20.01.2019 - 13:25 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Seids freindlich mitanand!: Hans Söllner im Amberger ACC

Er ist der bayerische Widerstandskämpfer, der Ungerechtigkeiten-Anprangerer und ein gottlobende Danksager: Hans Söllner erzählt über seine erste Gerichtsverhandlung und besingt das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen im ACC.

„Und heut', heut' stehn wir am Odeonsplatz und singen "Blowing in the Wind". Mit tausend anderen stehen wir umanand, die auch für den Frieden sind.“ Der Pazifist mit Wunsch nach einer basisdemokratischen Anarchie wendet sich mit „Hey, Staat“ direkt an die Spitze.

„Neid.“ Das ist seine Antwort auf die Gründe vieler Miseren auf dieser Welt. „Das fängt ja schon im Dorf an, wenn der eine dem anderen, den Parkplatz nicht vergönnt“, ärgert sich Hans Söllner im Interview. Es weite sich über soziale Schichten und Grenzen hinaus und nimmt Formen der Ausbeutung an bis es zum Tod von Menschen im Krieg kommt. „Und da san die Mitläufer, die, die des ausführen, wozu andere aufrufen, des san die Schlimmsten.“ Er plädiert dafür, Eigenverantwortung zu übernehmen und weniger die Schuld bei anderen zu suchen. Keine Macht der Hetze und Gewalt – jeglicher Art, egal von wem ausgehend.

Keineswegs ist er wütend – Hans Söllner ist ein Liebender, mit einer aufrechten Definition des Wortes. Tiefgründig, ehrlich und urkomisch ist der Oberbayer, den Ungerechtigkeiten ganz narrisch machen. Zum Beispiel, wenn einem 15-Jährigen das Leben versaut werde, nur weil er einen Joint geraucht haben soll. „Ich glaube ja, die (Politiker) müssen mitziehen. In den nächsten sieben Jahren, kann sich die Legalisierung von Marihuana durchgesetzt haben“, spekuliert Söllner. Diese Kriminalisierung des Gebrauchs einer Nutzpflanze sei befremdlich. Vor allem aber die Bevormundung, was ein in Deutschland lebender und gesetzestreuer Bürger mit seinem eigenen Körper machen darf, nervt den Liedermacher. Die Gitarre diene ihm nur und immer noch als musikalisches Hilfsmittel, damit er keine Gedichte aufsagen müsse. Das Repertoire an Fingerfertigkeit nahm aber im Laufe der letzten Jahren mit zwei weiteren Akkorden zu. Herzlich lacht er laut auf.

Völlig unspektakulär betritt er die Bühne. So auch seine gesamte Darbietung. Authentisch und lebenserfahren macht er keinen Hehl aus seinen Schicksalen und Glücksmomenten. So zählt Söllner sein scheinbar begrenztes musikalisches Können zu einem seiner größten Erfolge. „I hob moi so a Computerprogramm meine Lieder ausrechnen lassen. Und des sogt, i hätt nur 13 Songs gschriebm – besser kanns goar ned laffa. Immer die gleichen Melodien und koana merkt's!“ Er lacht, das Publikum lacht mit und applaudiert. Die Sichtweise einer Situation macht's aus. Er lässt es sich nicht nehmen, über die letzten CSU-Ereignisse zu frotzeln und widmet zum Einklang dem Freistaat sein erstes gesangliches Stück. „Mia san no so richtige Bayern“ wurde 1989 erstmals veröffentlicht und ist immer noch aktuell - eine zynische Liebes-Hyme. „Auf gute Nachbarschaft“ und Publikumsliebling „Mei Vodda“ lässt er an diesem Abend nicht aus.

Sitzend unterhält er seine Besucher über zwei Stunden ohne Pause und sättigt damit deren kulturelle Grundbedürfnisse. „Weil i zu oam Arschloch Arschloch gsogt hob.“ Das sei der Grund für seine erste Gerichtsverhandlung gewesen, die an Absurdität kaum zu übertreffen gewesen sein musste. Logisch hinterfragt er die Handlungen des Führerscheinstellen-Besitzers, dem er eine MPU zu verdanken hat. Dabei verhielt sich Söllner pazifistisch und wohlwollend. Auf seine sarkastische witzige Art hinterfrägt der Widerständler die Bürokratie und ihre Hebel-Beweger. „Du scheiß Rassist, schau dasd di schleichst, des is mei Heimat und ned dei Reich!“ Söllners unverkennbare rauchige Stimme verleiht dem jüngeren Lied „Rassist“ den richtigen Schliff und wird mit tosendem Applaus und Jubel belohnt.

Zum Abschied entlässt Hans Söllner das Publikum mit einem Ratschlag: „Rauchs liaba etz zam, dann hosd nix dabei. Dei woartn scho do drassn. Also, bleibts freindlich mitanand!“

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