30.08.2018 - 14:52 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Über skurrile Bräuche und Netflix

Joseph Vilsmaier ist schon lange im Filmgeschäft. Vor 30 Jahren kam sein Debütfilm „Herbstmilch“ in die Kinos. Mit „Bayern – Sagenhaft“ hat der 79-Jährige ein Herzensprojekt umgesetzt.

Regisseur Joseph Vilsmaier spricht im Interview über seinen aktuellen Film und die sich verändernde Filmlandschaft. In der vergangenen Zeit war der gebürtige Münchener einige Male in der Oberpfalz. Etwa beim den "Filmnächten an der Naab" in Schwandorf und im Kinocenter Nittenau (Bild).
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Für den Film, in dem Monika Gruber als eine Art Moderatorin durch Bayern führt, hat Vilsmaier viel geworben. Über zwei Monate lang war er jeden Tag in zwei Kinos, samstags und sonntags sogar in drei, um sein neuestes Werk vorzustellen. In diesem Zeitraum hat er fast 20 000 Kilometer zurückgelegt. Im Interview mit Oberpfalz-Medien spricht er über „Bayern – Sagenhaft“, Streamingdienste und sein nächstes Projekt.

ONETZ: Herr Vilsmaier, um den Filmtitel zu zitieren: Was macht Bayern so sagenhaft?

Joseph Vilsmaier: Bayern ist schon von der Lage her sagenhaft. Wir liegen mitten im Süden Europas und sind ruckzuck in Italien, Frankreich und bei allen anderen südlichen Nachbarn. Wer hat das schon?

ONETZ: Als einer, der sehr viel in der Welt herumgekommen ist, betonen Sie immer wieder, wie schön es in Bayern ist. Genau diese Seite beleuchten Sie in Ihrem Film. Monika Gruber sagt darin etwa: „Ein Nichtbayer könnte fast den Eindruck haben, dass wir Bayern das ganze Jahr in Tracht von einer Brotzeit zum nächsten Bierfest gehen und nicht arbeiten.“ Warum haben Sie sich für dieses Konzept entschieden?

Joseph Vilsmaier: Ich hatte in „Bavaria – Traumreise durch Bayern“ mein Augenmerk primär auf der Landschaft. Teilweise aus der Vogelperspektive und auch aus der Menschperspektive. Und ich habe bei den Dreharbeiten so viel mehr gesehen, was bei uns in Bayern an Traditionen und Bräuchen gelebt wird, dass ich teilweise auch auf diese durchaus skurrilen Bräuche und Feste – die nun mal Bierfeste sind – hinweisen wollte. Im Ablauf kann man da durchaus den Eindruck bekommen, den Monika Gruber beschrieben hat. Aber daran ist doch nichts auszusetzen.

ONETZ: Sie haben einmal über Bayern gesagt: „Hier bin ich geboren und hier gehöre ich hin.“ Ich schließe daraus, dass Bayern Ihre Heimat ist, oder? Wie würden Sie den Begriff Heimat definieren?

Joseph Vilsmaier: Natürlich ist Bayern meine Heimat und da ich gerne da bin, wo ich mich richtig wohl fühle, gehör' ich da auch hin. Heimat ist da, wo mein Herz ist und meine Kinder und die Menschen, die zu meinem Leben gehören. Ich möchte aus dem Begriff „Heimat“ kein Politikum machen.

ONETZ: In „Bayern – Sagenhaft“ steckt nicht nur eine Liebeserklärung, sondern auch sehr viel Zeit. Sie haben vier Jahre lang gedreht, aus all den Szenen schließlich ein eineinhalb stündiges Best-of über Bayern gemacht. Wie schwer war es, Szenen herauszulassen und gewisse Themen nicht zu behandeln?

Joseph Vilsmaier: Die Entscheidung "Was drehe ich?" und dann die Auswahl zu treffen ist immer schwierig. Ich denke natürlich auch darüber nach, was könnte die Leute wirklich interessieren? Ich mach ja so einen Film nicht für mich, sondern für Bayern und Nichtbayern, und jeden, der sich für Bayern interessiert. Aber die Auswahl ist immer ein schwieriger Prozess.

