Update 22.04.2019 - 13:15 Uhr
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Anschlagsserie am Ostersonntag: 290 Tote in Sri Lanka

Es trifft Gläubige während des Ostergottesdienstes und Gäste von Luxushotels: Eine Serie von Explosionen erschüttert Sri Lanka und sorgt international für Entsetzen und Bestürzung. Drahtzieher soll eine islamistische Splittergruppe sein.

Dieses Standbild aus einem Video von Hiru TV zeigt Rettungskräfte, die nach einer Explosion Verletzte aus einer Kirche bringen. Bei Explosionen in Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka sind mehrere Menschen getötet worden.

Nach den Oster-Anschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka mit mindestens 290 Toten hat die Regierung den Notstand ausgerufen. Wie Medien in Sri Lanka am Montag berichteten, sollte dieser am Montag um Mitternacht in Kraft treten. Dies solle Polizei und Armee helfen, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, hieß es. Gleichzeitig machte die Regierung in Colombo erstmals Angaben zum möglichen Hintergrund der Attentatsserie: danach soll die örtliche islamistische Splittergruppe National Thowheeth Jamath (NTJ) Drahtzieher der Anschläge sein.

Alle sieben Selbstmordattentäter seien Bürger von Sri Lanka, sagte ein Sprecher des Kabinetts in Colombo. Die Organisation habe jedoch Hilfe eines internationalen Netzwerkes gehabt. Die Regierung bezeichnete die Attentate als eine "völlig neue Art von Terrorismus". Dies sei "ein Schock, und wir werden mit einer Schock-Therapie antworten", erklärte Sri Lankas Wohnungs- und Kulturminister Sajith Premadasa. Nach einem Jahrzehnt relativer Ruhe sei der Anschlag eine neue Form des Terrorismus, sagte Premadasa. Die National Thowheeth Jamath (NTJ) in Sri Lanka hat keinerlei Verbindungen zur gleichnamigen Organisation in Südindien, einer nichtpolitischen, muslimischen Organisation.

Bei der Serie von insgesamt acht Anschlägen am Sonntag sind nach Angaben der Polizei in Colombo zudem um die 500 Menschen verletzt worden. Unter den Todesopfern sind 27 Ausländer. Sri Lankas Regierung blockierte auch am Montag vorsorglich eine Reihe sozialer Medien wie Facebook, Instagram und Whatsapp, um Gerüchte und Falschmeldungen zu stoppen. Sie appellierte an die Medien, keine Namen von Attentätern oder Festgenommenen zu veröffentlichen, um nicht den Anlass für religiöse Ausschreitungen zu bieten. Im Zusammenhang mit der Terrortat hat die Polizei bislang 24 Verdächtige festgenommen. Am Sonntag hatten Selbstmordattentäter fast zeitgleich sechs Anschläge auf drei Kirchen und drei Luxus-Hotels verübt.

Mehrere Bomben explodierten in drei Hotels in der Hauptstadt, dem Shangri-La, dem Cinnamon Grand und dem Kingsbury-Hotel. Fast gleichzeitig explodierten Sprengsätze in der katholischen St.-Antonius-Kirche in Colombo, in der katholischen St.-Sebastian-Kirche im Touristenort Negombo und in einer evangelikalen Kirche in Batticaloa, im Osten der Insel.

Die Gotteshäuser waren während des Ostergottesdienstes gut besucht. Allein zum Gottesdienst in Negombo waren mehr als 1000 Gläubige erschienen. Am Nachmittag folgten zwei weitere Explosionen in der Hauptstadt Colombo in einem Hotel und einem Privathaus. Mindestens fünf Menschen starben. Am Abend wurde auf der Zufahrtsstraße zum internationalen Flughafen von Colombo eine zwei Meter lange Rohrbombe entdeckt. Spezialisten entschärften den Sprengsatz.

Dieses von Derena TV zur Verfügung gestellte Videostandbild zeigt Polizei und Rettungsdienste an einem der Sprengplätze in Colombo. Bei Explosionen in Kirchen und Luxushotels in Sri Lanka sind mehrere Menschen getötet worden.

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Weltweites Entsetzen

Die Angriffsserie stieß weltweit auf Entsetzen. Papst Franziskus gedachte vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom der Opfer. "Ich möchte der christlichen Gemeinschaft, die getroffen wurde, als sie im Gebet versammelt war, und allen Opfern so grausamer Gewalt meine innige Nähe ausdrücken", sagte Franziskus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte dem Präsidenten Sri Lankas und schrieb: "Fassungslos und voller Entsetzen verfolge ich die schrecklichen Nachrichten über die feigen Terroranschläge in Sri Lanka, bei denen so viele unschuldige Menschen den Tod fanden und viele mehr verletzt wurden." Kanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm: "Es ist schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren." Sie fügte hinzu: "Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen."

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini betonte: "Solche Gewaltakte an diesem heiligen Tag sind Gewaltakte gegen jeden Glauben und jede Konfession." US-Präsident Donald Trump schrieb: "Wir stehen bereit, um zu helfen." Russlands Wladimir Putin nannte die Bluttaten "grausam und zynisch". Indiens Premier Narendra Modi schrieb: "In unserer Region gibt es keinen Platz für solche Barbarei." Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte: "Das ist ein Angriff auf die gesamte Menschheit."

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise. "Reisende werden gebeten, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten", schrieb das Ministerium.

"Sollten Sie auf der Insel im Osterurlaub sein, melden Sie sich bitte bei Ihren Verwandten und Freunden", schrieb das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes auf Twitter. Die Telefon- und Internetverbindungen im Land seien überlastet. "Wenn Sie Ihre Angehörigen vor Ort erreichen wollen, versuchen Sie es mit einer SMS."

Die deutsche Botschaft in Sri Lanka steht nach Angaben von Bundesaußenminister Heiko Maas mit den lokalen Behörden in Kontakt und bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung, ob auch Deutsche betroffen sind. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter 030-50000 melden.

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