So schnell kann eine Farce zum Drama werden: Wochenlang hat der russische Präsident Wladimir Putin der Weltöffentlichkeit ins Gesicht gelogen, und jeder hat es gewusst. Er hat die Massierung von russischen Truppen an der Grenze der Ukraine als bloßen Übungszweck verkauft und so getan, als gebe es noch diplomatischen Spielraum, um den Zünder aus der Bombe zu entfernen, die in der Nacht zum Donnerstag schließlich detoniert ist. Wie von ihm geplant.
Dazu füttert er seine eigene Bevölkerung per TV-Ansprachen mit Halbwahrheiten, Geschichtsverklärung und puren Lügen. Angefangen bei der Behauptung, die Ukraine sei von der Sowjetunion geschaffen worden und damit ohnehin kein eigenständiger Staat, bis zur Mär, die Ukraine arbeite an einer nuklearen Bewaffnung.
Und die Russinnen und Russen? Am Donnerstag sind sie überall im Land gegen den Kriegstreiber im Kreml auf die Straße gegangen. Immerhin konnten sie zeigen: Putin ist nicht Russland. Doch dessen Polizei-Apparat hat den Protest im Keim erstickt. Vorerst.
Was also will man, was darf man Putin noch glauben? Dass es ihm wirklich nur um die von ihm als "autonom" anerkannten Gebiete Luhansk und Donezk geht und er seine Truppen nicht auch Kiew und mithin das gesamte Land erobern lässt? Dass er nach der Ukraine stoppt und nicht etwa Ex-Sowjetrepubliken wie Estland, Litauen und Lettland ins Visier nimmt? Der 69-Jährige hat längst damit begonnen, die Weltkarte mit militärischen Mitteln neu zu zeichnen.
Putin hat mit dem Einmarsch in die Ukraine erreicht, dass jetzt alle Augen auf ihn gerichtet sind. Bleibt zu hoffen, dass es ihm lediglich darum geht, Russland wieder mehr Respekt zu verschaffen, um am Verhandlungstisch besser Bedingungen stellen zu können. Weil er und seine Absichten aber dem Westen offenbar ein einziges großes Rätsel sind, ist die Lage ein Pulverfass mit vielen Lunten. Und Feuerzeuge sind leicht zu bekommen.





















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