Angst ist ansteckend: Keine Panik vor dem neuen Corona-Virus

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Die Coronavirus-Panik geht um in Europa: Italien riegelt Städte ab, Österreich stoppt Züge, auch Bayern wird schon nervös: Ein Kommentar von Jürgen Herda mit Ratschlägen des Robert-Koch-Instituts.

Die Corona-Panik treibt immer neue Blüten: Ein Mann mit Mundschutz präsentiert einen Desinfektionsroboter. Der Roboter kann eine Fläche von 10.000 Quadratmetern pro Stunde desinfizieren und soll das medizinische Personal vor der Ansteckung mit dem Coronavirus schützen.
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

Auf der einen Seite die Fakten: Das Robert-Koch-Institut schätzt die "Gefahr durch das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) für die Gesundheit der deutschen Bevölkerung weiterhin als gering" ein. In diesem Kontext klingt Melanie Humls (CSU) Beschwichtigungsversuch, vor der "Abriegelung einer Stadt" andere Lösungsmöglichkeiten zu prüfen, bereits als überzogen.

In Mailand versucht Professor Davide Galli seine Landsleute zu beruhigen: Die Corona-Symptome ähnelten in den meisten Fällen einer normalen Erkältung, jeden Winter würden in Italien sehr viel mehr Menschen an der Grippewelle sterben: "Es ist nicht die Pest, der gesunde Menschenverstand wird sich durchsetzen."Auf der anderen Seite lösen TV-Bilder Urängste aus: Menschen mit Mundmasken, abgeriegelte Städte. "Angst ist ansteckend", sagt Psychiater Borwin Bandelow. "Panik ist ein schlechter Ratgeber, Hygiene besser als Hysterie."

Tipps der mongolischen Regierung

Damit liegt er auf einer Wellenlänge mit dem Robert-Koch-Institut und, ja, der mongolischen Regierung, deren Land trotz unmittelbarer Nachbarschaft zu China noch keine bestätigten Coronafälle hat. Wie vernetzt die Welt des 21. Jahrhunderts ist, zeigt diese Nachricht, die uns über Linked-in erreicht hat: „Die mongolische Regierung gibt ihren Bürgern eben gute Tipps“, schreibt uns Nordirland-Forscher Walter Leonhardt, der mit einer Mongolin verheiratet ist: "Das größte Problem des Coronavirus ist die Angst." Jährlich sterben weit mehr als eine halbe Million geschwächte Menschen an Grippeviren, ohne auch nur eine Schlagzeile auszulösen.

Ratschläge des Robert-Koch-Instituts:

Coronavirus-Infektion erkennen, vorbeugen, behandeln

Was raten Mediziner und Mongolen? „Verzichten Sie auf Party machen und bleiben Sie mit Ihrer Familie nach Möglichkeit zu Hause“, rät Walter Leonhardt Personen in betroffenen Gebieten. „Ich teile die Ansicht der deutschen Forscher weitgehend, verlasse mich nur zusätzlich auf die Beobachtungsgabe der mongolischen Studenten, Taxifahrer und illegalen Immigranten, die aus den betroffenen Gebieten nach Hause berichten. Denn die mongolische Regierung hört ebenfalls darauf und die Mongolei ist als einziges Land bislang virusfrei.“

◘ Risikogebiete: Betroffen ist insbesondere die Metropole Wuhan (11 Millionen Einwohner) in China und die Provinz Hubei, zu der Wuhan gehört, sowie die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo und Taizhou in der Provinz Zhejiang. Auch andere Länder haben inzwischen über Fälle oder lokale Ausbrüche berichtet. In Deutschland sind bislang nur wenige bestätigte Fälle aufgetreten.

Kontakt zu Infizierten: Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das neuartige Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde und Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, sollten generell Kontakte zu anderen Personen vermeiden und sich unverzüglich mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen.

◘ Reisende in betroffene Gebiete: Für Reisende aus Regionen, die keine Risikogebiete sind, in denen es aber vermehrt zu Übertragungen kommt (z.B. China, Italien, Iran, Südkorea), gilt: Wenn Sie innerhalb von 14 Tagen nach Rückreise Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, sollten Sie - nach telefonischer Anmeldung und mit Hinweis auf die Reise – einen Arzt anrufen und um einen Hausbesuch bitten. Zudem sollten Sie unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben. Halten Sie beim Husten und Niesen Abstand oder drehen Sie sich weg und halten sich die Armbeuge oder ein Taschentuch vor Mund und Nase. Entsorgen Sie benutze Taschentücher sofort. Die Hände sollten Sie regelmäßig und gründlich mit Wasser und Seife waschen.

◘ Corona-Symptome: Wie andere Erreger von Atemwegserkrankungen kann eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus zu Krankheitszeichen wie Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber führen. Einige Betroffene leiden auch an Durchfall. Bei einem Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schwereren Verlauf einherzugehen und zu Atemproblemen und Lungenentzündung zu führen. Todesfälle traten allerdings bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren und/oder bereits zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten. Derzeit liegt der Anteil der Todesfälle, bei denen die Erkrankung mittels Labortest bestätigt wurde bei etwa 2 Prozent. Es ist aber wahrscheinlich, dass dieser Anteil tatsächlich geringer ist, weil sich die Daten auf Patienten beziehen, die im Krankenhaus behandelt wurden. Derzeit wird davon ausgegangen, dass es nach einer Ansteckung bis zu 14 Tage dauern kann, bis Krankheitszeichen auftreten.

◘ Eigenschaften des Virus: Der Coronavirus ist in der Hitze nicht überlebensfähig, 56-57 Grad Temperatur zerstören ihn. Heißer Tee oder heiße Zitrone, Inhalieren von Wasserdampf sind hilfreich. Der Virus überlebt am längsten auf Metallflächen: mehr als 12 Stunden, daher sollte man diese regelmäßig desinfizieren. Das gleiche gilt für Kleidung, die man außer Haus getragen hat – gegen Waschmittel hat er Virus keine Chance.

◘ Mundmasken: Die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum persönlichen Schutz sowie zum Schutz von anderen Personen vor der Ansteckung mit Erregern von Atemwegsinfektionen sind die korrekte Husten- und Nies-Etikette, eine gute Händehygiene und das Abstandhalten (ca. 1 bis 2 Meter) von krankheitsverdächtigen Personen. Diese Maßnahmen sind in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten.

Wenn eine an einer akuten Atemwegsinfektion erkrankte Person sich im öffentlichen Raum bewegen muss, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (z.B. eines chirurgischen Mundschutzes) durch diese Person sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen durch Tröpfchen, welche beim Husten oder Niesen entstehen, zu verringern (Fremdschutz).

Für die optimale Wirksamkeit ist es wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz korrekt sitzt. Dieser muss eng anliegend getragen werden und bei Durchfeuchtung gewechselt werden. Während des Tragens sollte er nicht (auch nicht unbewusst) verschoben werden. Lassen Sie sich von einer medizinischen Fachkraft beraten, ob diese Maßnahme in Ihrem konkreten Fall empfehlenswert ist, welche Maske für Sie geeignet ist und wie man die Maske richtig anlegt bzw. wechselt.

Hingegen gibt es keine hinreichenden Belege dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, verringert. Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. Das kann dazu führen, dass zentrale Hygienemaßnamen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden.

Mundmasken mit Markierung n95 schützen bis 6 Stunden, normale Masken bis 2 Stunden. Danach die Masken waschen.

Das Robert-Koch-Institut rät:

https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-sars-cov-2.html

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