ONETZ: Als Oberpfälzer müssen wir allerdings kritisch anmerken: Unsere Region kommt im Gegensatz zu anderen Regierungsbezirken etwas zu kurz. An was liegt‘s?

Joseph Vilsmaier: Sie haben recht, es war ein großes Problem, alle Regierungsbezirke gleichwertig zu zeigen, aber dann hätte ich einen Drei-Stunden-Film machen müssen und ich bin nun mal auf 88 bis 90 Minuten beschränkt. Aber glauben Sie mir: Ich schätze die Oberpfälzer genauso wie die Oberbayern und alle anderen Bezirke. Schließlich sind wir alle Bayern.

ONETZ: Bayern hat sicherlich viele schöne Seiten – aber nicht nur. Ein schwieriges Kapitel war beispielsweise die geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. Bei den „Filmnächten an der Naab“ in Schwandorf - bei denen Sie auch waren, als Ihr Film lief – wurde auch der Film „Wackersdorf" von Regisseur Oliver Haffner gezeigt. Haben Sie den Film schon gesehen? Wenn ja, wie gefällt er Ihnen?

Joseph Vilsmaier: Ich weiß, dass es in Bayern auch Probleme gibt, aber ich wollte einen heiteren positiven Film machen, bei dem man nur „Spaß an der Freud“ hat, nichts sonst. Außerdem bin ich ein Jahrgang, der Wackersdorf live erlebt hat. Ich weiß, was in Deutschland und in Bayern politisch vorgeht. Der Film von Oliver Haffner ist für die Generation gemacht, die nicht weiß, was damals passiert ist. Und vielleicht für die, die es bis heute nicht kapiert haben. Und die schauen sich gewiss auch heute den Film über Wackersdorf nicht an. Gesehen habe ich den Film noch nicht.

ONETZ: Ihr Regie-Debüt „Herbstmilch“ liegt mittlerweile rund 30 Jahre zurück. Was hat sich seitdem in der Filmlandschaft verändert?

Joseph Vilsmaier: Ach ja, Vieles. Es wird immer schwieriger einen Film zu finanzieren, und das Fernsehen lässt viele Menschen auf der Couch verweilen, statt ins Kino zu gehen. Ich hatte es auch schwer „Herbstmilch“ finanziert zu bekommen. Aber heute ist es, glaube ich, noch schwieriger. Ich wünsche allen jungen Filmemachern viel Energie und Ausdauer.

ONETZ: Wie sehen Sie die Entwicklung, was Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime angeht? Eher kritisch oder eröffnet das Möglichkeiten für Filmemacher? Streamen Sie selbst?

Joseph Vilsmaier: Hier setzt sich Ihre vorige Frage fort. Die Entwicklung von Streamingdiensten birgt eine Chance, ist aber auch für klassische Filmemacher möglicherweise ein Problem, dem sie sich aber stellen müssen. Das ist die Zukunft. Was mich angeht: Ich streame nicht. Ich schau' mir Filme am liebsten auf der großen Leinwand und im Kino an. Mit der neuen Kinotechnik ist das wirklich ein Erlebnis und ich finde man zeigt den Film-Menschen, die ihr Herzblut in so eine Produktion gesteckt haben, den Respekt,den sie verdienen.

ONETZ: Bei einem Besuch im Kinocenter Nittenau haben Sie erklärt, nach „Bavaria – Traumreise durch Bayern“ und „Bayern – sagenhaft“ keinen dritten Teil über den Freistaat zu realisieren. Bleibt‘s dabei? Wenn ja, haben Sie etwas anderes geplant?

Joseph Vilsmaier: Ja, dabei bleibt es. Ich habe als nächstes ein wunderschönes Projekt: „Die Schattenbraut“. Das Drehbuch stammt von Grimme-Preisträgerin Angelika Schwarzhuber. Die Dreharbeiten starten voraussichtlich im Mai 2019.

In seinem neuen Film „Bayern – Sagenhaft“ präsentiert Regisseur Joseph Vilsmaier verschiedene Bräuche und Traditionen.

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