Anachronist für die Ewigkeit

Kaum ein deutscher Session-Musiker hat sich einen derart legendären Status erarbeitet wie Gitarrist, Komponist und Produzent Carl Carlton. Jetzt gibt es ein Best-of-Album.

Carl Carlton ist ein Ausnahmekünstler von internationalem Rang. Als Gitarrist, Songwriter und Produzent arbeitete er bereits mit Robert Palmer, Eric Burdon, Joe Cocker oder Paul Young zusammen, um nur einige aus einer langen Liste zu nennen.
von Autor MFGProfil

Solche Chefs wünscht man sich: Udo Lindenberg, Joe Cocker oder Manfred Mann's Earthband oder der 2003 mit 54 Jahren viel zu früh verstorbene Crooner Robert Palmer ("Looking For Clues"). Er wurde rasch ein Freund und forderte Carlton Ende der 90er auf, endlich seine eigene Band zu gründen. Daraufhin rief der sympathische Gitarrist die "Songdogs" ins Leben, neben Palmer mit anderen äußerst angesehenen Künstlern, etwa Schlagzeuger Bertram Engel, Keyboarder Pascal Kravetz, Gitarrist Moses Mo und Ex-Mother's Finest-Bassist Wyzard.

Zu dieser Kerntruppe stießen immer wieder legendäre Musiker, zum Beispiel Levon Helm und Garth Hudson von The Band, Faces-Keyboarder Ian McLagan, Eric Burdon von The Animals, der "fünfte Beatle" Klaus Vormann oder Bobby Keys, der Saxofon für die Rolling Stones spielt. Und nicht zuletzt Ron Wood.

Nach vier Alben gingen die "Songdogs" freundschaftlich auseinander. Ihre akustischen Höhepunkte findet man auf der vor kurzem erschienenen Produktion "Lifelong Guarantee - The Best Of Carl Carlton & The Songdogs". (Staages Music/Cargo). Zu Veröffentlichung haben sich Carlton und seine Recken wieder zusammen getan, um in Originalbesetzung live nochmals die Puppen tanzen zu lassen: In München am Dienstag, 22. Oktober (20 Uhr), im "Strom".

ONETZ: Was war das für ein Gefühl, mit „Lifelong Guarantee“ einen Rückblick in einen Teil der eigenen musikalischen Ära zu bestreiten?

Carl Carlton: Carl Carlton: Ich habe die „Songdogs“ immer geliebt, bin total stolz auf dieses Projekt. Als ich die Lieder zusammen stellte, kam auch viel Wehmut in mir auf. Immerhin hat mir kein Geringerer als Weltstar Robert Palmer den Tritt in den Hintern verpasst, um dieses Ding ins Laufen zu bringen. Ich bin nach wie vor traurig über seinen Tod, dieser Verlust schmerzt außerordentlich.

ONETZ: Wie haben Sie die endgültige Auswahl für die Kompilation getroffen?

Carl Carlton: Das war kompliziert, denn jeder einzelne Song ist ein Baby von mir. Und mit Babys geht man bekanntermaßen behutsam um. Doch letztlich habe ich mich für diejenigen Kompositionen entschieden, die live am besten ankommen. Ganz im Sinne der Devise: „Das Publikum entscheidet.“

ONETZ: Sie haben über all die Jahrzehnte hinweg mit unglaublich vielen unterschiedlichen Musikern gespielt. Haben Sie diese eher als Freunde oder als Auftraggeber gesehen?

Carl Carlton: Mit zunehmendem Alter unterscheide ich nicht mehr zwischen Chefs und Angestellten. Zudem bin ich mir meines Stellenwerts als Musiker, Produzent und Komponist durchaus bewusst. Ich lebe ja seit einiger Zeit einen Teil des Jahres ganz bewusst im legendären Woodstock. Mich begeistert die Hippie-Atmosphäre, die dort nach wie vor herrscht. Deshalb behaupte ich einfach mal, dass all die verschiedenen Typen, mit denen ich kooperiere, insgesamt eine tolle Kreativ-Familie ergeben. Ich bin ein Anachronist für die Ewigkeit.

ONETZ: Wie fühlt es sich an, wenn man wie Sie ein Rock & Roll-Dasein geführt hat?

Carl Carlton: Je älter man wird, desto mehr lässt man den Unsinn weg, der mit diesem Leben früher eng zusammen gehängt hat. Ich stecke seit langem nicht mehr die Nase in den Schnee, wenn Sie verstehen, was ich meine. „Nicht lang schnacken, Kopp in Nacken“, wie man bei uns in Norddeutschland sagt, wenn man Schnaps trinkt anstatt mit seinem Gegenüber zu reden, mache ich praktisch gar nicht mehr. Auch schaue ich kaum noch irgendwelchen Röcken hinterher. Ich hatte eine geile und verrückte Zeit, keine Frage. Aber man muss auch wissen, wann es gut ist.

ONETZ: Was ist live von der aktuellen Tournee zu erwarten?

Carl Carlton: Wir Fünf sind gut aufeinander eingespielt, haben viel geprobt. Das Ganze ist einfach nur toll. Wir beleben jeden Abend – hoffentlich – den Groove von einst wieder. Die Besucher sollen nichts anderes als Spaß bei unseren Auftritten haben. Alles ist richtig geil!

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