittel ohne Gift, Luft ohne Feinstaub, weniger  Flächenverbrauch – das Leben soll gesünder werden. Warum erreicht man mit solchen Themen in erster Linie Akademiker?

Ebenburger: Da sind wir in einer Zwickmühle, die Menschen wollen nicht bevormundet werden, sie müssen es selbst erkennen. Das ist wie in der Medizin, ich kann nicht diktieren, was der Patient machen darf. Er muss verstehen, was notwendig, was gut ist für ihn. Wenn einer es nicht versteht, weil er andere Sorgen hat, erreicht man nichts. Der wird sich niemals für Umweltschutz begeistern. Zwischen Ökologie und Ökonomie darf kein Oder stehen. Deshalb ist so wichtig, dass man die Menschen aufklärt, zum anderen dafür sorgt, dass es allen so gut geht, dass sie sich damit befassen können.

Es gibt eine sehr starke Bewegung, manche nennen es auch Blase, die sich vehement, andere sagen unverschämt, gegen Gutmenschen, political correctness, das Vorschreiben eines Lebensstils etwas weniger Fleisch, Rauchverbot wehren. Was sagen Sie denen?

Ebenburger: Gerade Menschen, die ein geringes Selbstwertgefühl haben, erleben Bevormundung als Kränkung. Dann entsteht eine Frustrationsaggression wie bei Pegida, bei der Leute mitlaufen, die im Gefühl leben, sie seien zu kurz gekommen, wie ein kleiner Hund, der geprügelt wurde. Sie haben Angst und beißen. Sie haben in der Regel eine miese Bildung. In der  Weimarer Zeit waren der Sündenbock die Juden, heute sind es die Ausländer. Wer mit seiner Situation klar kommt, hat genügend Selbstwert. Leute, die mit Scheuklappen durchs Leben gehen, denken nicht breit.

Fürchten Sie, dass wir Weimarer Verhältnisse bekommen?

Ebenburger: Wenn wir eine Wirtschaftskrise bekämen, dann sähe es anders aus. Deutsche sind Schönwetterdemokraten. Ob jeder im Herzen lupenreiner Demokrat ist, weiß ich nicht, aber die meisten haben begriffen, es ist die beste Lösung. Das wird vorübergehen. Schlimm ist, wenn die Frustration aus der Politik selbst befeuert wird, wie Seehofer das macht. Der ist wie ein trotziges Kind, ja ein Behandlungsfall.

Die Grünen könnten zweitstärkste Kraft in Bayern werden, wohl auch, weil Menschen immer weniger mit der Kompromisskultur der Volksparteien leben können – eine Regierungsperspektive wird es wohl trotzdem nicht geben, oder glauben Sie, die CSU springt über ihren schwarzen Schatten?

Ebenburger:  Es geht nicht darum, was die CSU macht. Ich bin absolut dagegen. Die CSU müsste auf unsere Positionen einschwenken. Es gibt keinen Kompromiss in existenziellen Fragen. Es genügt nicht, wenn die Luft zu 100 Prozent verdreckt ist, sie auf 89 Prozent zurückzuführen. Es nützt nichts, ein wenig Gift aus den Nahrungsmitteln zu nehmen. Entweder wird die CSU grün (vor Ärger?) oder sie macht ihren Mist alleine, und dann wird man sehen, was man ihr durchgehen lässt. Bei uns ist der große Vorteil, dass es breite Diskussionen gibt, letztlich auch eine Mitgliederabstimmung. Ich hoffe, dass die Mehrheit gegen eine Koalition stimmt.

Wie beurteilen Sie Ihre eigenen Chancen?

Ebenburger: Das werde ich oft gefragt. Wir werden zwei Leute rein bekommen. Jürgen Mistol auf Listenplatz 1 ist gesetzt. Beim zweiten wird sich zeigen, wer am besten abschneidet. Es kommt nicht auf die Platzierung auf der Liste an, es zählen beide Stimmen. Amberg ist ein schwerer Stimmkreis, sehr schwarz. Aber der Zuspruch ist gewaltig. Ich erfahre eine Welle der Sympathie, gerade von CSU-Mitgliedern, die sagen, „ich halte es bei meiner Partei momentan nicht mehr aus, ich werde Sie wählen“.

Verraten Sie uns eine geheime Leidenschaft?

Ebenburger: Die größte Leidenschaft ist das Segeln, ein unglaubliches Glücksgefühl. Man fährt erst ein paar Meilen unter Maschine, dann schaltet man sie ab. Da geht das Herz auf.

Ihr größter Fehler?

Ebenburger: Ich bin zu spät in die Politik gegangen und zu spät zu den Grünen.

Ihre beste Eigenschaft?

Ebenburger: Ich bin authentisch, ich kann mich nicht verstellen. Wenn ich jemanden wirklich mag, merkt er das. Oder er ist ein blöder Hund, dann merkt er das auch (lacht und geht zur Stadtratssitzung).

 
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