Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Russland Menschenhandel bei der Rekrutierung von ausländischen Kämpfern für den Krieg in der Ukraine vorgeworfen. „Viele Rekruten wurden mit falschen Versprechungen von zivilen Jobs, hohen Gehältern, einem Aufenthaltstitel oder der russischen Staatsbürgerschaft gelockt und fanden sich prompt an der Front in der Ukraine wieder“, schrieb Amnesty in einem veröffentlichten Bericht. Bei der Anwerbung werden demnach Mittel wie Nötigung, Betrug, Täuschung oder die Ausnutzung einer wirtschaftlichen Schwächelage eingesetzt. Damit seien die Voraussetzungen für den Vorwurf des Menschenhandels nach dem UN-Protokoll von Palermo aus dem Jahre 2000 erfüllt.
Recherche in Kriegsgefangenenlagern
In ihrer Recherche seien zwischen 2024 und 2026 bei sechs Besuchen etwas mehr als ein Dutzend Ausländer in zwei ukrainischen Kriegsgefangenenlagern befragt worden. Diese seien aus Drittstaaten wie Kolumbien, Kuba, Ägypten, Somalia oder Südafrika gewesen. Nur drei der Befragten hatten den Angaben nach bewusst den Vertrag für den Kriegsdienst in der Ukraine unterzeichnet.
So schilderten Kriegsgefangene aus Brasilien und Sri Lanka, dass ihnen nach der Vertragsunterzeichnung Pässe und Mobiltelefone abgenommen worden seien. Die Verträge seien zudem auf Russisch gehalten gewesen, niemand habe Englisch gesprochen. Die neuen Soldaten erhielten den Angaben nach nur eine unzureichende militärische Grundausbildung von rund zwei Wochen.
Amnesty in Russland unerwünscht
In Russland konnten keine Nachforschungen betrieben werden, da Amnesty seit Mai 2025 als „unerwünschte Organisation“ gilt, teilten die Menschenrechtler mit. Es seien jedoch Aussagen von durch rechtswidrige Praktiken Betroffenen, deren Familienangehörigen, Anwälten und Journalisten in den Bericht eingeflossen.
Amnesty hat dabei nach eigenen Angaben keine Hinweise auf mögliche Praktiken des Menschenhandels bei Drittstaatlern in der ukrainischen Armee erhalten. Es gebe jedoch Hinweise auf Korruption, Diskriminierung und schlechte Behandlung durch Vorgesetzte. Das ukrainische Außenministerium habe erklärt, dass solche Vorfälle bekannt seien, untersucht werden und Maßnahmen zur Klärung eingeleitet würden. Jüngsten Angaben aus Kiew nach sind unter den rund 880.000 ukrainischen Soldaten knapp 16.000 Ausländer aus mehr als 70 Ländern, fast 40 Prozent dabei aus lateinamerikanischen Staaten.
Nach ukrainischen Angaben haben seit dem russischen Einmarsch im Februar 2022 mehr als 28.000 ausländische Staatsangehörige aus über 130 Staaten einen Vertrag mit der russischen Armee abgeschlossen, über 40 Prozent davon aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion in Zentralasien. Der ukrainische Generalstab bezifferte zuletzt die Zahl russischer Soldaten im Kampfeinsatz mit etwas über 720.000 Mann. Damit läge der Ausländeranteil bei weniger als vier Prozent.
© dpa-infocom, dpa:260910-930-663214/1



















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