25.08.2020 - 15:21 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Untragbare Kontraste der Lebensmuster

„... hinter den Spiegeln“: Charlotte Vögele und Ulrike Prusseit stellen Collagen und „Untragbares“ in der Stadtgalerie Amberg aus. Dabei entscheidet der Betrachter, was der Sinn des Ganzen ist.

„Incognito“, wie das Werk, bewegt sich die Künstlerin Ulrike Prusseit in der Galerie. Ausgehend vom Schubladendenken alleine, würde man ihr diese Werke nicht zuschreiben. Tatsächlich befindet sich der Kunstkenner heimlich auf der Suche nach einem Hipster – zu erkennen am Holzfällerhemd, Mütze – egal ob es stürmt oder die Sonne scheint – und Bartwuchs. Nichts von dem hat Ulrike Prusseit zu bieten. Sie ist Sinnbild für Ausgewogenheit und Ruhe. Ihre Werke: schräg, collagenartig mit herausstechenden Akzenten in Form und Farbe. Etwas Retro gemischt mit Fortschritt, eine Zeitspanne dargestellt in jedem Bild, mit unterschiedlicher Sinnhaftigkeit. Letztere erschließt sich aus dem Wesen des Betrachters.

Aus einer Rom-Reise brachte die Starnbergerin einen fluoreszierenden Jesus mit, der lange Zeit in einer Tüte vor sich hin verweilte. Für eine andere Ausstellung nutzte Prusseit den einstigen Rebellen und pinnte ihn an einen Besteckkasten. „Auch der Gute passte in keine vorgegebene Schublade“, erklärte sie ihre Epochendarstellung in einer großen Collage. Wie jetzt auch, sahen damals viele Menschen das Geschehen aufgeteilt in Schwarz und Weiß: Befürworter und Gläubige auf der einen Seite, Gegner und Leugner auf der anderen. Wie man es sich drehe, komme auf die Sichtweise des einzelnen an.

Ergänzend und sich perfekt einfügend stehen die grandiosen Kleidungsstücke der Charlotte Vögele im Vordergrund. Erlenzäpfchen, genähte Buchenblätter, Maiskolben oder die Dornen der Akazie werden in Untragbares verwandelt. Schuhe und Schal, Kleid und Mantel sind charmant und exquisit, aber leider nicht anzulegen. Da blutet das zeitgeistige Herz der stilbewussten Frau von Heute. Aber das macht die Werke nur noch interessanter. Für jedes natürliche Material gibt es einen gewissen Zeitrahmen zum Sammeln. Die Hüllenblätter vom Mais trocknen erst nach der Fertigstellung. Erlenzäpfchen werden nach dem Abfallen gesammelt. Die Blätter der Buche müssen noch feucht sein. Ihre Werke entstehen aus der Beobachtung der Natur und manmchal verhalf ihr der gute Goethe mit seiner Farbenlehre zur Inspiration.

Die Ausstellung „... hinter den Spiegeln“ ist eine Zeitreise ins Ich und das Erkennen von natürlichen Elementen, die unsere Lebensmuster prägen. Harmonisch, ergänzend und passend zur gegenwärtigen Jahreszeit, als auch Vorbote der Zukunft.

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